Donnerstag, 30. September 2010

Mittwoch, 29. September 2010

Ein Leben, das ähnlich ist dem der Engel…


Im Weihegebet der Kirche heißt es über die geweihten Jungfrauen:

Denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel. –

Den Engeln begegne ich im täglichen Gebetsleben mehrmals: beim Angelusgebet, das mit den Worten beginnt: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft…, im ersten Hochgebet, wenn es heißt, Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit…, manchmal auch im Te Deum oder zum Schluß der Komplet:
Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus
und halte alle Nachstellungen des Bösen von ihm fern.
Deine heiligen Engel mögen darin wohnen und uns im Frieden bewahren.
Und dein Segen sei über uns allezeit.
Mindestens einmal am Tag aber versetze ich mich leibhaft in die Gegenwart der Engel, nämlich, wenn wir im Hochgebet das Sanctus singen. Von den Engeln im Himmel heißt es, daß sie in der Anschauung Gottes nichts anderes tun, als immerfort auszurufen:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere.
Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.
In diesen Chor hier auf Erden schon einstimmen zu können und womöglich die Ewigkeit so zu verbringen, ist eine unglaublich schöne Vorstellung.

Hll. Michael, Gabriel und Raphael, Erzengel

Rückseite eines Flügelaltars von Alban Windhausen
in der Kirche St. Petrus in Berlin-Wedding 1910
Man muß wissen, daß das Wort „Engel“ eine Bezeichnung für dessen Aufgabe, nicht für dessen Natur ist. Die seligen Geister in der Heimat des Himmels sind immer Geister, aber sie können nicht immer Engel genannt werden. Denn sie sind nur dann Engel, wenn durch sie eine Botschaft ergeht, jene, die nur geringeres zu verkünden haben, heißen „Engel“, die aber höchste Botschaften bringen, „Erzengel“.

Daher kommt es, daß zu Maria nicht irgendein Engel, sondern ein Erzengel geschickt wurde. Denn es ziemte sich, daß für diesen Dienst ein Engel höchsten Ranges kam, weil er die höchste aller Botschaften brachte.

Dswegen werden sie auch mit Eigennamen erwähnt, und der Name besagt, was der Engel zu wirken vermag. Denn in der heiligen Stadt, zu der die Gottesschau die Vollendung des Erkennens bewirkt, gibt es keine Eigennamen, weil ihre Träger auch ohne einen solchen erkannt werden können. Nur deswegen, weil diese zu uns kommen, um uns einen Dienst zu leisten, erhalten sie von uns von ihrem Dienst her einen Namen. Michael heißt Wer ist wie Gott. Gabriel: Kraft Gottes, Raphael: Arznei Gottes.

Sooft es sich um Wunderkraft handelt, hören wir, daß Michael gesandt wird, und wir erkennen aus dem Vorgang und aus dem Namen, daß niemand kann, was die Kraft Gottes vermag. Denn auch der alte Feind, der in seinem Stolz Gott gleich sein wollte und sagte: „Ich ersteige den Himmel; dort oben, über die Sterne des Himmels stelle ich meinen Thron auf; dem Allerhöchsten will ich gleich sein“, er wird am Ende der Welt seiner eigenen Kraft überlassen, um der äußersten Strafe zu verfallen. Er wird nämlich mit dem Erzengel Michael streiten, wie Johannes sagt: Es entbrannte ein Kampf mit dem Erzengel Michael.

Zu Maria wird Gabriel gesandt, der Kraft Gottes genannt wird. Er kam, um die Ankunft dessen zu melden, der in Demut erschien, um gegen die Mächte der Luft zu streiten. Er mußte durch die Kraft Gottes verkündigt werden, weil er als der Herr der Kräfte kam, der „mächtig im Kampf“ ist.

Raphael heißt Arznei Gottes. Er berührte wie ein Arzt die Augen des Tobit und wischte die Dunkel der Blindheit weg. So war es passiert, daß er Arznei Gottes genannt wird. weil er zum Heilen gesandt wurde. (Homilie Gregors des Großen zum Fest)

Dienstag, 28. September 2010

Vinzenz und Lazarus

Gestern wurden wir unverhofft nach der Heiligen Messe noch zu einem Beisammensein eingeladen. Als vor der Tür zwar kein armer Mann lag, aber einer stand, fiel uns gleich das Sonntagsevangelium wieder ein, so daß der arme Mann mit vereinten Bemühungen doch zu einem Anteil dessen gekommen ist, „was von dem Tisch des Reichen herunterfiel“ – wobei man die Anwesenden beim besten Willen nicht als Fresser und Prasser hätte bezeichnen können.

Daß sich das ganze am Gedenktag des hl. Vinzenz zutrug und es sich bei den freudigen Gebern um die Mitglieder des Vinzenzkreises handelte, hätte den Heiligen sicher gefreut.

Jesus Maria!


Etwas eigenartig ist es schon – zumindest für mich als Deutsche – an jemanden zu schreiben, der Jesus mit Vornamen heißt: Dear Jesus, …und dann nicht mit einer Lobpreisung oder einem Gebet fortzufahren.

Derjenige schrub mir übrigens vorhin zurück, ich bräuchte jetzt wirklich nichts mehr für ihn zu tun, es wäre alles in schönster Ordnung. – Mit zweitem Vornamen heißt er Maria.

Montag, 27. September 2010

Mit dem Paternoster fahren

Irgendwie ist Mundkommunion wie Paternosterfahren, ging mir neulich durch den Sinn. Die Geschichte mit dem Paternoster und mir ging so:

Früher einmal hatte ich in einem Hochhaus zu arbeiten, in dem man mit dem Paternoster nach oben mußte (womöglich hat es auch irgendwo ein Treppenhaus gegeben, keine Ahnung). Jedenfalls hatte ich die kindliche Befürchtung, wenn ich einmal in den Paternoster eingestiegen sei, wüßte ich nicht, wie man wieder aussteigt, weil ich mich einfach nicht trauen würde, in dem Moment, wenn er an einem Stockwerk vorbeikommt, den entscheidenden Schritt zu machen, und so müßte ich immer weiter fahren (und verhungern und verdursten…, OK, abblenden, Schnitt). Daß unten an diesem Aufzug ein Schild hing, mit der Aufschrift: „Noch EiN schwerer Unfall mit dem Paternoster, und er wird für immer gesperrt!“ machte es auch nicht eben leichter.

