Dienstag, 29. Juni 2010

Elijas Mantel und das Akademiefest


Elija wirft seinen Mantel über Elischa
(Skulptur von Naomi Spiers
in der Synagoge von Westminster)

Den Ausklang des akademischen Jahres feierte die katholische Akademie am Sonntag. In seiner Predigt übertrug der geistliche Rektor Christoph Karlson das Bild des Mantels auf Orte des Geistes und die Kirche:

Wir haben in der Kirche und auch in der Universitätslandschaft viele Jahrzehnte mit der Überzeugung gelebt, man solle doch die alten Mäntel abschaffen, um dem Geist wieder Raum zu geben. Sind wir uns der Kraft des Geistes so sicher, daß wir auf den Mantel ganz verzichten? - Gewiß der alte Mantel garantiert den Geist keineswegs.

Aber das bloße Zurechtstutzen des Mantels hat der deutschen Kirche zumindest nicht die prophetische Existenz gebracht, von der sie möglicherweise geträumt hat. Und dennoch wird nach wie vor ständig um den Mantel gestritten.

Das verwundert doch sehr. Die Logik der Abschaffung all dessen, was an der Kirche nicht bürgerlich plausibel ist, läuft auf eine Abschaffung des Geistes hinaus. Ich glaube, das Leute, die mantraartig Strukturreformen fordern, genau denjenigen auf den Leim gehen, die eine Radikalität des Geistes für Unsinn halten, die keine inneren Überzeugungen kennen, sondern nur dem gerade Nützlichen und Praktischen, dem Üblichen hinterherlaufen.

Was würden diese Menschen dem Elija entgegnen: Was soll der Unfug? Der Acker, die Familie ist doch viel wichtiger! Gott gibt es vielleicht gar nicht. Und die geistigen Kräfte des Volkes Israel regenerieren sich doch von allein - wenn die Leute genug zu essen haben! Wir brauchen keine Propheten und Spinner!

Wir wollen Gott für das nun endende akademische Jahr danken. Wir wollen hoffen, daß unsere Akademie auch in Zukunft ein Ort des Geistes sein kann, auch wir müssen noch sehr viel lernen, was es heißt, eine Prophetenschule, ein Ort der Freiheit zu sein, zu der wir alle berufen sind. Möge es uns vergönnt sein, daß dieser Ort immer mehr ein Schutzort des Lernens, ein Prophetenmantel wird für all jene Menschen, die ihre Sehnsucht noch spüren.
Anschließend gab es bei schönstem Wetter (Siebenschläfer!) in den katholischen Höfen – wo heute die große Party steigt – ein kleines Fest und am Nachmittag durften wir uns ein weiteres Mal in einem Konzert am Ensemble de Morales erfreuen, die uns zuvor schon die Heilige Messe mit Palestrina verschönert hatten.

Montag, 28. Juni 2010

Ein Arbeiter im Weinberg…





der Kardinal bei der Einweihung von St. Clemens 2008

Daß zum Hochfest der Hll. Petrus und Paulus Priester geweiht werden, ist ein alter Brauch der Kirche. Am morgigen Hochfest Peter und Paul feiert das Bistum das goldene Jubliäum der Priesterweihe Georg Kardinal Sterzinskys. Kardinal Sterzinsky wurde 1960 im Alter von 24 Jahren zum Priester geweiht, das heißt, er ist jetzt mehr als doppelt solange Priester. Das Motto in seinem Wappen lautet Deus semper maior (Gott ist immer größer).

Wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus als den Gekreuzigten, uns aber als eure Knechte um Jesu willen, so beschreibt der hl. Paulus das Wesen dessen, was ein Priester sein und tun sollte. Und der Herr selbst über das Wesen des Bischofsamts: Weide meine Lämmer!

Im Anschluß an das Pontifikalamt in der Kathedrale um 18 Uhr (mit mindestens dreizehn konzelebrierenden Bischöfen) wird in den katholischen Höfen bei der Akademie gefeiert.

Freitag, 25. Juni 2010

Geschenke zu Johanni

Hier ein Rezept für ein sogenanntes „Gebildenbrot“ zum Johannistag (solche Gebildenbrote gab es früher an Heiligenfesten für die Armen):

Johannismandl (geht auch als -weibl)
250 g Mehl
1 TL Trockenhefe
125 ml Milch
60 g Butter
50 g Zucker
2 Eier
1 Zitrone
etwas Salz

(ergibt ca. vier große Figuren)

Die Hefe in der lauwarmen Milch mit einem Teelöffel Zucker auflösen und mit wenig Mehl einen Teig rühren; eine Viertelstunde gehen lassen. Das übrige Mehl, Zucker, eine Prise Salz, Milch, weiche Butter, Eiweiß und geriebene Zitronenschale vermengen und zusammen mit demTeig gut verkneten. Mit dem Nudelholz den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ungefähr einen bis anderthalb Zentimeter dick ausrollen.

20 bis 30 Minuten ruhen lassen und während dieser Zeit mit einem Tuch oder einer Folie abdecken. Wenn der Teig nicht mehr schrumpft, ein Mandl oder Weibl herausschneiden und dekorieren, Eigelb mit einer Prise Salz verrühren. Die Form zweimal mit Eigelb bestreichen, jeden Anstrich gut antrocknen lassen. Im vorgeheizten Herd bei 200° C etwa 20 Minuten goldgelb backen.

(Liebe Kinder, in der nächsten Woche behandeln wir dann den Petersfisch! ;P)

Bei uns gabs dieses Jahr Geschenke zu Johanni: die Katzen haben je ein neues, extratolles Baldriankissen bekommen und entsprechend verspielte Laune (Vorsicht, da kugelt was, es könnte eine Katze sein!)

