Freitag, 28. Mai 2010

Grün, grün, grün…

Mosaik in der Apsis von San Clemente in Rom
Irgendwie läßt mich die Begegnung oder Nichtbegegnung mit der Farbe Grün in dieser Woche nicht los. Die OP-Jugend sinniert im Beitrag grün ebenfalls über die Rückkehr der Zeit im Jahreskreis.

In der Sakristei habe ich zwar schon grüne Vela gesichtet, die Abendmesse wurde aber in dieser Woche an jedem Tag in Weiß gefeiert, da der jeweilige Zelebrant den Heiligengedenktag genommen hat. Ich habe mich schon gefragt, wie lange man dies äußerstenfalls fortsetzen könnte? Allerdings ist für Samstagmorgen eine Sendungsfeier angesetzt, bei er zu vermuten steht, daß die liturgische Farbe Grün sein wird.

Dann noch der Altarschmuck: in der Akademie gibts zur Zeit eine Vase, von der ich hoffe, daß sie nur zu Besuch ist. Sie ist derart monumental, daß sie nicht nur den Altar überragt – mit Blumen drin ist auch ohne weiteres größer als ich. Mit dem ausladenden Blumenschmuck drin habe ich während der Eucharistiefeier das lustige Gefühl, unter einem Baum zu dienen oder zu knien. Der Pfarrer hat der Vase zwischendurch beim Gang zur Kommunionspendung ebenfalls einen leicht irritierten Blick zugeworfen.

Andernorts hat die Floristin den Altarschmuck so knapp vor der heiligen Messe vollendet, daß, als wir einzogen, auf der einen Seite des Altars noch Blumen und Vasen standen. Als ich an meinen Platz ankam, waren Vasen und Floristin verschwunden, nur noch einige weiße Blütenblätter kündeten von ihrem Hiersein. Das nenne ich Traute! ;)

Daß das Grün der Paramente das grünende Leben der Kirche und des Lebens mit Christus symbolisiert, halte ich für eine schöne Deutung. Manchesmal sind mir auch die einfachen, schlichten Liturgien, in denen es keine Beräucherung, Salbung oder sonst etwas gibt, das mich vorab in Unruhe versetzen könnte, gerade besonders lieb.

Betet ohne Unterlaß

Über die gestrige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg kann man sich nur wundern. Ein muslimischer Schüler, der sich vor Gericht eine Genehmigung erstreiten mußte, eine Unterrichtspause zum Beten nutzen zu dürfen, hatte im letzten November zunächst obsiegt. Der zuständige Senat legte gegen die Entscheidung des Gerichts, dem Schüler das Gebet während der Pause zu gestatten, Widerspruch ein. Diesem Widerspruch gab das OVG nun statt. Nachzulesen etwa hier.

Man beachte: der Schüler hatte ursprünglich nicht die Zurverfügungstellung eines Raumes gefordert, er wollte einfach beten, wo und wie er gerade war: in seinem Falle in der Ecke des Schulkorridors. Das war der Schule – und manch anderem – nicht recht.

Wer sich fragt, warum ich als Katholikin mich daran stoße: wie ich meinem Gewissen und Glauben folgen muß, so kann ich auch nur wünschen, daß andere dem ihren folgen können.

Religionsfreiheit wird neuerdings gern mit Freiheit von Religion verwechselt. Da spricht man vom "ungestörten Schulbetrieb", störenden "kultischen Handlungen" und der möglichen Entstehung von "Glaubensinseln". Welche Störung genau vom Gebet eines Menschen ausgeht, der sich in der Ecke eines Schulflures niederwirft, bleibt ungewiß – derjenige bringt schließlich keine Schlacht- und Brandopfer dar. Und was an Glaubensinseln nun schlecht sein soll, erschließt sich mir auch nicht. Wem natürlich der Glaube als solcher unerwünscht erscheint, den stört auch eine Glaubensinsel.

Diese Haltung führt übrigens gern einmal dazu, daß "kultische Handlungen" auch dort, wo sie der Ansicht der Behörden nach gerade noch zu vertreten sind, nämlich im Kirchhof, gestört werden dürfen. Alljährlich kreisen während der Palmweihe Hubschrauber im Luftraum über der Kathedrale und gegenüber lädt die Staatsoper mit laufenden LKW-Motoren und unter dröhnendem Geschepper irgendwelches Gemöck ab. Ist die Palmweihe vorüber, sind die Arbeiten wundersamerweise ebenfalls beendet. Anderswo führt jemand bissige Hunde durch eine kleine Fronleichnamsprozession über den Kirchhof spazieren. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Es wird in Umfragen und Kommentaren gefragt: Sollen muslimische Schüler in der Pause beten dürfen? Wieso betrifft diese Frage eigentlich nur Moslems? Sollte nicht jeder beten können, wann immer er will (vorausgesetzt, natürlich, daß dies die Pflichten nicht beeinträchtigt, die man gerade hat, etwa bezahlte Arbeit zu leisten)?* Der Apostel fordert uns im Tessalonicherbrief jedenfalls dazu auf: Betet ohne Unterlaß!