Als ich nach dem Vorstellungsgespräch dem besten Freund von allen mein Leid klagte, meinte der: Das ist ganz einfach, du hängst einfach ein Bein etwas raus und wenn das auf dem Boden aufkommt, ziehst du das andere nach. Das klappte auch tatsächlich ganz wunderbar. In der Folge bin ich dann immer begeisterter Paternoster gefahren, zum Schluß sogar oben herum (die ultimative Phantasie: wird man da flachgedrückt oder steht man auf dem Kopf?).

So ähnlich geht es mir im Moment mit der Mundkommunion. Nachdem ich mich nun einmal getraut habe, nicht nur gelegentlich so zu kommunizieren, merke ich, wie sehr es mir gut geht dabei.

Sonntag, 26. September 2010

Und mit Lazarus, dem einst Armen…

In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. (Lk 16,19)


Bemerke wohl, daß die Leute gewöhnlich viel eher die Namen der Reichen wissen als die der Armen. Der Herr aber nennt den Namen des Armen – und den des Reichen nicht. Denn Gott kennt und anerkennt die Niedrigen, und die Stolzen kennt er nicht. (Gregor der Große)

In seiner Predigt Sind wir alle Lazarus? zum heutigen Sonntagsevangelium ging der Zelebrant unter anderem darauf ein, daß das Bild des armen Lazarus früher zum In paradisum der Exsequien gehört hat. Daß uns nun durch Christus, der für uns gestorben ist, ewiges Leben erfreuen möge, ist zwar auch ein schönes Bild, aber eben durchaus nicht dasselbe.

Der lateinische Text dieses schönen und tröstlichen Hymnus aus dem frühen Mittelalter lautet – et cum Lazaro, quondam paupere – und mit Lazarus, dem einst so armen, soll ewige Ruhe dich erfreuen. Das Mittelalter war offensichtlich mutiger als wir heute: es weicht der Theodizeefrage nicht aus, sondern setzt an die entscheidende Stelle die Gestalt des Lazarus. Es ist klar, die wenigsten Menschen sind wie Lazarus. Aber mit ihm sollen sie getröstet und gerettet werden, weil sie an Christus geglaubt haben.

Donnerstag, 23. September 2010

Auf Wiedersehen, Reimon Opitz!





„Immer die guten putzt es zuerst weg!“ hieß es bei uns daheim, wenn einer starb, an dem man sich gern noch länger erfreut hätte. Am Montag starb völlig unerwartet der bekannte Affenpfleger Reimon Opitz, der über 40 Jahre im Berliner Zoo gearbeitet hat, davon allein 20 Jahre bei den Menschenaffen – mit einem ist er sogar einmal in den Urlaub gefahren.

Sicher spielt auch in der ewigen Seligkeit mit den Affen, die er hier unten so geliebt hat.

Dienstag, 21. September 2010

Was uns Hose heißt, gleich wie es hieße…


…kann anständig, bescheiden und zurückhaltend sein.

Alipius Diaconus bezieht sich in den Marginalien auf Einträge in mehreren amerikanischen Blogs, woraufhin die dortigen Kommentarboxen explodierten oder bei einem Überdruck von mehr als 300 Kommentaren vorsorglich geschlossen wurden. Mit dem Thema Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose kann man sich offenbar erstaunlich intensiv beschäftigen. Daß die Frage auch hierzulande gewälzt wird, beweist das Forum, in dem vor einiger Zeit eine Nutzerin beklagte, bei der Feier der Osternacht hätten 90 Prozent der Frauen Hosen getragen, Das sei doch „nicht normal“. Da bin ich schon fast geneigt zu fragen: Habt ihr eigentlich auch noch was anderes im Kopf?

Meine Ansicht? Es kommt darauf an. Zum einen glaube ich, daß sich Frauen und Männer auch äußerlich unterscheiden sollten – wie soll man sich sonst mit dem eigenen Geschlecht identifizieren? Zum anderen aber ist es nicht entscheidend, ob die Kleidung aus Rock oder Hose, Bluse oder T-Shirt besteht, sondern, daß sie wärmt, den Körper ausreichend bedeckt und anständig ist. So manche Hose erfüllt diesen Zweck um vieles mehr als so manches, was man heutzutage einen Rock nennt. Sowohl in einem Rock[1] als auch einer Hose kann eine Frau anständig oder unanständig aussehen.

Mit dem 5. Buch Mose (Dtn 22,5) macht man meiner Ansicht nach argumentativ auch keinen Stich: Ist die hosentragende Frau dem Herrn ein Greuel? Eine Hose im allgemeinen kann schon deshalb kein Greuel in den Augen des Herrn sein, weil dieses Kleidungsstück zu jener Zeit unbekannt war, also weder von Männern noch von Frauen getragen wurde. Auch heißt es im Originaltext nicht Mannsgewand, sondern Männerzeug (auch: Jagdgerät oder Ausrüstung). Längliche Ausführungen zum Thema „Männerzeug“.erspare ich mir an dieser Stelle und verweise stattdessen auf den schon etwas älteren Beitrag von Werner Tietze Von Haaren und Hosen. Des weiteren würde ich jeden Mann, der das Argument „Mannsgewand“ anführte, recht freundlich bitten, einmal drei Wochen lang Hosen der Art zu tragen, wie ich sie habe. Ich wage zu behaupten, es käme erst gar nicht dazu.