Mittwoch, 23. Juni 2010

Geburt des hl. Johannes des Täufers


Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. (Joh 1,6-9)

Am 24. Juni, sechs Monate vor der Geburt Christi, feiert die Kirche die Geburt des heiligen Johannes des Täufers, des Rufers in der Wüste, der als Vorläufer Christi gilt, da er auf sein Kommen hinwies. Die christliche Ikonographie stellt ihn daher zuweilen dar, wie er mit einem übergroßen Finger auf das Lamm Gottes zeigt. Als einziger der Propheten schaute er den Erlöser, so besingt ihn die Kirche in der Präfation des Hochfests.

Das alles zu sehen, ist sogar das Verlangen der Engel, sagt der Apostel über das Kommen des Christus in der zweiten Lesung des Vorabends, und am Fest der Geburt des hl. Johannes selbst: Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte, sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber seht, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin. Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen! Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.

Neben der Gottesmutter ist Johannes der Täufer der einzige Heilige, dessen Geburtsfest die Kirche feiert, zugleich ist das Fest ein so hohes. daß es eine Vigil hat und eigene Texte für den Vorabend.

Die Feststellung des Heiligen: Er muß wachsen, ich aber muß weniger werden ist eigentlich etwas, daß sich jeder Christ für sein inneres Leben vornehmen sollte.
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und am Fest des heiligen Johannes das Werk deiner Gnade zu rühmen. Du hast ihn geehrt vor allen, die je eine Frau geboren hat, schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil, seine Geburt erfüllte viele mit Freude. Als einziger der Propheten schaute er den Erlöser und zeigte hin auf das Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Im Jordan taufte er Christus, der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat, so wurde das Wasser zum Quell des ewigen Lebens. Bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue. (Präfation zum Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers)

Dienstag, 22. Juni 2010

Hll. Thomas Morus und John Fisher

Thomas More, † 6. Juli 1535 in London 
John Fisher, † 22. Juni 1535 in London)
Laßt euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße. Stattdessen freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muß, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt.  Denn jetzt ist die Zeit, in der das Gericht beim Haus Gottes beginnt; wenn es aber bei uns anfängt, wie wird dann das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen? Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden? Darum sollen alle, die nach dem Willen Gottes leiden müssen, Gutes tun und dadurch ihr Leben dem treuen Schöpfer anbefehlen. (1 Petr 4, 12-19)
In der ersten Lesung zum Fest der Tagesheiligen hll. Thomas More und John Fisher wendet sich Petrus durch die Zeiten hinweg an auch uns.

Die Lebensgeschichte und den Gewissenskonflikt Thomas Mores, dessentwegen er sein Leben gab, behandelt der Film Ein Mann zu jeder Jahreszeit von Fred Zinnemann, mit dem unvergleichlichen Paul Scofield als Thomas Morus.

Für den heiligen Thomas Morus dienen alle unsere Prüfungen und Heimsuchungen dem hauptsächlichen Zweck, nach dem Trost Gottes zu verlangen, uns von unseren vergangenen Fehlern zu reinigen und vor künftigen zu bewahren, die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen und die himmlische Belohnung zu vergrößern:
Wer über diese Wahrheiten nachdenkt und sie in seinem Geiste behält, wird mit Geduld den Preis der Prüfung abwägen, er wird den Preis für groß halten und sich bald für privilegiert halten, seine Freude wird sein Leid erheblich mildern und ihn davon abhalten, anderswo nach eitlem Trost zu suchen. (Dialog zum Trost in der Heimsuchung)

Montag, 21. Juni 2010

Ulkige Vögel


Bei der Führung anläßlich einer Küsterfortbildung am Samstag gab es in der gastgebenden Kirche eine Nische mit einem schweren glattsilbernen Vogel drin. Die fatale Neigung, jeweils das erste zu sagen, was mir in den Kopf kommt, habe ich seit einigen Jahren ganz gut im Griff, hier aber hatte sie mich wieder: „Was ist das für eine Ente?“ – Jemand soufflierte hilfreich „Taube“ aus dem Off und ein Blick auf die Füße[1] des Getiers machte es später offenbar: es ist tatsächlich eine Taube, in der die heiligen Öle aufbewahrt werden. Bei Taufen wird sie zum Taufstein getragen, was natürlich eine schöne Sitte ist. Daß der Vogel wohl tatsächlich ziemlich entig geraten ist, stellte sich en passant heraus, vor Ort wird er nämlich wirklich „die Ente“ genannt.



Dabei fiel mir auch dieser unselige Vogel wieder ein, der in der Klosterkirche von Helfta hängt. Geier aller Arten, preiset den Herrn! Die verstorbene Äbtissin M. Assumpta Schenkl sah sich öfter mit der Frage konfrontiert, was das denn für ein Adler|Geier|… ($insert your favorite bird of prey) sei? – Was ist eigentlich an der künstlerischen Darstellung einer Taube so schwer? Da oben in der Ecke fliegt eine schöne.

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[1] „Jo mei! Mer schaut ja net z'erst obs a Schwimmhaut zwischen die Fieß hot!" steuert eine nette Bayerin bei.

Sonntag, 20. Juni 2010

Sel. Maria Rosa Flesch – Jungfrau

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodaß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. (Mt. 13, 31-32)

Der Gedenktag der seligen M. Rosa Flesch am 19. Juni ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich um einen noch jungen Gedenktag, Mutter Maria Rosa Flesch, die Gründerin der Kongregation der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, wurde 2008 im Trierer Dom seliggesprochen. Das Leben der seligen Gründerin beschreibt Sr. Maura Böckeler OSB in ihrem Buch Die Macht der Ohnmacht.

Margaretha Flesch wurde am 24. Februar 1826 in Schönstatt/Vallendar geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon als sechsjähriges Kind mußte sie nach dem Tod ihrer Mutter den Haushalt und die Wirtschaft der gepachteten Ölmühle für den Vater und die fünf jüngeren Geschwister besorgen.