* Jedoch kann man auch bei vielen Arbeiten beten, wenigstens ein Stoßgebet verrichten oder die Arbeit selbst zum Gebet machen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Gerufen und gesandt – Fronleichnamsprozession in Berlin-Mitte

Ein kleiner Hinweis: das Pontifikalamt und die sich anschließende zentrale Prozession zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi werden dieses Jahr wieder auf dem Gendarmenmarkt stattfinden (das heißt, nicht auf dem Bebelplatz vor der Kathedrale).

Unter dem Motto Gerufen und gesandt lädt der Herr Kardinal recht herzlich zur Mitfeier ein



am Donnerstag, 3. Juni, 18 Uhr
es schließt sich die Prozession durch Berlin-Mitte an.

Die Prozession endet an der Kathedrale, wo nach der Statio gegen 21 Uhr eine späte heilige Messe für diejenigen stattfindet, die am Pontifikalamt nicht teilnehmen konnten.

Geben wir ein Zeugnis unseres Glaubens.

Wie kann ich ein Heiliger werden?


Damit wir nicht mehr uns selber leben, sondern ihm, der für uns gestorben und auferstanden ist, hat er von dir, Vater, als erste Gabe für alle, die glauben, den Heiligen Geist gesandt, der das Werk deines Sohnes auf Erden weiterführt und alle Heiligung vollendet.
(aus dem vierten Hochgebet)

Die Lesungen der Liturgie, vor allem der Wochentagsmessen, befassen sich zur Zeit mit dem Wirken des Geistes in uns, das auch den Weg zum heiligmäßigen Leben bedeuten kann. Dazu kommt mir immer wieder einmal diese Passage aus Thomas Mertons Der Berg der sieben Stufen in den Sinn, ein Dialog mit Robert Lax, der später ebenfalls Katholik wurde):
"Was möchtest du eigentlich werden?"

"Ich weiß es nicht. Was ich wohl werden möchte, ist ein guter Katholik."
"Was heißt das: ein guter Katholik werden?"
Meine Erklärung klang recht mangelhaft, bewies meine ganze Verwirrung und verriet, wie wenig ich wirklich darüber nachgedacht hatte.
Lax anerkannte sie nicht.
"Du solltest antworten", erwiderte er, "du solltest antworten, daß du ein Heiliger werden willst."
Ein Heiliger! Der Gedanke traf mich wie ein kleiner Schicksalsschlag.
"Wie kann ich nach deiner Meinung ein Heiliger werden?"
"Indem du es willst", erwiderte Lax einfach.
"Ich kann nicht ein Heiliger werden", sagte ich, "ich kann es nicht".
Und mein Geist verdunkelte sich in einem Durcheinander von Wirklichkeit und Unwirklichkeiten: Erkenntnis meiner eigenen Sünden, falsche Demut, mit der die Menschen vorgeben, es sei ihnen unmöglich, etwas zu tun, was sie tun müssen, sie könnten die Höhe nicht erreichen, die sie erreichen müßten, Feigheit, die sagt: "Ich bin schon zufrieden, meine Seele zu retten, sie vor Todsünden zu bewahren", was so viel bedeutet wie: "Ich will meine Sünden und Neigungen nicht aufgeben."

Aber Lax antwortete: "Nein. Wer ein Heiliger werden will, muß es notwendigerweise wollen. Glaubst du nicht, daß Gott dich zu dem machen wird, wofür er dich geschaffen hat, wenn du darin einwilligst?"
Schon längst hatte der heilige Thomas von Aquin dasselbe gesagt – und genau dasselbe geht aus dem Evangelium hervor für jeden, der es fassen will. Als Lax fort war, dachte ich darüber nach, und es wurde mir klar.
Am nächsten Tage sagte ich zu Mark Van Doren:
"Lax behauptet, das einzige, was ein Mensch benötige, um ein Heiliger zu werden, sei, daß er es werden wolle."
"Sicher", erwiderte Mark.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt (2)

Nachdem in letzter Zeit viele über Google bei mir gelandet sind, die Fürbitten um geistliche Berufe, zum Beispiel in der Maiandacht, suchten, dachte ich, ich stelle die ein, die wir in der Gebetsstunde der Gemeinde um geistliche Berufe während der Aktion 40 Tage verwendet haben. Für diese Aktion kann Kardinal Sterzinsky nicht genug gedankt werden.

Fürbitten
V: Laßt uns beten zu Jesus Christus, der zu allen Zeiten Menschen in seinen Dienst beruft:
L: Barmherziger Gott, deine Liebe zu den Menschen hast du vom Anbeginn der Welt besiegelt durch den Bund mit deinem Volk. –
Laß alle Menschen deine Treue erfahren. Öffne ihre Herzen, damit sie dein Wort hören und danach handeln. Laß sie erkennen, was du heute in ihrem Leben wirken willst und mache sie zu glaubwürdigen Zeugen deiner Liebe.