Halten wir uns an die Apostel. Petrus: Nicht auf äußeren Schmuck sollt ihr Wert legen, auf Haartracht, Gold und prächtige Kleider, sondern was im Herzen verborgen ist, das sei euer unvergänglicher Schmuck: ein sanftes und ruhiges Wesen. Das ist wertvoll in Gottes Augen. Der hl. Paulus schreibt: Auch sollen die Frauen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen.

Bereits 866 stellte Papst Nikolaus I, gegenüber dem ersten christlichen Herrscher Bulgariens, Boris I., in der Frage, ob die bulgarischen Frauen, zu deren Stammestrachten Hosen gehörten, diese weiterhin tragen dürften, klar: „Ob ihr oder eure Frauen Hosen tragen oder auch nicht, steht weder eurer Erlösung entgegen, noch führt es zu irgendeiner höheren Tugendhaftigkeit.“

Die aus irgendeinem obskuren Grund weitaus öfter zitierte Aussage Kardinal Siris muß man dagegen im Kontext lesen: Kardinal Siri ging es bei seiner Beurteilung darum, daß sich Männer und Frauen im Äußeren unterscheiden sollen, da sie verschieden sind. Des weiteren verwahrte er sich gegen zu eng anliegende Hosen, die er als Verletzung der Schamhaftigkeit ansah.

Darum trage ich keine Jeans. Insbesondere die unsägliche 501 – von beiden Geschlechtern zu tragen – wäre meines Erachtens tatsächlich ein guter Kandidat für die Kategorie „Greuel“. Zeitlebens hatte ich nur eine einzige Jeans und auch nur, um sie zu so wundervollen Arbeiten wie Schränke abbeizen zu tragen (auch die sah eindeutig nach Frau aus, sie ruht nun in Frieden im Keller). Daß ich nur diese eine einzige hatte, liegt vielleicht auch daran, daß ich auf eine Privatschule gegangen bin, an der man nicht in Jeans oder Turnschuhen zum Unterricht erscheinen durfte. Wer trotzdem damit ankam, wurde nach Hause geschickt, um sich „etwas Anständiges“ anzuziehen.[2]

Das bisher Gesagte bedeutet, wenn man katholisch oder sogar Braut Christi ist, nicht, daß man aussehen muß, wie Laura Ingalls von „unserer kleinen Farm“, wie es ein Kommentator auf dem amerikanischen Blog Veiled glory einmal ausgedrückt hat. (Nebenbei bemerkt, mag ich Laura und die kleine Farm).

Sich ärmlich, anständig und bescheiden[3] zu kleiden, heißt nicht, als sonderbare Figur zu enden. Es heißt zwar: Gebet kein Ärgernis der Gemeinde Gottes (1 Kor 10,32). Es ist allerdings nicht sehr schmeichelhaft für den Herrn, wenn diejenigen, die ihm mystisch anverlobt sind, so erscheinen, als hätten sie schon deshalb Braut Christi werden müssen, weil jeder andere schreiend davongelaufen wäre. Es heißt meines Erachtens auch nicht, daß man sich Mühe geben sollte, so reizlos und unattraktiv wie nur möglich auszusehen. Gott hat mich erschaffen, nicht ich selbst. So verdammen die Apostel auch nicht bestimmte Dinge, sondern schreiben, daß man keinen Wert auf sie legen solle, weil sie einfach nicht wichtig sind.
___
[1] Disclaimer: Ich trage übrigens sehr gern Kleider und Röcke, leider haben aus einem mir nicht nachzuvollziehenden Grund die heutzutage hergestellten meist keine Taschen. Offenbar ist man der Ansicht, Frauen hätten nicht nur einen Rock, sondern bitteschön auch ständig ein Handtäschchen mit sich herumzutragen :rolleyes:. Alternativ befestige ich halt Taschentücher mit Gummibändern, jongliere mit der Lesebrille und balanciere die Streichholzschachtel auf dem Kopf.

[2] Gleich ganz ohne Schuhe zu kommen, wurde dagegen nicht beanstandet. Ganz ohne Hose hat natürlich keiner ausprobiert.

[3] Gibt es irgendeine deutsche Entsprechung des Begriffs „Modest clothing“? Ich habe jedenfalls bisher keine gefunden.

To be continued



Ein moderner Fortsetzungsroman entsteht gerade in unserem Miezhaus. An einem schönen, sonnigen Nachmittag, irgendwo mitten in Deutschland:

  1. Mieter A klebt einen Zettel an die Hauseingangstür, in der er eine Suchmeldung veröffentlicht. Er sucht ein Paket, laut Angaben der Post irgendwo im Haus zugestellt sein worden soll, aber unauffindbar ist. Falls man das Paket hat oder gesehen hat, möge man sich bitte bei ihm melden.

  2. Mieter B schreibt darunter, genau das gleiche sei ihm vor kurzem auch passiert und empfiehlt, sich bei DHL zu beschweren.

  3. Mieterin C (ich) drückt ihr Mitgefühl angesichts der verschwundenen Pakete aus und fügt – leicht angefressen, da sie die Vorder- und Hintertür wieder einmal offenstehend vorgefunden hat – hinzu, es wäre nett, wenn die Türen verschlossen gehalten würden, da sonst die Gefahr, daß nicht nur Pakete, sondern die Inhalte halber Wohnungen und ganzer Keller verschwinden, exponentiell ansteigt. In der Tat ist bereits eingebrochen worden.

  4. Etwa zwei Stunden danach steckt ein Kugelschreiber hinter dem Blatt.

  5. Mieter D schließt sich dem Statement von C an. Bitte denkt auch an die Heizkosten, wenn die Hintertür Tag und Nacht offensteht!

  6. Da der Platz auf dem Blatt allmählich knapp wird, vermute ich, daß als nächstes jemand ein weiteres Blatt darunterklebt. Alternativ schreibt A drunter: Laßt mich doch alle zufrieden, ihr Hornochsen!