Nach der Erstkomunion nahm sie bei jedem Wetter stundenlange Wege ins Nachbardorf und zurück auf sich, um täglich an der Heiligen Messe teilnehmen zu können. Ich war schon als Kind nie glücklicher, als wenn ich allein sein und beten konnte, sagte sie von sich selbst. Beim Beeren- und Kräutersammeln und Versorgen des Viehs betete sie, einmal vergaß sie über dem Beten und Kränzewinden für die Maikönigin ihre Kuh.

Ihre Berufung, schlicht und einfach unter den Menschen zu leben, war die einer wahren Mitschwester und Tochter der heiligen Franziskus. Als ihr Vater 1842 starb, sicherte Margaretha den Unterhalt der Familie durch das Sammeln von Heilkräutern und das Herstellen von Tees. Zu Allerheiligen 1851 zog sie mit ihrer kranken Schwester in eine Klause in der Kreuzkapelle bei Waldbreitbach, die sie sich als Wohnung selbst erbeten hatte. Dort lebte sie hauptsächlich von Stickarbeiten und versorgte noch Arme und Kranke in der Gemeinde. Später schrieb sie über das Leben in der ungeheizten Klause, deren Wände vor Feuchtigkeit glitzerten: Wie war es in der Kreuzkapelle so arm und doch so schön!

Nachdem sich ihr 1856 erste Frauen angeschlossen hatten, begann diese kleine Gemeinschaft 1851, unterstützt von einem der Brüder Margarethas, mit dem Bau des ersten Marienhauses auf einem felsigen Stück Land auf dem Kapellenberg, das sie für wenig Geld gekauft hatten. Der Bischof von Trier anerkannte 1863 ihre Absicht, eine Ordengemeinschaft zu gründen. Im Alter von 37 Jahren legte Margaretha Flesch die erste Profeß ab und nahm dabei den Namen Maria Rosa an. Die Gemeinschaft blühte durch Eintritte so rasch auf, daß 1878, als die Amtszeit von Mutter Rosa als Generaloberin endete, 100 Schwestern in 22 Niederlassungen tätig waren.

Lieblosigkeit, menschliches Versagen, Ausgrenzung und Intrigen sind immer schmerzlich. Besonders berührend und fast unverständlich erscheinen sie im geistlichen Amt und in klösterlichen Gemeinschaften. Nachdem Mutter Rosa wegen der Ordensstatuten 1978 nicht mehr ins Amt der Generaloberin gewählt werden konnte, wendete sich die neugewählte Oberin gegen sie. Mutter Rosa wurde von der Gemeinschaft und dem geistlichen Rektor ausgegrenzt und gedemütigt; im Laufe der Zeit geriet sogar in Vergessenheit, daß sie die Gemeinschaft einmal gegründet hatte. Von den neuen Oberen wurde sie in abgelegene Gründungen versetzt, wo sie bis zu ihrem Tod einfachste Arbeiten in Haus und Garten verrichtete, was sie still hinnahm, denn sie liebte kein Aufsehen um die eigene Person.

Am Fest der Verkündigung des Herrn, dem 25. März 1906, zugleich der Sonntag Laetare, gab Mutter M. Rosa ihre Seele Gott zurück. Die Nachricht von ihrem Tode verbreitete sich rasch in den umliegenden Tälern, und unzählige Arme und Kranke, die sie gepflegt hatte, erwiesen ihr die letzte Ehre.

In einem Brief schrieb der Bischof über Mutter Rosa und ihre Gründung:
… Es war ein schwaches Reis, das die frommen Jungfrauen seinerzeit in steinigen Boden senkten. Nach menschlicher Berechnung durfte man kaum Gedeihen hoffen. Und dennoch faßte es Wurzeln und wuchs zu einem kräftigen Baum empor, weil man es in Demut gepflanzt hatte, in fester Hoffnung auf Gottes Segen zum Heil der leidenden Menschheit. … Sie hatte sich auf den Ruf des himmlischen Bräutigams treu vorbereitet und ihre Lampe war mit dem Öl der Liebe und der guten Werke angefüllt.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Letztes Jahr um diese Zeit…


Alles, was die Kirche für die zu Weihende erfleht, ist auf unvergleichliche Weise ausgedrückt im Weihegebet aus dem Pontifikale, das der Bischof singt:
Wir preisen dich, heiliger, starker, unsterblicher Gott. Denn du liebst alle Menschen und wohnst in denen, die reinen Herzens sind.
Durch dein Wort, unseren Herrn Jesus Christus, hast du alles ins Dasein gerufen; durch ihn hast du den Menschen neu geschaffen, der im Paradies durch den Trug des Bösen verwundet war.
Du gibst ihm nicht nur die Unschuld des Ursprungs zurück, sondern schenkst ihm schon jetzt Güter der kommenden Herrlichkeit; denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel. So bitten wir dich, Herr, unser Gott: Schau gütig auf unsere Schwestern. Das Versprechen der Jungfräulichkeit legen sie in deine Hand und weihen dir ihr ganzes Leben; denn du selbst hast dazu ihr Herz bewegt. Ohne dich kann kein Sterblicher dem Gesetz der Natur entgehen, die Freiheit zum Bösen bewältigen, die Macht der Gewohnheit brechen, die Leidenschaft der Sinne überwinden.

Deine Liebe allein kann das Feuer der Liebe entfachen, deine Gnade allein das gute Wollen erhalten, und allein deine Macht die Beharrlichkeit schenken. Alle Völker hast du mit deiner Gnade beschenkt und aus ihnen die Kinder des Neuen Bundes erwählt, zahllos wie die Sterne des Himmels. Sie sind nicht gezeugt aus dem Blute und nicht aus dem Willen des Fleisches, sondern sie sind geboren aus deinem Geiste. Vielfältig sind die Gaben, die sie aus deiner Fülle empfangen; erhaben ist die Berufung zum jungfräulichen Leben, die du manchen von ihnen gegeben hast.

Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe; denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche. Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung, sie verlangt nach dem Leben, das den Engem eigen ist, und sehnt sich nach der Vermählung mit Christus. Er ist der Sohn der jungfräulichen Mutter und der Bräutigam derer, die im Stand der Jungfräulichkeit leben. Wir bitten dich für deine Dienerinnen, die sich durch diese Weihe dir schenken: Gewähre ihnen Hilfe und Kraft und bewahre die Gnade, die du ihnen geschenkt hast. Denn der alte Feind, der hochherzigem Streben mit stärkerem Angriff begegnet, soll ihnen nicht den Siegespreis rauben, ihnen nicht durch Unachtsamkeit des Herzens den Glanz des jungfräulichen Lebens verdunkeln.
Dein Heiliger Geist mache sie klug und bescheiden, weise und freundlich; er erfülle sie mit freudigem Ernst, mit Offenheit und unbefangener Güte. Ihr Leben sei wert allen Lobes, ohne daß sie das Lob der Menschen suchen. Entfache in ihnen das Feuer der Liebe, daß sie nichts suchen als dich allein, dich mit Leib und Seele verherrlichen, in Liebe dich fürchten und in Liebe dir dienen.

Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Dieses Weihegebet ist immer wieder einmal natürlich auch Anlaß, sich zu überlegen, wie oft ich leider hinter diesem hohen Anspruch zurückbleibe. Andererseits finde ich besonders den Wunsch der Kirche
Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen
wunderschön – und so ist es tatsächlich: man findet alles in ihm.

Dienstag, 15. Juni 2010

Hl. Lutgard von Tongern – Jungfrau



Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen. So wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2 Kor 4, 6-7)

Die heilige Lutgard* von Tonger(e)n war eine der bedeutendsten Mystikerinnen des 13. Jahrhunderts.

Als Zwölfjährige wurde Lutgard den Nonnen der Benediktinerinnenabtei in St. Trond zur Erziehung übergeben, weil ihre Familie das Geld für ihre Mitgift bei einem fehlgeschlagenen Geschäft verloren hatte.

Nach einer Vision Christi trat Lutgard im Jahre 1194 mit 20 Jahren ins Noviziat von St. Katharina ein. Bereits 1206 wurde sie trotz ihrer Jugend zur Priorin des Konvents gewählt, was sie jedoch ablehnte. Eine Freundin, Christina, die den Beinamen die Wunderbare (Christina mirabilis) trägt und später ebenfalls heiliggesprochen wurde, riet ihr, wegen der strengeren Ordensregel zu den Zisterzienserinnen von Aywières überzutreten. Da Lutgard flämisch sprach, die Nonnen des bei Brüssel gelegenen Aywières aber Französisch, war sie zudem davor sicher, erneut zur Priorin gewählt zu werden.

In Aywières lebte Lutgard bis zu ihrem Tode 1246 ein Leben der Sühne und Abtötung. In die Passion Christi konnte sie sich derart versenken, daß sie zu bluten begann. Die letzten elf Jahre verbrachte sie, erblindet, scheinbar in völliger Dunkelheit. Tatsächlich jedoch war die Finsternis für sie nicht dunkel – sie hatte sie eine Reihe von Visionen Christi und des heiligsten Herzens. Das Ölbild des Malers Goya zeigt sie darum auch in den Glanz Christi gehüllt.

Der Gedenktag der heiligen Lutgard, der 16. Juni, ist mein Weihetag, der in die Oktav von Fronleichnam fiel, dessen Oktavtag das Hochfest des heiligsten Herzens Jesu ist.
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* (auch Luitgard, Ludgard, Lutgardis oder Lutegarde)

Samstag, 12. Juni 2010

Unbeflecktes Herz Mariens

Gott, du hast dem heiligen Geist im Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige Wohnung bereitet. Auf ihre Fürbitte hin erfülle auch unser Leben mit deiner Gegenwart und mache uns zu einem Tempel deiner Herrlichkeit.

 
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[1] Die das Herz meist umkränzenden Rosen sind zugleich Attribut der Jungfräulichkeit (auch der jungfräulichen Märtyrinnen) und der über den Tod hinausreichenden Liebe.

[2] Die Texte des Gedenktags haben wir gestern in der Sakristei übrigens teils ziemlich gesucht (bis wir auf die wahrhaft glorreiche Idee kamen, einfach ins Direktorium zu schauen. Ächz! ;)) – im Lektionar Ende Juni sind die Eigentexte im Proprium der Heiligen Ende Juni angefügt, im Meßbuch, wie auch im Stundenbuch, dagegen Ende Mai. Warum nicht einfach bei den Marienfesten?

Freitag, 11. Juni 2010

zum Fest des heiligsten Herzens Jesu

Über mein anfängliches Versuchen, die Inhalte der Herz-Jesu-Verehrung überhaupt zu erfassen, habe ich ja ganz am Anfang dieses Blogs schon einmal geschrieben. Mittlerweile liebe ich gerade dieses Hochfest über alles. Den wunderbaren Hymnus Jesu dulcis memoria habe ich bei der Weihe als Lied zur Danksagung gewählt, dieser Moment wird mir immer besonders kostbar sein.

Eine ganz andere Darstellung des heiligsten Herzens ist die des Gnadenbildes des Wettinger Jesuskindes:

Das Bildnis über dem Altar der ehemaligen Zisterzienserabtei Maris Stella in der Schweiz hat 1507 einen Klosterbrand auf wundersame Weise weitgehend überstanden, dabei erlitt es nur Glutlöcher, deren eines an der entsprechenden Stelle herzförmig ist und daher das Herz des Erlösers symbolisiert.