R: (gesungen): Kyrie eleison

Dein Sohn Jesus Christus hat uns berufen, seine Zeugen zu sein. –
Ermutige alle Getauften und Gefirmten, ihre Berufung zu erkennen und in Kirche und Welt dafür einzustehen. Stärke in ihnen das Verlangen nach dem Geist des Evangeliums zu leben und seine Sendung fortzusetzen.

R: Christe eleison

Jedem Menschen schenkst du seine persönliche Gabe, damit die Kirche wächst und in Liebe auferbaut wird. –
Hilf jungen Menschen, ihr Charisma zu entdecken. Schenke ihnen im priesterlichen und diakonalen Dienst und in den geistlichen Gemeinschaften Leben in Fülle, zu deiner Ehre und zum Zeugnis für die Welt.

R: Kyrie eleison

Die kluge Jungfrau war bereit: als der Bräutigam kam, fand er sie wachend, und sie trat ein mit ihm zur Feier der Hochzeit. –
Du hast Dir die Kirche zur Braut erwählt: heilige die Jungfrauen, die sich Dir geweiht haben, und rufe weiterhin Menschen in den Stand der Jungfräulichkeit, damit sie Dir ungeteilten Herzens nachfolgen.

R: Christe eleison

Dein heiliger Geist erfüllte die Apostel mit Kraft. Sie wurden zu mutigen Boten des Evangeliums. –
Gieße deinen Geist aus über uns. Begeistere Menschen für deine Nachfolge und ein Leben in Deinem Dienst, damit sie Zeugnis geben vom Geist der Liebe und der Hoffnung.

R: Kyrie eleison

V: Du, Gott, segne uns! Laß uns ein Segen sein für die Menschen, die uns begegnen, daß wir deine Wahrheit bezeugen heute und an allen Tagen.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Ninive ist überall – Herz-Jesu-Freitag für die Kirche

Da das Priesterjahr mit dem Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu am 11. Juni zu Ende geht, hier ein Hinweis auf die Aktion Ninive, die mit der Vigil des Hochfestes, also in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni beginnt.

Diese Initiative von Kirche in Not geht letztlich auf den Heiligen Vater selbst zurück, der in seinem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe die Kirche zum Gebet, zum Fasten und zur Buße aufrief.

Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona:
Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie sollen laut zu Gott rufen und jeder soll umkehren und sich von seinen bösen Taten abwenden und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt. Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder und er lässt ab von seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen.
Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus. (Jona 3, 1-10)

Vor allem die Freitagsopfer sollen nach Wunsch des Heiligen Vaters im kommenden Jahr der Heiligung und Stärkung der Kirche aufgeopfert werden. Wer an der Aktion Ninive teilnehmen möchte, wird gebeten
  • am Herz-Jesu-Freitag eines Monats eucharistische Anbetung zu halten oder, falls das nicht möglich ist, vor dem Tabernakel für die Erneuerung der Kirche zu beten. Wer die Möglichkeit hat, sollte die eucharistische Anbetung entsprechend dem Wunsch des Heiligen Vaters möglichst jeden Freitag pflegen.

  • besonders am Herz-Jesu-Freitag ein Freitagsopfer zu bringen. Das kann der Verzicht auf Fleisch sein oder auf eine andere Annehmlichkeit.

  • möglichst einmal monatlich das Bußsakrament zu empfangen.

  • an den übrigen Tagen des „Ninive-Jahres“, wenn er es möchte, in den Anliegen der Erneuerung der Kirche täglich das Gesätz des Rosenkranzes zu beten Der für uns gekreuzigt worden ist.

  • Freunde, Bekannte, die eigene Pfarrei und geistliche Gemeinschaften für das Ninive-Jahr zu gewinnen versuchen oder auch selbst eine Anbetungs- oder Gebetsstunde organisieren. Dazu wird das Heft Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft des Hilfswerkes Kirche in Not empfohlen, das man auch als PDF herunterladen kann.

Dienstag, 25. Mai 2010

Hl. Maria Magdalena von Pazzi – Jungfrau

Heute begeht die Kirche den Gedenktag einer bedeutenden Mystikerin, der Karmelitin Maria Magdalena von Pazzi.

Caterina de Pazzi wurde 1566 in Florenz als Tochter einer adligen Familie geboren. Im Alter von nur neun Jahren erlernte sie von ihrem Beichtvater das innere Gebet. Mit zehn Jahren empfing sie am Hochfest der Verkündigung des Herrn die erste heilige Kommunion und legte einen Monat später das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ab.

Ihre Eltern, die sie gut verheiraten wollten, holten sie vierzehnjährig aus der Klosterschule nach Hause, lenkten aber schließlich ein. So trat Caterina im Alter von 16 Jahren bei den Karmelitinnen der älteren Observanz – das heißt jene, die der teresianischen Reform nicht gefolgt sind – in Florenz ein, wo sie am 30. Januar 1583 als Novizin eingekleidet wurde und den Ordensnamen Maria Magdalena erhielt. Den Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln am Borgo San Frediano wählte Caterina, weil es ihr möglich war, dort täglich die Heilige Kommunion zu empfangen. Bei bei ihrem Eintritt war sie erfüllt von der Vorstellung, den Rest ihres Lebens für Christus leiden zu dürfen.