Blogoutfit

Liebe Leute,

falls ihr gestern oder heute hier gelandet seid und euch leicht fremd gefühlt habt: das Blog hat einen neuen Namen. Deus in adjutorium meum intende und die Antwort darauf, Domine ad adjuvandum me festina, der erste Vers des 70. Psalmes, leiten die Tagzeiten des mir so lieben Stundengebets der Kirche ein. Ich singe es freilich auf deutsch: O Gott, komm mir zu Hilfe! Herr eile mir zu helfen.

Es wäre nett, wenn ihr den Blogtitel in euren Linkleisten manuell ändern könntet. Bei Neuanlage eines Blogs, wie ich es ursprünglich vorhatte, sind ja alle verweisenden Links dahin.

Mit dem Bloglayout spiele ich noch herum, also wundert euch nicht (ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich mit dem dunklen Hintergrund selig werde). An dieser Stelle übrigens ein herzliches Vergelts Gott an alle, die dieses Blog gleich in zwei Kategorien für eine Robusta nominiert haben. Ich habe mich total gefreut.

Montag, 20. September 2010

dpa: Wir wollen das Maß kleiner machen und die Gewichte fälschen


Die dpa berichtete am Samstag, am Marsch für das Leben hätten sich 200 Lebensschützer beteiligt, Tiberius wies schon darauf hin. Die Angabe dieser Teilnehmerzahl wurde von anderen Medien anscheinend zumindest zunächst so auch übernommen, so zum Beispiel vom rbb, der die Zahl gestern dann auf 1500 Teilnehmer nach oben korrigiert hat. Die Polizei sprach von ca. 1800 Teilnehmern, so daß die tatsächliche Anzahl wohl eher 2000 als 200 betragen dürfte. Warum wird nicht offiziell nachbessert bzw. auf die ursprüngliche Falschangabe der Zahl einmal hingewiesen? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Weil man, wie es gestern in der ersten Lesung aus dem Buch Amos heißt, das Maß kleiner machen und die Gewichte fälschen will? – Ich stelle einfach mal fest: Die Null, die bei der Angabe der Teilnehmerzahl offenbar fehlt, ist an anderer Stelle wohl zuviel.

Warum die Dinosaurier wirklich ausgestorben sind

(keine Ahnung, wieso mir das jetzt grade einfällt…)

Sonntag, 19. September 2010

zur Seligsprechung John Henry Newmans…

…dieses wunderbare Gebet von ihm:

Allmächtiger Gott,
stärke mich mit deiner Kraft
tröste mich mit deinem Frieden,
bescheine mich mit der Schönheit deines Angesichts,
erleuchte mich mit dem Licht,
das deinem unerschaffenen Glanz entspringt,
reinige mich mit dem Duft deiner aussprechlichen Heiligkeit,
bade mich in dir und gib mir zu trinken,
soweit ein sterblicher Mensch darum bitten kann,
von den Strömen der Gnade,
die vom Vater und vom Sohn ausgehen,
der Gnade deiner wesensgleichen Liebe, die ewig ist.

O mein Herr, du bist alles für mich,
du allein genügst mir. O mein Herr Jesus,
dein Blut reicht aus für die ganze Welt.
Du genügst mir
und der ganzen Nachkommenschaft Adams.
O mein Herr Jesus,
gib, daß dein Kreuz ausreicht für die ganze Menschheit.
Gib, daß es Wirkung zeigt.
Gib, daß es für mich mehr wirkt als alles,
um zu vermeiden, daß ich alles im Überfluß habe,
ohne vollkommene Frucht zu bringen. Amen.
(Meditations on Christian Doctrine 8, 504,505)

Freitag, 17. September 2010

Gott ist gegenwärtig



Warum es dieses wunderbare Kirchenlied von Gerhard Teerstegen - und so manches andere – nicht mit einem Ö ins Gotteslob geschafft hat, habe ich nie wirklich verstanden:

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitten.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm neige.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

Gott ist gegenwärtig,
dem die Cherubinen
Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig!
singen ihm zur Ehre
aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm unsre Stimm,
da auch wir Geringen
unsre Opfer bringen.

Wir entsagen willig
allen Eitelkeiten,
aller Erdenlust und Freuden;
da liegt unser Wille,
Seele, Leib und Leben
dir zum Eigentum ergeben.
Du allein sollst es sein,
unser Gott und Herre,
dir gebührt die Ehre.

Majestätisch Wesen,
möcht ich recht dich preisen
und im Geist dir Dienst erweisen.
Möcht ich wie die Engel
immer vor dir stehen
und dich gegenwärtig sehen.
Laß mich dir für und für
trachten zu gefallen,
liebster Gott, in allem.

Luft, die alles füllet,
drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn Grund und Ende,
Wunder aller Wunder:
ich senk mich in dich hinunter.
Ich in dir, du in mir,
laß mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.

Du durchdringest alles;
laß dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
laß mich so still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.

Mache mich einfältig,
innig, abgeschieden,
sanft und still in deinem Frieden;
mach mich reines Herzens,
daß ich deine Klarheit
schauen mag in Geist und Wahrheit;
laß mein Herz überwärts
wie ein Adler schweben
und in dir nur leben.

Herr, komm in mir wohnen,
laß mein' Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen,
dich in mir verkläre,
daß ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh,
laß mich dich erblicken
und vor dir mich bücken.


Gewiß, die Sprache ist altertümlich, das Kirchenlied drückt jedoch eine Ehrfurcht vor dem Mysterium aus, die ich im Gotteshaus manchmal wirklich vermisse.

Donnerstag, 16. September 2010

Zum Gedächnis der Schmerzen Mariens

Ihr alle, die ihr vorüberkommt, gebt acht und schaut, ob ein Schmerz dem meinen gleicht.

Am Tag nach dem Fest Kreuzerhöhung gedenkt die Kirche der Schmerzen Mariens. Zwischen diesen Festen besteht naturgemäß eine sehr innige Verbindung.