Papst Leo XIII. hat 1899 die ganze Welt dem Herzen Jesu geweiht:
Liebster Jesus, Erlöser des Menschengeschlechtes, blicke gnädig auf uns, die wir in Demut vor deinem Altar knien. Dein sind wir, dein wollen wir bleiben. Um dir noch inniger anzugehören, weiht sich heute jeder von uns deinem heiligsten Herzen.

Viele haben dich niemals erkannt, viele haben deine Gebote verachtet und dich von sich gestoßen. Gütigster Jesus, erbarme dich ihrer und ziehe alle an dein heiliges Herz.

Herr, sei du König nicht nur über die Gläubigen, die nie von dir gewichen sind, sondern auch über die verlorenen Söhne, die dich verlassen haben. Gib, daß sie bald ins Vaterhaus zurückkehren, damit sie nicht vor Elend und Hunger zugrunde gehen. Sei König auch über alle, die durch Irrtum getäuscht oder durch Spaltung von dir getrennt sind. Rufe sie zum sicheren Ort der Wahrheit und zur Einheit des Glaubens zurück, damit bald eine Herde und ein Hirt werde.

Sei König über alle, die im Dunkel des Heidentums gefangen sind oder im Islam leben. Führe sie zum Licht deines Reichs. Blicke voll Erbarmen auf die Kinder des Volkes, das zuerst das auserwählte war. Möge dein Blut als Quell der Erlösung und des Lebens auch über sie fließen.

Herr, schenke deiner Kirche Wohlfahrt, Sicherheit und Freiheit. Schenke allen Völkern Ruhe und Ordnung.

Gib, daß von einem Ende der Erde bis zum anderen der gleiche Ruf erschalle: Lob sei dem göttlichen Herzen, durch das uns das Heil gekommen ist.
Der ganze Monat Juni ist übrigens von der Kirche in besonderer Weise der Verehrung des heiligsten Herzens gewidmet. Ein schönes Herz-Jesu-Lied findet sich bei Stanislaus. Der Vesperhymnus aus dem Antiphonale zum Stundenbuch:
O selger Urgrund allen Seins,
Heiland der Welt, Herr Jesus Christ,
du Licht von deines Vaters Licht
und wahrer Gott vom wahren Gott.

Wie hat die Liebe dich gedrängt,
daß du für uns den Tod erwählt..
Du gibst das Leben uns zurück,
das Adams Sünde uns geraubt.

Der Stoß der Lanze trifft dein Herz
und But und Wasser bricht hervor,
ein Quell des Heils, der nie versiegt
und aller Schöpfung Freude bringt.

Im Jahr des Tigers…


(and now for something completely different):Im Jahr des Tigers (also nach chinesischem Horoskop meines; ich bin aber eigentlich Stier, die glauben nicht an Horoskope) dieses wunderschöne Bild, auf das ich grade zufällig gestoßen bin. Es zeigt eine Amurtigermutter mit einem ihrer beiden Jungen im Zoo von Buffalo.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Heiligstes Herz Jesu


Kurz nach Pfingsten, das die Osterzeit beschließt, feiert die Kirche drei Hochfeste des Herrn: das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, das des Leibes und Blutes Christi und das des Heiligsten Herzens Jesu. Das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu ist das letzte der nachösterlichen Feste, die bestimmte Aspekte der Heilsgeschichte beleuchten.

Im Johannesevangelium heißt es über Jesu Tod am Kreuz: Einer der Soldaten aber stieß mit seinem Speer in seine Seite, und sogleich flossen Blut und Wasser heraus. Die Kirche hat dieses Bild des geöffneten Herzens in der überaus schönen Präfation des Hochfestes vom Heiligsten Herzen Jesu aufgenommen:

Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.

Bei der Herz-Jesu-Verehrung geht es um die göttliche Liebe des Erlösers, die sich allen Menschen offenbart hat, und das Bemühen des Menschen, Christus immer ähnlicher zu werden. – Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen.

O lieber Jesu, denk ich dein,
strömt Glück in meine Seele ein;
doch meine höchste Freude ist,
wenn du, o Jesu, bei mir bist.

Kein Lied so sehr zu Herzen dringt,
kein Klang, kein Ton so lieblich klingt,
kein Name bringt so reichen Lohn
als Jesus Christus, Gottes Sohn.

Du tröstest den, der Buße tut,
gibst dem, der bittet, neuen Mut;
dich suchen nimmt von uns das Leid,
dich finden, welche Seligkeit.

Kein Wort, o Jesu, würdig preist
die Güte, die du uns erweist.
Nur wer sich ganz in dich versenkt,
verspürt, was deine Liebe schenkt.

O Jesu, der uns Freude bringt,
du Quell, aus dem uns Kraft entspringt,
Licht, das uns Gottes Liebe zeigt,
die alles Sehnen übersteigt.

Du unser Glück in dieser Zeit,
du Sonne unsrer Ewigkeit,
in dir erstrahlt der Gottheit Schein;
laß uns mit dir verherrlicht sein.
(Hymnus Jesu dulcis memoria in der Übertragung von Friedrich Dörr)

E-Mail an Gott


…oder: Suchmaschinen werden immer alberner. Jedenfalls weiß man jetzt, wo der liebe Gott offenbar zu finden ist. Tu felix, Austria! :P

Sonntag, 6. Juni 2010

Jungfraus Feierabend


Bei der abendlichen Erholung auf einem der größeren Friedhöfe der Stadt habe ich die Schließzeit versäumt, nicht viel, nur so zwanzig Minuten… Bisher war das nie ein Problem, heute aber war man pünktlich und sämtliche Tore waren verrammelt. Vor einiger Zeit dachte ich schon mal, bevor man hier die Polizei herbeitelefoniert, könnte man vielleicht doch über einen der hinteren Zäune steigen: die sahen nicht zu hoch aus, und in der Nähe waren größere Erdhaufen aufgeschichtet. Also hin! Doch ach, aus der Nähe hatte der Zaun sehr spitzige Piken, die Gitter waren zum Kraxeln zu eng und die Erdhaufen doch zu weit weg.