Gegen Ende des Noviziats erkrankte Sr. Maria Magdalena so schwer, daß sie mit Erlaubnis ihrer Oberen am Dreifaltigkeitfest auf einer Trage in der Kapelle im Angesicht des Todes die feierliche Profess ablegen durfte. Gleich darauf fiel sie nach der heiligen Kommunion in eine Art Ekstase, die fast zwei Stunden andauerte. Dies wiederholte sich an den darauffolgenden vierzig Tagen.

Ihr Beichtvater bat sie, die mystischen Offenbarungen, die sie während dieser Versenkungen hatte, von Mitschwestern aufschreiben zu lassen. Auf diese Weise entstanden fünf Bände mit Aufzeichnungen, Briefen und Niederschriften. Ein ganzer Band dieser Aufzeichnungen befaßt sich mit einer Reihe mystischer Erlebnisse während der acht Tage von der Vigil des Pfingstfestes bis zum Dreifaltigkeitsfest 1585, ein anderer mit einer Zeit der Versuchungen und geistlichen Trockenheit, die volle fünf Jahre andauerte und erst am Pfingstfest 1590 endete.

Am 25 Mai 1607 starb Sr. Maria Magdalena nach schwerem Leiden und einem fast dreijährigen Todeskampf um drei Uhr nachmittags, der Todesstunde des Herrn. In ihren letzten Worten ermutigte sie ihre Mitschwestern, sich gegenseitig in der Liebe, im Vertrauen auf den Herrn zu bestärken und um seinetwillen zu leiden. Schon 1626 wurde Sr. Maria Magdalena von Pazzi von Papst Urban VIII. selig- und 1660 von Papst Clemens IX. heiliggesprochen.

Einfach geschrieben und doch höchst bemerkenswert ihre Gedanken über den Empfang der Heiligen Kommunion. Diese wären eigentlich auch gut geeignet, in der Katechese eingesetzt zu werden, denn die Grundaussage des Geschriebenen ist ebenfalls ganz schlicht – es ist der Herr.

Wenn du zur heiligen Kommunion gehst, so bedenke, daß du, indem du Gott empfängst, die größte Handlung verrichtest, die du je verrichten kannst.

Wenn du bedächtest, daß du, solange die hl. Gestalten dauern, die ganze hl. Dreifaltigkeit auf unaussprechliche Weise in dir hast, so würdest du gewiß nicht bloß gewohnheitsmäßig kommunizieren.

Es gibt kein wirksameres Mittel, die Seele zu vervollkommnen als die heilige Kommunion.

Unterlasse nie eine Kommunion aus eigenem Gutdünken, denn du weißt nicht, ob Gott nicht gerade in dieser Kommunion dir eine besondere Gnade zu geben beschlossen hat.

Man begeht ein großes Unrecht gegen die Liebe, mit welcher sich Christus im heiligsten Sakrament hingibt, wenn man kommunizieren kann und es nicht tut.

Gott der Herr hat sich uns aus Liebe geschenkt; daher verlangt Er, daß wir voll Gegenliebe und Dankbarkeit zu ihm kommen.

Wenn du das heiligste Sakrament empfangen hast, suche dich ganz in dasselbe zu verlieren, indem du dir vorstellst, es gäbe in der Welt nur noch Gott und dich!

Pfingsten und Maria, die Hilfe der Christen

In der Heiligen Messe am Pfingstmontag der Akademiegemeinde am Pfingstmontag sprach der Zelebrant in seiner Predigt unter anderem über den erst vor wenigen Jahren eingeführten Gebetstag für die Kirche in China. Die gesamte Predigt zum Pfingstmontag kann man hier nachlesen.
Die Kirche begeht heute – am 24. Mai – einen besonderen Gebetstag, der vor drei Jahren vom Papst eingeführt worden ist. Dieser Tag ist in der Provinz Shanghai der Wallfahrtstermin zur Muttergottes von Sheshan, einem Marienheiligtum auf einem Berg in einem Vorort der Millionenstadt.

Aus Anlaß der 400-Jahrfeier der katholischen Kirche in China hatte der Papst den chinesischen Katholiken einen Brief geschrieben, und sie zur Einheit und zum Zeugnis aufgerufen. Dieser Brief durfte damals nicht verbreitet werden – er galt als Einmischung in innere Angelegenheiten.
Seit der Olympiade und sicher in Verbindung mit der Weltausstellung in Shanghai ist auch das Reich der Mitte stärker in das Blickfeld der westlichen Welt geraten und es wird immer deutlicher, wie groß inzwischen das Interesse der Chinesen am Christentum ist.
Die Gräber der ersten Jesuiten Matteo Ricci und Schall von Bell kann man in Peking ansehen. Sie sind Zeugen des Glaubens in China – aber die Enttäuschung über den Kommunismus verbunden mit einem Emfpinden für die Banalität des westlichen Materialismus und die damit verbundene Orientierungslosigkeit in den Herzen der Chinesen kann man nicht sehen. Man kann nur hören, daß die Parteiführung inzwischen ganz offen von einem „religiösen Fieber“ spricht. Und daß sich die wichtigsten soziologischen Institute zunehmend mit dem Christentum befassen. Ein großes Interesse an christlicher Literatur ist einfach nicht zu leugnen.
Die Entwicklung dabei ist ähnlich wie in Korea. Obwohl die katholischen Gemeinden häufig eine lange Tradition haben, einen starken Glauben und sehr viele Märtyrer in ihren Reihen, wachsen sie doch nur wenig. Der Bischof von Shanghai Aloisius Jin Luxian SJ, selbst schon 95 Jahre alt, der ca. 20 Jahre seines Lebens in furchtbaren Lagern verbracht hat, hat vor drei Jahren in seinem Hirtenbrief selbstkritische Töne gefunden:

Die meisten Katholiken von Shanghai legen vor allem Wert auf die Feier der Sakramente und vernachlässigen die Verkündigung der Frohbotschaft und den Dienst der Liebe. Daher ist die Zahl der Katholiken in der Diözese von 100.000 vor 1949 auf heute nur rund 150.000 gestiegen, was bei Berücksichtigung des allgemeinen Bevölkerungswachstums de facto ein Rückgang ist. Die protestantischen Schwesterkirchen in Shanghai, die Evangelisierung und Werke der Nächstenliebe betonten, sind im gleichen Zeitraum von nur 30.000 Mitgliedern auf über 200.000 angewachsen.

Er als Bischof spüre sein Versagen. Priester, Schwestern und Seminaristen könnten nach der heiligen Messe nicht einfach die Kirchentür abschließen und ihre Zeit vor dem Fernsehen oder Internet verbringen. Die Kirchentüren sollten den ganzen Tag geöffnet und Besucher immer willkommen sein. Spiritualität und Gebetsleben müssten gestärkt werden. Er forderte insbesondere die Priester und Schwestern auf, den Missionaren der Geschichte im Geist des Opfers und des Dienens nachzueifern und wie sie die katholischen Laien zum Einsatz zu bewegen.
Der wirklich heiligmäßige Bischof verschweigt natürlich, daß die protestantischen Hauskirchen viel Unterstützung aus den USA und aus Australien erhalten – eben auch materielle Hilfe, die an die Armen weitergegeben werden kann.

Und er verschweigt eine bestimmte Stimmung die für den Diaspora-Katholizismus typisch ist, und sicher auch verständlich, weil sie resultiert aus einer beständigen Rechtsunsicherheit, einer Lähmung durch die lange Verfolgung. Ich meine den Mangel an Träumen und Visionen, die Favorisierung des Status quo.
Hier gleichen sich viele Christen auf der ganzen Welt. Warum wagen wir es nicht, unsere Träume auszusprechen: Es wird geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer Visionen. Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.

Bitten wir um ein neues Pfingsten für unsere Gemeinden in Berlin und in ganz Europa und bitten wir die Mutter Maria, die Hilfe der Christen von Sheshan, die als kleines Mädchen ihr Ja gesagt hat, zu einem Traum, den sie nicht begreifen konnte. „Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!“

Sprich dieses Wort noch einmal, damit wir sehen, wie schön es ist, sich für den Willen Gottes zu öffnen, damit wir die Kraft haben, jeden Tag immer neu dem Anruf des Geistes zu folgen. Amen.

Christus verkündigen – hart arbeitende Fischer…


Vor Pfingsten hat Elsa beim Blog Sende-Zeit für Medienpastoral der Erzdiözese Freiburg einen Beitrag Von halblebigen Freibeutern zu hart arbeitenden Fischern veröffentlicht, der leicht variiert dann als Artikel auch in der Tagespost vom 22. Mai und gerade bei ZENiT erschienen ist.

Über den sehr lesenswerten Beitrag habe ich mich nicht nur deshalb gefreut, weil mein Blog darin erwähnt wird (obwohl Lob immer gut tut), sondern vor allem deshalb, weil Barbara Wenz hier und auf ihrem Blog genau das tut, wofür sie die katholischen Blogger lobt und worum der Papst in seiner Botschaft zum Mediensonntag letztlich bittet: dem Kommunikationsstrom des Internets eine Seele zu geben – das Antlitz Christi der Welt sichtbar machen.

Nachts um elf, irgendwo in einer kleinen Kirche in der Stadt…


Meist picke ich mir zur Nacht der offenen Kirchen eine Veranstaltung heraus. Diesmal wurde es umständehalber etwas spät. Auf der Suche nach einem Nachtgebet in noch erreichbarer Entfernung ergab es sich, daß zwei katholische Frauen mit einer evangelischen zusammen die Komplet sangen und beteten, wobei eine der Katholikinnen gleich die Kantorin gab, schon weil sie bessere Augen hatte (die Noten auf dem Liederzettel sahen für mich aus wie Mohnkörner).

Aus der gemeinsamen Komplet ergab sich die Idee, sich in Zukunft öfter zum Stundengebet zusammenzufinden, wir wollen erstmal mit einmal in der Woche anfangen. Kreuz und Leuchter kommen von protestantischer Seite, Stundenbücher und Antiphonale von katholischer. Initiiert hat es die Gastgeberin, die sich schneeköniglich über die Komplet gefreut hat.