Nicht zuletzt ihrer Kraft und Stärke, die Maria auch die Kraft gab, unter dem Kreuz zu stehen, ruft die Kirche sie in der lauretanischen Litanei gleich zweimal mit dem Attribut „Turm“ an: du starker Turm Davids, du elfenbeinerner Turm.

Unter den Schmerzen Marias ist der schwerste und tiefste sicherlich der, das Leiden und Sterben des eigenen Sohnes mitansehen zu müssen: Schlimmer als selbst zu leiden, kann es sein, das Leiden mitanzusehen, das einem geliebten Menschen widerfährt. Etwas, das am ehesten von denen nachempfunden werden kann, die selbst ein Kind verloren haben, unter ihnen meine eigene Mutter: einer meiner Brüder hat nur ein halbes Jahr gelebt. Und doch finden viele gerade beim Blick auf diesen ungeheuren Schmerz, beim Verweilen vor einer Schmerzensmutter, Trost und Stärkung in ihrem eigenen Schmerz.

Wir glauben nicht, daß das Leben, wie es bei Bach heißt, nur Schatten ist. Wo es Schatten gibt, gibt es notwendigerweise genausoviel Licht. So vertrauen wir, daß wir aus dem Schatten des Todes zum Licht der Auferstehung gelangen.
Du bist eine von uns Maria,
du bist eine von uns auf unserem Weg.
Du gehst mit uns auf unseren Straßen
den steinigen Weg in der Spur deines Sohnes.
(Br. Samuel Schraufstetter)

Katholisch? Ja, bitte!


Das Blog Sende-Zeit des Erzbistums Freiburg veröffentlicht seit heute unter dem Motto Glauben – Bekennen – Handeln Gastbeiträge katholischer Blogger zur Frage Warum bin ich katholisch? – Eine wirklich gute Idee, wie ich finde. Über Dinge, die einen freuen, schreibt sichs auch sehr gut.

Da die Würde des Alters (des Blogs, nicht des Bloggers) vorangeht, fängt Scipio (Credo ut intelligam) schon mal an, hier entlang, bitte.

Mittwoch, 15. September 2010

Gedächtnis der Schmerzen Mariens


O beata mater, animarum gladius pertransivit.
Alioquin nonnisi eam pertransiens, carnem filii tui penetraret. (Hl. Bernhard)

Montag, 13. September 2010

Kreuzerhöhung – im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung

O unbegreifliches Werk der Liebe! Es starb der Tod, als am Kreuze
das Leben starb.
(erste Antiphon der zweiten Vesper)

In der Stille des Karfreitags, in der wir uns auf das Leiden und Sterben Christi besinnen, erhebt der Priester das Kreuz und singt:

Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit.

(Seht, das Holz des Kreuzes,
an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.)

Morgen feiert die Kirche das Fest der Kreuzerhöhung. An diesem Tag gedenkt die Kirche der Wiederauffindung des Kreuzes Christi am 13. September 326 und zugleich dessen feierlicher Erhebung (= Erhöhung) vor dem Volk in der Grabeskirche am Weihetag der Basilika, dem 14. September 335.


Im frühen vierten Jahrhundert reiste Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, nach Jerusalem, um dort die heiligen Stätten zu besuchen. Bei den Grabungsarbeiten für die Grabeskirche, die Konstantin errichten ließ, fanden die Arbeiter drei Kreuze. Der Überlieferung zufolge erkannte man unter ihnen das Kreuz Christi daran, daß eine Sterbende durch die Berührung mit ihm geheilt wurde.

Vor allem aber blicken wir an diesem Festtag in Freude und Dankbarkeit auf das Kreuz, von dem uns Heil und Erlösung gekommen ist, den Baum des Lebens, den der Laudeshymnus auch den Baum der Treue nennt. Die Frucht, die dieser Baum hervorbringt, ist Christus selbst. Indem wir seinen Leib essen und sein Blut trinken, haben wir das ewige Leben.

In der Präfation des Festes heißt es:
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegründet. Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes erstand das Leben. Der Feind, der am Holz gesiegt hat, wurde auch am Holze besiegt durch unseren Herrn Jesus Christus.

Wie wunderbar ist das Kreuz Christi! Es bringt Leben, nicht Tod, Licht, nicht Dunkelheit, das Paradies, nicht seinen Verlust. Es ist das Holz, an dem der Herr, wie ein starker Krieger, an Händen Füßen und seiner Seite verwundet ward und dadurch unsere Wunden heilte. Ein Baum hat uns zerstört, ein Baum brachte uns nun das Leben. (Theodor Studites)
Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Sonntag, 12. September 2010

Ich bin gekommen zu suchen, was verloren ist

In der Kirche St. Lambertus im Bedburg befindet sich über der Tür des Beichtstuhls ein Bildnis, das den Herrn zeigt, wie er selbst das Fell des verirrten Schafes mit liebevoller Hand aus dem Dornengestrüpp befreit, in dem es sich verfangen hat. Ein wunderbares Bild des Bußsakraments.

Die beiden einleitenden Sätze des langen heutigen Tagesevangeliums lauten:
In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen.


Jesus, der gute Hirte, weiß, daß in den Augen Gottes das eine verirrte Schaf genauso wichtig und wertvoll ist wie die anderen neunundneunzig. Sie einstweilen sich selbst zu überlassen scheint töricht. Das aber ist die genau die verdrehte Logik des Himmels, das göttliche Paradoxon: die letzten, die die ersten sein werden, der Herr der Welt, der in einer armseligen Krippe geboren wird, das Kreuz, das ein Thron ist, von dem Gott, wie es im Hymnus heißt, alle Nation regiert.

Christus liebt das, was sich verirrt hat, was verlorengegangen ist, deshalb geht er ihm nach, sucht es mit ganzer Kraft, gibt sich mit Sündern ab und hält sogar mit ihnen – mit uns – Mahl.