Auf der Suche nach einem passenden Zaun an der vorderen Straße fand ich einen jungen Mann friedlich lesend vor, der wußte noch gar nichts von seinem Glück. Schließlich half mir dieser hilfreiche Samariter einen orientalisch aussehenden Zaun (mit relativ stumpfen Piken) hinauf, dessen Sternchenmuster sich gut zum Erklimmen eignete – indes bin ich nicht sehr sportlich. Der gute Samariter hielt solange meinen Rucksack. Selbst blieb er dann noch ein bißchen auf dem Friedhof, da er schon mal da war. Jedenfalls haben wir uns sehr nett verabschiedet.

Als ich den Weg an einem Teil der Straße entlang nahm, den ich sonst nicht nehme, sah ich, daß weiter vorn jemand einen Teil der Mauer fast ganz eingerissen und Baugitter davorgestellt hatte, die ich wahrscheinlich ohne weiteres hätte beiseiteschieben können – kein Grund also, Kleid und Weichteile in Gefahr zu bringen. Andererseits: so wars zugleich menschlicher und abenteuerlicher.

Randbemerkungen zu Fronleichnam

Dirk offers an answer: "Happy Cadaver!"
"Huh?"
"Fronleichnam" he replied. "Fro: happy….Leiche: cadaver…
I remember Leiche meant corpse rather than cadaver. "So, it is like day of the Dead" I think to myself.

All the people we passed were cool.

I thought I would greet the next group, and I carefully assembled my phrase. Since Guten Tag is how everyone says hello around here, I unfurled a "Guten Fronleichnam!" in the direction of five people, two children and their elders strolling along ahead of us.

I got the puzzled look I have become famiar with because my accent might not be up to snuff. "SHOENEN Froleichnam!" I enunciate more loudly.

A fixed look from everyone tells me I just said nonsense, which my companions confirmed as I asked them if this holiday was …er… celebrated like Valentine's Day, or Christmas, or any other one where you say Happy whatever the hell to complete strangers.

Über diesen etwas skurrilen Auszug aus dem Beitrag Lost in scramblation kann man als Katholik schmunzeln. In der Tat tun sich offenbar einige mit der Erklärung des Festgeheimnisses schwer. In der Wikipedia etwa wird das scheinbare Fehlen einer verständlichen Erklärung beklagt. Eine schlichtere:

Die Kirche gedenkt an diesem besonderen Fest in Dankbarkeit und Freude der leiblichen Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten von Brot und Wein bei der heiligen Kommunion.

Warum heißt das Fest Fronleichnam? Das Wort hat nichts mit „froh“ und nichts mit dem Leichnam zu tun, den man aufgebahrt sieht. Es leitet sich von einem altdeutschen Begriff ab, der einfach des Herren Leib bedeutet. In anderen Sprachen heißt das Fest zumindest für den Lateiner verständlicher Corpus Christi, Leib Christi.

In einem Forum lese ich, daß sich jemand überlegt, ob er zur Messe im alten Ritus gehe, da gebe es aber keine Prozession oder zur Feier im ordentlichen Ritus mit Prozession, worauf flugs jemand mit der Antwort herauskommt, zur Teilnahme an der Prozession sei man doch eh' nicht verpflichtet. Nun ja, formal stimmt das. Die Fronleichnamsprozession ist eine sogenannte „fromme Übung“. Allerdings empfiehlt die Kirche den Gläubigen, an den frommen Übungen teilzunehmen, ja der Bischof lädt selbst in diesem Fall dazu ein.

Welcher Art ist die Liebe, bei der man immer nur das tut, was man unbedingt muß? – Leicht eigenartig mutete mich im vergangenen Jahr eine Gottesdienstankündigung vor der Kirche an: „8. Dezember: Immaculata (nichtgebotener Feiertag)“ Also, falls sich sonntags jemand fragen sollte: Muß ich da am Dienstag etwa schon wieder hin? – das wäre dann jedenfalls geklärt.

Selbst würde ich mir die „Gestaltung“ dieser Open-air-Gottesdienste „für alle“ manchmal etwas anders wünschen (was die Überlegung des obigen Foranten wieder verständlicher erscheinen läßt). Warum muß etwa, obwohl Gläubige sehr zahlreich anwesend sind, der obzwar herzige Kinderchor aus dem sogenannten neuen gruseligen geistlichen Liedgut Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus dei und den Kommuniongesang vorsingen? Die Gläubigen dürfen dann immerhin zu diesen unsäglichen Credo von Harald Schmitt ihr "Aaaaamen, wir glaauuuben!" (wieso eigentlich WiR?) beisteuern.) Eine Lesung auf koreanisch(?), eine auf polnisch. Warum nicht noch mit kroatischen Untertiteln? – Aber allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann, und wer fragt mich schon?



Wundern kann man sich auch über manche Ministranten, die die Prozession begleiten. In vergangenen Jahren war unausgesetzes Schwätzen heftigst Spätpubertierender hinter uns ein Problem (bei der Aufstellung der Meßdiener wird seit einiger Zeit nach Farbe des Talars und Größe der Ministranten sortiert). Dieses Mal landete ich in der Aufstellung gleich hinter den Jüngsten, da noch „ein kleiner schwarzer“ gebraucht wurde, der zugleich auch auf die kleinen roten vor ihm achten kann. Entweder bin ich kleiner geworden oder die hinter mir größer. Gleich hinter den „kleinen roten“ war es erfreulicherweise viel ruhiger, allerdings trat bei der Messe manchesmal geradezu schmerzhaft zutage, daß von der Gruppe, die gemeinhin als ideale Zielgruppe des Ministrantentums gilt, kaum einer eine Vorstellung hat, was man während der Heiligen Messe tut oder vielleicht doch lieber läßt (Sitzbänke umschmeißen, anderen das Liedblatt aus der Hand schlagen, so daß es in hohem Bogen davonfliegt) und daß man wenigstens zur Wandlung und der Litanei vor dem ausgesetzten Allerheiligsten nach vorn schaut. Zwischendurch fragt man sich da schon: machen die das in ihren Gemeinden eigentlich auch so? Und wenn ja, wer leitet die an?