Anstatt sich im offenen Ungehorsam und gegen den erklärten Willen der betroffenen Kirchen in einer Turnhalle (!) einzufinden, um dort mit aller Gewalt etwas zu demonstrieren (wir fragen uns, ja, was eigentlich genau?) – warum die Ökumene nicht dort suchen und finden, wo sie ohne weiteres möglich ist? Wie das geht, machen uns Gemeinschaften wie die von Taizé ja sehr schön vor.

Montag, 24. Mai 2010

Komm, Heiliger Geist – Pfingsten


Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2, 1-4)

Im Credo bekennen wir: Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht. Das bedeutet mehr als die Erinnerung an das jenes Pfingstereignis, ohne das es die Kirche nicht gäbe: Der Heilige Geist wirkt in der Kirche und in den Gläubigen fort, durch die Gnadengaben, die er schenkt.

Der heilige Paulus schreibt: Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. (1 Kor 12, 4-7). An anderer Stelle führt der Apostel aus: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. (Gal 5,19-22).

In der Tradition der Kirche bittet die Kirche in den Tagen nach Pfingsten an jeweils einem Tag besonders um eine der Gaben des Heiligen Geistes. Diese Gaben zählt schon der Prophet Jesaja auf, als er vom Messias spricht: Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor … Der Geist des Herrn läßt sich auf ihm nieder: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. (Jes. 11,1-2)

  • Weisheit (am Pfingstsonntag)
  • Einsicht (Pfingstmontag)
  • Rat (Dienstag)
  • Stärke (Mittwoch)
  • Erkenntnis (Donnerstag)
  • Frömmigkeit (Freitag)
  • Gottesfurcht (Samstag)

Auch heißt es in der Schrift: Wir wissen nicht, worum wir rechter Weise beten sollen. Der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen (Röm 8,26). So ist der Geist selbst auch Fürsprecher – oder wie es in Original heißt Parakletos, Anwalt – derer, die keinen Fürsprecher haben.

Beten wir um die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes, daß wir erkennen, was uns gegeben ist und es so einsetzen, daß es anderen nützt. Beten wir für die Kirche und besonders für diejenigen, die berufen sind, uns auf dem Weg zu leiten: für unsere Bischöfe und Priester.

Viele der Heiliggeist-Hymnen sind außerordentlich schön. Mit am liebsten ist mir GL 250, den ich gern als Hymnus zur Sext nehme, denn bringt wunderbar zum Ausdruck, wie der Heilige Geist in unseren Alltag hinein wirkt:

Komm, o Tröster, Heilger Geist
Licht, das uns den Tag verheißt,
Quell, der uns mit Gaben speist.

Komm und lindre unsre Last,
komm, gib in der Mühsal Rast,
komm, sei bei uns Armen Gast.

Glut, die unser Herz durchdringt,
Beistand, der zum Ziel uns bringt,
ohne den uns nichts gelingt.

Halt uns, wo wir haltlos gehn,
rate, wo wir ratlos stehn,
sprich du, wo wir sprachlos flehn.

Hauch, der Leben uns verleiht,
lenk uns in der Erdenzeit,
führ uns hin zur Seligkeit.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Der Himmel über Berlin…


…sieht von hier aus irgendwie besonders gut aus. Seit fast zwei Wochen ist das Tempelhofer Flugfeld – oder wie er anscheinend heißen soll – der Tempelhofer Park tagsüber geöffnet. Als ich am Montag nach der Eröffnung mit der S-Bahn dran vorbeifuhr, verspürte ich erstmals einen Hauch von Central Park – da drehte ein einsamer Jogger am Zaun entlang seine Runde (wieso muß ich dabei immer an Dustin Hoffman als Marathonmann denken?)



Hat man erst einmal einen der Eingänge gefunden[1] offenbart sich: was in der Draufsicht schön übersichtlich aussieht, ist in Wirklichkeit natürlich riesig. So bin ich beim ersten Besuch ca. drei Stunden in flottem Tempo herumgewandert, bis ich mich wunderte, warum ich jetzt doch etwas kaputt war. Es blühen schöne Wiesenblumen, und in einigen Teilen des Feldes brüten geschützte Vogelarten, etwa die Feldlerche (Nomen est omen).

Das Tempelhofer Flugfeld ist im Mai bis 21:30 Uhr offen, von Juli bis September bis 22:30 Uhr.

[1] Gar nicht so einfach, wenn man es, wie ich und die meisten, vom Hauptgebäude aus probiert. Man wandert bis ca. Ostchina, bis sich die Hinweise auf einen der Eingänge verdichten (den roten Pfeilen am Zaun folgen). Am besten probiert man es in der Oderstraße.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Wo wir grade bei Kopfbedeckungen sind…

Bad hair day for Medusa…

Einmal Schleier reinigen, bitte!