Freitag, 10. September 2010

Türme und Läufer

Im Evangelium des letzten Sonntags gebrauchte Jesus das Bild eines Turmes:

Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Sicherlich ist es klug, sich in der Auseinandersetzung mit einer Berufung zu vergewissern, daß man ein tragfähiges Fundament hat und mit einiger Zuversicht davon ausgehen kann, daß es mit dem Turm etwas werden wird. Wann und wo aber im Leben gibt es völlige Gewißheit, und etwa zu fürchtenden Spott muß man ohnehin aushalten können.

Ein wunderbares und anspornendes Bild, wie ich finde, kommt aus der ersten Lesung des heutigen Tages. Da schreibt der hl. Paulus:

Wißt ihr nicht, daß die Läufer im Stadion zwar alle laufen,
aber daß nur einer den Siegespreis gewinnt?
Lauft so, daß ihr ihn gewinnt.
Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam;
jene tun dies, um einen vergänglichen,
wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen.
Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft
und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt,
vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib,
damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.


Auch an anderer Stelle, im Philipperbrief, verwendet Paulus ein solch sportliches Bild des unablässigen Sichbemühens und Übens:

Nicht daß ich es schon erreicht hätte oder daß ich schon vollendet
wöre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen,
weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
Brüder, ich bilde mir nicht ein, daß ich es schon ergriffen hätte.
Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis:
der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.


Wichtig ist, daß man nicht das Eigentliche versäumt, der Lauf ziellos oder halbherzig gelaufen wird, der Läufer gar nicht erst antritt oder über dem Planen und Überlegen, ob die Mittel auch wirklich reichen werden, der Turm vielleicht ungebaut bleibt.

Ich bitte ums Gebet für alle, die sich mit ihrer Berufung auseinandersetzen, vielleicht sogar mit ihr ringen, die sich in diesen Tagen auf ihre Profeß vorbereiten, eine Weihe empfangen oder empfangen haben. Am 18. September werden in der Kathedrale fünf Priesteramtskandidaten zu Diakonen geweiht. Beten wir auch besonders für sie – daß sie alle so laufen, daß sie den Siegespreis erringen.

No sex and the city

Eine Beobachtung, die ein amerikanischer Ordensbruder am Rande der Feier einer Jungfrauenweihe in seinem Bistum machte – eine Art „No sex and the city“. (Ich versage mir an dieser Stelle mal die Frage, wie ein Ordensbruder an Kenntnisse der Inhalte dieser Serie kommt – bestimmt hat er sich das vor seinem Eintritt angesehen ;P)
This woman is the first consecrated virgin for our diocese, but three other virgins had come from other dioceses to support her. Later I sat at the lunch table with this newly consecrated virgin and her three consecrated-virgin friends, ranging in age from about 30 to about 60. It felt like Sex and the City from an alternate universe. These women were comfortable in their own skins and confident with men. Unlike the popular show, where women agonize over relationships that never satisfy, and then solve their problems by going shopping, these virgins seemed more than satisfied.

Dienstag, 7. September 2010

Mariä Geburt


Voll Freude feiern wir das Geburtsfest der Jungfrau Maria,
aus ihr ist hervorgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott (Eröffnungsvers)


Seit dem 5. Jahrhundert feiert die Kirche am 8. September die Geburt der Jungfrau Maria. Mit der Geburt des heiligen Johannes, der als Vorläufer Christi bezeichnet wird, gehört dieses Fest zu den beiden Tagen, an denen die Kirche auch der Geburt eines Heiligen gedenkt. Vom Datum des Festes der Geburt Mariens leitet sich schon im vierten Jahrhundert bezeugte Fest der wunderbaren Empfängnis Mariens am 8. Dezember ab.

Das apokryphe Protoevangelium des Jakobus, das etwa 150 nach Christus entstanden ist, beschreibt die Umstände der Geburt der Jungfrau Maria. Ihre Eltern Joachim und Anna, die schon älter waren, erbaten durch Gebet und Fasten vom Herrn ein Kind, denn sie litten beide schwer unter ihrer Kinderlosigkeit. Joachim erinnerte sich an Abraham und Sarah, denen Gott im hohen Alter noch den Isaak schenkte. Daraufhin erschien ein Engel und verkündete Anna: Erhört hat Gott der Herr deine Bitte. Du wirst empfangen und gebären, und man wird von deiner Nachkommenschaft reden auf dem ganzen Erdkreis. Anna weihte daraufhin das ungeborene Kind dem Dienst des Herrn. So wurde Maria, sobald sie drei Jahre alt war, als dem Herrn geweihte Jungfrau im Tempel erzogen.

Über die Ankunft der kleinen Maria im Tempel heißt es:
Der Priester des Herrn nahm Maria in Empfang, küßte sie, gab den Segen und sprach: "Gott der Herr hat deinen Namen groß gemacht unter allen Geschlechtern. An dir wird der Herr am Ende der Tage offenbar machen die Erlösung für die Söhne Israels." Und Gott der Herr legte Anmut auf sie, und sie tanzte mit ihren kleinen Füßen. Das ganze Haus Israel gewann sie lieb.

Das Fest der Geburt Mariens ist untrennbar mit der Menschwerdung Christi verbunden, denn die Geburt Mariens bereitet dieser den Weg.

Denn das ist der Höhepunkt der Wohltaten, die uns Christus erwiesen hat: Das ist die Offenbarung des verborgenen Geheimnisses. Das ist die Natur, die sich entäußert hat: der Gott und Mensch und Vergöttlichung der von Gott angenommenen Menschheit. Dieses so strahlend aufscheinende Wohnen Gottes bei den Menschen mußte der Freude Eingang verschaffen, weil uns hier das große Geschenk des Heiles zuteil wird. Das meint das heutige Fest, dessen Anlaß die Geburt der Gottesmutter ist, dessen Ziel und Ende jedoch die Vereinigung des Wortes mit dem Fleisch ist. Denn eine Jungfrau wird geboren, gepflegt und herangezogen und zur Mutter geformt für Gott, den König der Ewigkeiten.