Die nahezu einzigen, die einen Plan hatten, wann und daß man zum sakramentalen Segen niederkniet, waren wahrscheinlich die aus St. Afra. Die Andächtigen wurden dann wiederum von den Liedblatt-Wegschlagern scheel beäugt. Leute, sucht mich nächstes Jahr vielleicht doch lieber in der Nähe der Ordensritter (mit Damen!) und Ordensfrauen.

Kurzum, die Teilnahme an der zentralen Meßfeier und Prozession fällt für mich eher in die Kategorie Opfer, was ich zum Glück jedes Jahr, bevor es wieder soweit ist, weitgehend verdrängt habe. Vielleicht ist es tatsächlich ein wenig so, wie ich es kürzlich irgendwo las: zur großen Prozession gehen die Leute, um zu sehen und gesehen zu werden, zur Pfarrprozession wegen der Andacht und Frömmigkeit. In der Tat waren die kleinen Prozessionen in der Akademie innerlich erbaulicher. Dieses Jahr gab es leider keine, aber eine Messe mit sakramentaler Aussetzung – eigentlich fand ich das sogar noch schöner.

Immerhin: Ein vollkommener Ablaß wird demjenigen Christgläubigen gewährt, der an der feierlichen eucharistischen Prozession – die an Fronleichnam, dem Hochfest des Leibes und Blutes Christi, von größter Bedeutung ist – entweder innerhalb der Kirche oder außerhalb andächtig teilnimmt.

Die zentrale Prozession verlief bei schönstem Wetter ruhig und störungsfrei. Der Herr Kardinal bemerkte nach der Prozession abschließend, er habe „nicht eine einzige Lästerung“ gehört, nur die vereinzelte verblüffte Frage eines Passanten: „Was, halten die etwa immer noch zur Kirche?“ Ja, das tun sie, bis ans Ende der Welt.

Freitag, 4. Juni 2010

Hl. Karl Lwanga und Gefährten – Märtyrer


Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. (2 Makk. 7, 14)

Vom Hochfest Fronleichnam verdrängt wurde gestern der Gedenktag des heiligen Karl Lwanga und seiner Gefährten.

Karl Lwanga gehörte zu einer Gruppe von Neugetauften, die die Weißen Väter in nur sechs Jahren des Wirkens in Uganda gewonnen hatten. Viele der seinerzeit ersten Katechumenen erteilten in der Folge selbst den Katechumenen Unterricht. Von diesen Katechumenen lebten viele am Hof des Königs Mwanga II.

Karl Lwanga übernahm nicht nur den Dienst der Vorbereitung von Jungen und jungen Männern am Hof auf die Taufe, er hatte als Anführer der königlichen Pagen auch die Sorge, die Pagen vor dem König zu beschützen, der für seine homosexuellen Neigungen bekannt war. Als der Priester Joseph Mkasa ihn deswegen tadelte, ließ Mwanga ihn enthaupten.

König Mwanga hatte den christlichen Missionaren zunächst wohlwollend gegenübergestanden, entwickelte nun aber einen Groll gegen sie.

Im Mai 1886 rief König Mwanga einen seiner Pagen zu sich, und fragte ihn aus, warum sich dieser ihm entziehe. Als der Page erwiderte, er nehme Katechismusunterricht, wurde König Mwanga wütend, befragte bei der Jagd den Katecheten, Denis Sebuggwawo, darüber und stieß ihm dann selbst einen Speer durch die Kehle. Am Abend erklärte Mwanga öffentlich, er werde all jene, die nicht vom Gebet abließen, töten lassen. Sodann ordnete er an, daß der Hof abgeriegelt und bewacht würde, so daß niemand entkommen könne.

In der Erwartung des Martyriums taufte Karl Lwanga in der Nacht noch vier Katechumenen, unter ihnen der erst dreizehnjährige Kizito. Dann betete er mit ihnen die ganze Nacht hindurch.

Am nächsten Morgen befahl König Mwanga angesichts des ganzen Hofes den Pagen; „Die, die nicht beten, stellen sich hier neben mich, die die beten, gehen dort hinüber!“ Karl Lwanga und fünfzehn weitere junge Männer, alle unter 25 Jahren, traten zu der Wand, auf die der König gezeigt hatte. Von ihnen wollte der König wissen, ob sie Christen seien und bleiben wollten. Als sie mutig mit „Ja!“ antworteten, verurteilte Mwanga sie auf der Stelle zum Tode. Einen der Pagen ließ Mwanga als Opfer zerstückeln, ein anderer wurde zu Tode geprügelt, die meisten erlitten das Martyrium durch Verbrennen bei lebendigem Leib.

Über das Martyrium des heiligen Karl am 3. Juni 1886 lesen wir:
Während sein Körper vom Feuer verzehrt wurde, rief ihm der Henker zu: „Soll doch Gott kommen und dich aus diesem Feuer holen!“ Er antwortete: „Was du Feuer nennst, ist mir nur kühles Wasser. Nimm du dich lieber in acht, daß Gott, den du beleidigst, dich eines Tages nicht in das wahre, niemals erlöschende Feuer taucht.“ Im Augenblick seines Todes rief er mit lauter Stimme: „O mein Gott!“
In der Lesung des Tages heißt es: Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten. So war es auch hier: die Freude, mit der der heilige Karl und seine Gefährten in den Tod gingen, führte viele zum Glauben.