Nicht nur, weil diverse Feste bevorstehen, war es jetzt soweit – der Schleier mußte zur Reinigung. Das schöne an meiner Wohngegend ist, daß ein Schleier, den man zum Reinigen bringt, keine Fragen des Inhabers aufwirft. Obwohl, vielleicht fragen die ja nie? Der meinige war höchstens ein wenig betrübt, daß es nicht mehr zu tun gab. Morgen hab ich ihn wieder (den Schleier).

Eine schön zusammengefaßte Begründung dafür, einen weißen Schleier zu tragen, habe ich neulich zufällig gefunden:
This is a symbol that her mind is not on "the world" but on the Kingdom that is to come. No part of her mind, intellect, memory, or will is to be part of the world, part of darkness, or part of anything that is contrary to Jesus Christ. … She wishes to live in goodness, in love, and in poverty of mind and heart. She puts at the very top of her body, which is consecrated to God, something white as a constant reminder that she is a temple of the Holy Spirit. That temple must be ever clean and pure. All the white parts of her habit are a symbol of her desire to exemplify the awesome purity of God Himself in the Most Holy Eucharist.
Einmal Schleier reinigen kostet beim freundlichen Perser meines Vertrauens hier gleich um die Ecke 1,50 Euro. Darin inbegriffen der gute Zuspruch, daß das mir so teuere Tuch auch wirklich nicht eingehen wird – nicht, daß ich einen Erstkommunikantinnenschleier zurückbekomme.

Fazit: ich brauch mehr Schleier, das wird auch den freundichen Perser freuen! :)

Dienstag, 18. Mai 2010

Maiandacht und Priesterjahr

Über die erstaunlichen Verwicklungen, die es geben kann, wenn die Gläubigen nur einfach um Priesternachwuchs beten möchten, hatte ich ja schon einmal berichtet. Seither hat sich eigentlich nicht wirklich was getan. Auf meine Rückfrage hin sollte der Punkt noch einmal auf die Tagesordnung des PGR gesetzt werden – der Rest ist Schweigen…
Heiliger Bürokratius, bitte für uns!

Heute abend wird es jedenfalls im Anschluß an die Heilige Messe um 18 Uhr eine Maiandacht mit sakramentalem Segen des Weihbischofs, Fürbitten um Priesternachwuchs vor dem ausgesetzten Allerheiligsten und Bildchen mit einem Gebet zum Priesterjahr geben. Die Schreiberin dieser Zeilen hat grade die Fürbitten ausgedruckt. Wir fragen das besagte Gremium einfach nicht (mehr), wir beten. Wer mit uns beten möchte, fühle sich herzlich eingeladen.

Freitag, 14. Mai 2010

Die Treue zur Berufung erfordert Mut und Vertrauen

Der Heilige Vater hat in Fatima die Priester dazu eingeladen, in der Freude der Weihe zu leben und die priesterliche Treue zu bezeugen, die auf Christus gründet. – Erlaubt mir, euch mein Herz zu öffnen und euch zu sagen, daß die Hauptsorge jedes Christen und besonders der gottgeweihten Menschen und jener, die am Altar ihren Dienst tun, die Treue zur eigenen Berufung sein muß.
In diesem zu Ende gehenden Priesterjahr komme eine Gnadenfülle auf euch herab, damit ihr in der Freude der Weihe lebt und die priesterliche Treue bezeugt, die auf der Treue Christi gründet. Das erfordert natürlich eine wahre innige Beziehung zu Christus im Gebet, denn nur die starke und intensive Erfahrung der Liebe des Herrn wird die Priester und die gottgeweihten Frauen und Männer dazu hinführen können, auf seine Liebe in bräutlicher Ganzhingabe zu antworten.
Papst Benedikt verwies darauf, daß dieses Leben der besonderen Weihe an Gott von Beginn an eine Erinnerung an das Evangelium war, eine Erinnerung, die der ganzen Kirche die Radikalität des Evangeliums und das Kommen des Reiches zeigt, bestätigt und verkündet.

Nach der Vesper vollzog der Heilige Vater einen Weiheakt der Priester an das Unbefleckte Herz Mariens (in meiner Übertragung; ich habe keine Übersetzung gefunden):

Unbefleckte Mutter,
an diesem gnadenvollen Ort
an dem uns die Liebe deines Sohnes Jesus,
des ewigen Hohenpriesters, versammelt hat,
weihen wir,
Söhne des Sohnes und seine Priester,
uns deinem mütterlichen Herzen,
um treu den Willen des Vaters zu erfüllen.

Wir wissen, daß wir ohne ihn nichts tun können (Joh 15,5)
und nur durch ihn, mit ihm und in ihm
Werkzeuge der Erlösung für die Welt sein werden.

Braut des Heiligen Geistes,
gewinne uns die unschätzbare Gabe
der Verwandlung in Christus.
Durch dieselbe Kraft des Geistes,
die dich überschattet
und zur Mutter des Erlösers gemacht hat,
hilf uns, Christus, deinen Sohn,
auch in uns selbst lebendig zu machen.
Möge die Kirche
auf diese Weise durch heilige Priester erneuert werden,
die von der Gnade dessen verwandelt wurden,
der alles neu macht.