So singe und tanze also die ganze Schöpfung trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute werde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereite dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus.
(aus der zweiten Lesung der Matutin, einer Predigt des Andreas von Kreta über das Mysterium der Menschwerdung Gottes)

Sonntag, 5. September 2010

Strahle Licht in diese Welt – Chiara Luce Badano, ehrwürdige Dienerin Gottes


Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
(aus der Pfingstsequenz)

Ich weiß nicht, wer einmal gesagt hat, daß man mitunter das Muster eines Gewebes nicht zu erkennen vermag, weil man zu dicht davor steht. Tritt man einige Schritte zurück, so vermag das Auge das Muster des Webers erkennen.

Am 25. September wird Papst Benedikt XVI. in Rom die ehrwürdige Dienerin Gottes, Chiara „Luce“ Badano seligsprechen. Letzten Dezember wurde die wunderbare Heilung eines kleinen italienischen Jungen bestätigt, der an Gehirnhautentzündung erkrankt war und bereits im Sterben lag. Nachdem seine Eltern Chiara Badano um Fürsprache angerufen hatten, erholte er sich wieder vollständig,

Das Gewebe von Chiara Badones kurzem Leben besteht scheinbar vorwiegend aus dunklen Farben – das einzige Kind ihrer Eltern, das diese erst nach 11 Jahren Ehe bekamen und das mit nur 18 Jahren nach vielen Schmerzen an Knochenkrebs starb. Und doch vermag dieses Leben Richtung zu weisen in einer Frage, die den Menschen von je her beschäftigt: Liegt irgendein Sinn im Leiden?

Chiara hatte eine Familie, die sie sehr liebte, einen starken Glauben, war bei ihren Freunden beliebt und hübsch. Voll Begeisterung trieb sie Musik und Sport, schwamm, spielte Tennis, ging Bergsteigen. Seit sie neun Jahre alt war, engagierte sie sich in der Jugendbewegung der Fokolare.

Eines Tages beim Tennisspielen spürte sie einen scharfen Schmerz in der Schulter. Kurz darauf wurde ein Knochentumor festgestellt. Die aufregende Zukunft, die sie sich vorgestellt hatte, zerplatzte in der Luft wie eine Seifenblase. An diesem Punkt jedoch beginnt die wahre Geschichte ihres Lebens, die Übung heroischer Tugenden, denn die tiefe Beziehung zu Christus prägte nicht nur die Beziehung zu ihren Eltern und Freunden, sondern auch den Umgang mit ihrer Krankheit – sie folgte Jesus, dem Willen des Vaters gehorsam: Für mich ist nur wichtig, im gegenwärtigen Augenblick das zu tun, was Gott will. Ich will im göttlichen „Spiel“ mitspielen. Ich hatte so viele ehrgeizige Pläne. Jetzt scheinen sie mir bedeutungslos und vergänglich – Ich fühle mich als Teil eines wunderschönen Plans, der sich mir nach und nach enthüllt.

Als Kardinal Saldarini, der von Chiara gehört hatte, sie im Krankenhaus besuchte, fragte er, wieso sie so glücklich aussehe. Chiara antwortete: Ich versuche, Jesus so sehr zu lieben wie ich kann. So unternahm sie etwa trotz qualvoller Schmerzen während eines ihrer vielen Klinikaufenthalte lange Spaziergänge mit einem jungen, drogenabhängigen Mädchen.

Chiara versuchte, ihr Leiden mit den Leiden Christi am Kreuz zu vereinen: Wiederholt wies sie Morphin zur Schmerztherapie zurück, auch weil es ihre geistige Klarheit beeinträchtigte. Ihrer Mutter sagte sie einmal: Ich bitte Jesus nicht mehr darum, mich zu sich in den Himmel zu holen; denn ich möchte ihm weiter meine Schmerzen schenken, um noch ein wenig mit ihm das Kreuz zu tragen. Wie jede Frau war sie stolz auf ihr Haar. Als es auszufallen begann, betrachtete sie es als Opfer für Jesus.

An Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolarbewegung, von der sie den Beinamen "Luce" erhielt, schrieb sie 1983, lange vor Ausbruch ihrer Krankheit:
Ich habe entdeckt, daß Jesus, der Verlassene, der Schlüssel zur Vereinigung ist und möchte ihn zum Bräutigam nehmen und bereit sein, wenn er kommt. Es ist mir klargeworden, daß ich ihn in jenen finde, die weit von ihm entfernt sind, in denen, die nicht glauben können, und daß sie in besonderer Weise lieben muß.

Sieben Jahre später, im Sommer 1990:
Die Medizin hat ihre Waffen niedergelegt. Nachdem die Behandlung abgebrochen worden ist, sind die Schmerzen im Rücken schlimmer geworden. Ich kann mich kaum bewegen. Ich fühle mich so klein und die Straße, die vor mir liegt, ist so beschwerlich … Ich fühle oft, daß die Schmerzen mich überwältigen. Ist es der Bräutigam, dem ich entgegengehe?

Dem Bräutigam entgegeneilend, plante sie ihre Begräbnisfeier wie andere junge Frauen ihre Hochzeit. So wollte sie auch in einem weißen Kleid begraben werden. Nach einer Nacht voller Schmerzen starb Chiara am Morgen des 7. Oktober 1990, dem Rosenkranzfest.

Ihr Schicksal verbitterte sie nicht: Ich habe immer noch mein Herz und mit ihm kann ich immer lieben.

Herr Jesus, gütig und selbstlos von Herzen – bilde unser Herz nach deinem Herzen.
Selige Chiara Luce Badano, bitte für uns!