1964 sprach Papst Paul VI. Karl Lwanga und seine Gefährten heilig. Alljährlich pilgern in Afrika Hunderttausende zu den Reliquien der heiligen Märtyrer. Dabei legen viele Pilger Entfernungen von mehreren hundert Kilometer zu Fuß zurück.

Die ugandischen Märtyrer erinnern uns daran, daß die Verfolgung und Ermordung von Christen bis in unsere Zeit hinein andauert. Auch heute werden in aller Welt Christen wegen ihres Glaubens verfolgt und ermordet. Die Kirche hat seit den Versammlungen der ersten Christen einen weiten Weg zurückgelegt. Heute wie damals ist jedoch das Blut der Märtyrer der Same, der neues Leben hervorbringt.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Anbetung



Am heutigen Festtag haben wir den Leib des Herrn durch die Straßen der Orte begleiten dürfen, an denen wir leben, arbeiten, beten.

Da Christus sich uns bei der Einsetzung des Altarssakraments am Gründonnerstag selbst geschenkt hat und wahrhaft bei uns ist, ist es naheliegend, wenn wir oft auch in der eucharistischen Anbetung oder dem stillen Gebet vor dem Tabernakel bei ihm sein wollen.

Die Klarissen in Bautzen.haben vor einigen Jahren ein Netzwerk Eucharistie ins Leben gerufen. Das Netzwerk vereint Beter auf der ganzen Welt, die regelmäßig eine bestimmte Zeit im Gebet vor dem Allerheiligsten verbringen. Im aktuellen Rundbrief der Schwestern heißt es:

Gott ist der Grund allen Seins, der es gut mit uns meint. Er ist wirklich alles, er ist es, auf den wir hören. Gott gehören, sein Eigentum sein, darin besteht die Anbetung. Wenn wir nicht sein Eigentum sein wollen, dann hat er keine Chancen, denn er zwingt sich nicht auf, sondern nimmt nur, was wir ihm geben. Wenn wir ihm alles geben, kann auch er alles geben.

Diese Grundhaltung ist ganz entscheidend für jegliche Pastoral und Seelsorge: den Weg öffnen für das Handeln Gottes. Wenn wir uns für Gott öffnen, kann er uns mit seinem Geist erfüllen, kann er durch uns und aus uns sprechen, dann erst können wir – wie Vinzenz Palotti sagt – "Posaunen des Evangeliums" sein.

Anbetung stellt die Voraussetzung für unsere ganze christliche Existenz dar. Wenn sie fehlt, abflaut und versickert, dann ist es unmöglich, daß alle anderen geistlichen Wege in die Tiefe gehen: sie werden automatisch oberflächlich. Die Ganzhingabe des Herzens ist die Voraussetzung für den Glauben selbst.
Am Fronleichnamsfest beginnt auch die Novene zum Heiligsten Herzen Jesu. Das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu feiert die Kirche am 11. Juni.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Hochfest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam)

Das Geheimnis laßt uns künden, das uns Gott im Zeichen bot,
Jesu Leib, für unsere Sünden, hingegeben in den Tod.
Jesu Blut, in dem wir finden, Heil und Rettung aus der Not.
(Hymnus zur zweiten Vesper)


Mit der ersten Vesper beginnt am Abend das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi, gewöhnlich Fronleichnam genannt. Die Kirche gedenkt an diesem besonderen Fest in Dankbarkeit und Freude der leiblichen Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie (das heißt, in den Gestalten von Brot und Wein bei der heiligen Kommunion). Dieses Fest ist eng verbunden mit der Feier vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag, an dem Christus die Eucharistie eingesetzt hat.
Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. (1 Kor 11, 23-26)
Diese zweite Lesung des Festes aus dem Korintherbrief ist zugleich der älteste Text aus apostolischer Zeit, der von der Einsetzung der Eucharistie berichtet. Das Wort Eucharistie bedeutet Danksagung.

An die Heilige Messe dieses Tages, die vielerorts unter freiem Himmel abgehalten wird, schließt sich die festliche Prozession mit dem Allerheiligsten durch die Straßen an; dabei kann die Prozession an bis zu vier Außenaltären Station machen. An jeder Station wird das Evangelium verkündet, und es wird Fürbitte gehalten für den Ort und alle Bewohner, für unseren Bischof, für die Kirche und die, die ihr dienen, für das Heil der ganzen Welt. Vor und nach der Prozession erteilt der Zelebrant dem Ort und der Stadt den sakramentalen Segen, auf daß der Segen Christi auf uns herabkommen und uns begleiten möge.

Öfters werden in Bezug auf Fronleichnam unter Katholiken die Begriffe „gebotener Feiertag“ und „gesetzlicher Feiertag“ verwechselt: Fronleichnam ist in unserem Bistum ein Arbeitstag, dennoch ist es für Katholiken ein gebotener Feiertag, das heißt, man soll an diesem Tag an der Heiligen Messe teilnehmen und, wenn möglich, auch an der Prozession. Um dies möglichst vielen leichter zu machen, findet das Pontifikalamt am Abend statt – wir haben guten Grund, anzunehmen, daß das Wetter dabei in diesem Jahr optimal sein wird. (In Atem halten können diese Wetterexzesse irgendwie schon. 2007 bogen sich in der Hitze die Kerzen, im letzten Jahr litten Baldachin und liturgische Gewänder unter heftigem Wind und Nieselregen. Bei der Beschirmung „meines“ Kommunionspenders kamen leichte Anklänge an den fliegenden Robert auf.).

Ich halte die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession für eine schöne Möglichkeit, seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen dafür, daß Christus uns sich selbst geschenkt hat und, wie es in der Schrift heißt, bei uns sein wird, alle Tage, bis zum Ende der Welt.

Christus unser Herr, ist das Brot des Lebens – kommt wir beten ihn an!
(Invitatorium zum Hochfest)
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