Donnerstag, 2. September 2010

Sie folgen dem Lamm, wohin immer es geht


Im letzten Beitrag Was bedeutet es, in der Welt zu leben? vermißte eine Kommentatorin eine Essenz. Daraufhin habe ich ihn mit erstmal dem Label 2Bcontinued versehen, da ich ohnehin noch etwas dazu schreiben wollte (falls ich damit Eulen nach Athen tragen sollte, seht es meinethalben als einen Beitrag zu Los Wochos an). Die durchaus vorhandene Essenz, auch wenn sie nicht am Ende steht: das Leben gottgeweihter Jungfrauen soll als solches erkennbar sein und Frucht tragen.

In Vita consecrata heißt es über das Leben der gottgeweihten Personen:
Auch ihr Lebensstil muß das Ideal, zu dem sie sich bekennen, sichtbar werden lassen und sich als lebendiges Zeichen Gottes und als beredte, wenn auch oft schweigende Verkündigung des Evangeliums darstellen. Immer, aber besonders in der heutigen, oft so säkularisierten Kultur, die aber trotzdem für die Sprache der Zeichen empfänglich ist, muß sich die Kirche bemühen, ihre Anwesenheit im Alltagsleben sichtbar zu machen. Einen bedeutsamen Beitrag in diesem Sinne erwartet sie sich zu Recht von den Personen des geweihten Lebens, die berufen sind, in jeder Situation konkret von ihrer Zugehörigkeit zu Christus Zeugnis abzulegen. (VC 25)
An mehreren Stellen betont die Kirche ausdrücklich die Zeichenhaftigkeit der Lebensform der geweihten Jungfrauen, die auch ein Lebensvollzug der Kirche selbst ist:
Grund zu Freude und Hoffnung ist es zu sehen, daß die bereits seit der apostolischen Zeit in den christlichen Gemeinden bezeugte alte Weihe der Jungfrauen heute wiederaufblüht. Durch ihre Weihe durch den Diözesanbischof erwerben sie eine besondere Bindung an die Kirche, deren Dienst sie sich widmen, auch wenn sie weiter in der Welt bleiben. Allein oder in Gemeinschaft stellen sie ein besonderes eschatologisches Bild von der himmlischen Braut und dem zukünftigen Leben dar, wenn die Kirche endlich die Liebe zu ihrem Bräutigam Christus in Fülle leben wird. (VC, 7)
Vor der Weihe fragt der Bischof die Consecranda:
Bist du bereit,
dein Leben in der Nachfolge Christi
zu der das Evangelium aufruft,
als ein Zeugnis der Liebe zu leben
und als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes?
Im Weihegebet selbst heißt es:
Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe; denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche. Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung, sie verlangt nach dem Leben, das den Engeln eigen ist, und sehnt sich nach der Vermählung mit Christus.
Diese Berufung ist natürlich eine wesenhaft kontemplative, eine Berufung zum Sein, verschiedentlich hatte ich dazu auch schon etwas geschrieben, etwa hier. Dieses „Sein“ hängt jedoch nicht im luftleeren Raum, sondern muß einen Niederschlag finden, was sich natürlich auch im Handeln ausdrückt.

Worin sich dieses Handeln konkret festmacht, kann sehr verschieden sein, wie es auch die Lebensumstände der Jungfrauen sind, sie alle verbindet aber die Berufung zum Gebet und die Aufforderung der Kirche bei der Weihe: Vergiß nie, um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen!

Es geht nicht darum, festzulegen, ihr müßt genau dies oder jenes tun, diesen Schleier oder jenes Gewand tragen – obwohl das Tragen eines Schleiers bzw. eines schlichten Gewandes unter Umständen durchaus möglich ist, wie auch die Kirche selbst zum Ausdruck bringt, indem sie die obige Erinnerung an die Jungfrau zur Übergabe des Schleiers und Rings vorsieht –, es geht darum, Christus alles zu schenken. Die Berufung, ein Leben als Jungfrau „in der Welt“ zu führen, bringt ein ebenso hohes Maß an Verpflichtung, Opfergeist und Verantwortlichkeit mit sich wie die der anderen öffentlichen Formen des geweihten Lebens, ist also keinesfalls eine „Berufung light“. Alles im Leben auf die Berufung, den Dienst der Kirche hin ordnen, alles lassen, weil er mich nicht läßt.

Dazu gehören sicher die tägliche Teilnahme an der hl. Messe, das Eintreten für das Heil der ganzen Welt im fürbittenden Gebet, das betrachtende Gebet, geistliche Lesung, ein Lebensstil, der dem Rat der evangelischen Armut entspricht, Fasten und Buße.

Für mich heißt das konkret auch, daß ich nicht in der völligen Verborgenheit lebe, nur dem Bischof bekannt (was manchmal auch nicht so leicht ist, ich habe es mir aber vorher gut überlegt). Ich habe mir diese Berufung, diese Lebensform nicht in dem Sinne ausgesucht, es ist ganz einfach meine Berufung, der ich folge, weil ich nicht anders kann. Es ist auch kein eigener Verdienst und kein eigenes „Machen“ dabei.– Der Apostel schreibt an mehreren Stellen über das Törichte in der Welt, das Gott erwählt hat, das Schwache, Niedrige und Verachtete in der Welt, das Nichts, das letztlich doch das, was etwas ist, zuschanden machen wird.

Die Zeichenhaftigkeit, die darin besteht, daß hier jemandem Christus alles ist, so sehr, daß diejenige gar nicht anders konnte – Du selbst hast dazu ihr Herz bewegt heißt es im Weihegebet der Kirche. Daß Christus jemanden mit solcher Intensität an sich zieht und daß die Antwort auf diesen Ruf unser Leben nicht verkümmern läßt, sondern einen durch das ganze Leben tragen und dabei mit Freude erfüllen kann: Laß sie alles finden in Dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.

Eine der Antiphonen des Ritus faßt es sehr schön zusammen:

Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Das Lied, das die Jungfrauen singen, die dem Lamm folgen, wohin immer es geht, ist Ausdruck reiner Liebe.
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