Gnadenvolle Mutter,
dein Sohn Jesus hat uns berufen,
ihm ähnlich zu werden,
Licht der Welt und Salz der Erde (Mt 5, 13-14).

Hilf uns
durch deine mächtige Fürsprache,
niemals hinter dieser erhabenen Berufung zurückzubleiben,
noch unserer Selbstsucht nachzugeben
und den Verlockungen der Welt
und den Nachstellungen des Bösen zu erliegen.

Bewahre uns in deiner Reinheit,
wache über uns mit deiner Demut
und erhalte uns in deiner mütterlichen Liebe,
die in sovielen dir geweihten Seelen widerscheint,
die uns wahrhaft geistliche Mütter geworden sind.

Mutter der Kirche,
wir Priester wollen Hirten sein,
die sich nicht selbst weiden,
sondern ihr Glück darin finden,
sich selbst für ihre Brüder hinzugeben.
Nicht nur durch unsere Worte,
sondern mit unserem Leben
wollen wir demütig, Tag für Tag,
unser "Hier bin ich" wiederholen.

Unter deiner Führung
wollen wir Apostel der göttlichen Gnade sein,
freudig bereit, Tag für Tag
das heilige Opfer am Altar darzubringen
und denen, die darum bitten,
das Sakrament der Versöhnung zu spenden.

Fürsprecherin und Mittlerin der Gnaden,
die du ganz umfangen bist
von der allumfassenden Mittlerschaft Christi,
schaffe uns, durch Gott,
ein neues Herz,
das Gott mit all seinen Kräften liebt
und der Menschheit dient, wie du es getan hast.

Wiederhole vor Gott dein treffendes Wort
"Sie haben keinen Wein mehr!" (Joh 2, 3)
sodaß der Vater und der Sohn erneut die Fülle
des Heiligen Geistes über uns ausgießen.
Voll Erstaunen und Dankbarkeit
über deine fortwährende Gegenwart
in unerer Mitte
möchte auch ich an diesem Ort
im Namen aller Priester ausrufen:
"Wie kommt es, daß die Mutter meines Herrn mich besucht? (Lk 1, 43)

Die du allzeit unsere Mutter bist,
werde nicht müde, uns "heimzusuchen",
uns zu trösten, zu ermutigen.
Komm uns zur Hilfe
und bewahre uns vor aller Gefahr,
die uns bedroht.
Durch diesen Akt des Vertrauens und der Weihe,
wollen wir dich tiefer und inniger
in unserem irdischen und priesterlichen Leben willkommen heißen.

Deine Gegenwart lasse die Wüste unserer Einsamkeit neu erblühen.
die Sonne in unsere Dunkelheit scheinen,
die Ruhe nach dem Sturm einkehren,
sodaß alle Welt die Erlösung des Herrn schaue,
der den Namen und das Antlitz Christi trägt,
der in unseren Herzen widerscheint,
die auf ewig mit dem deinen vereint sind.
Amen!
(Gebet des Heiligen Vaters, Benedikt XVI. in der Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit am 13. Mai 2010)

Donnerstag, 13. Mai 2010

Christi Himmelfahrt


Das Fest Christi Himmelfahrt feiern wir am 40. Tag der Osterzeit.

Nachdem der auferstandene Christus seinen Jüngern vierzig Tage hindurch immer wieder erschienen war, wurde er in den Himmel aufgenommen. Die Himmelfahrt Christi steht am Ende dieser Erscheinungen Jesu. Sie ist die endgültige Erhebung seiner menschlichen Natur zur himmlischen Herrlichkeit in die Gegenwart Gottes. Dieses Glaubensgeheimnis bekennen wir sowohl im nicänischen als auch im apostolischen Glaubensbekenntnis.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.

Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.

Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird.

Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht. (Eph 1, 17-23)

Allmächtiger, ewiger Gott,
erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit,
denn in der Himmelfahrt deines Sohnes
hast du den Menschen erhöht.
Schenke uns das feste Vertrauen,
daß auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. (Tagesgebet)

Mittwoch, 12. Mai 2010

Von Schleiern und Wimpeln, Hauben und Cornettes

Zufällig stieß ich neulich im Web auf eine Diskussion um
des Kaisers Bart die rechte Form des Schleiers. Dabei wurde recht vehement eine Form favorisiert und von einigen geradezu als Beispiel für Orthodoxie dargestellt, bei der unter dem Schleier ein Stirnband und zusätzlich ein Kleidungsstück getragen wird, das G(u)impe, Wimpel, Hülle, Brusttuch oder – wie in einer Gemeinschaft, deren Gast ich einige Zeit sein durfte – Brustschleier genannt wird. (Die jungen Nonnen fanden die Bezeichnung „Brustschleier“ etwas albern, aber da der Begriff nun einmal etabliert war…)

Nun sind Wimpel und Unterschleier allerdings kein Teil des eigentlichen Ordenshabits und dessen Symbolik – das ist der Schleier selbst. Bei diesen Betrachtungen, was denn die rechte Art des Schleiertragens wäre – es scheinen sich zudem auch immer diejenigen am bestimmtesten dazu äußern, deren Kopf dann gegegebenenfalls nicht in mehrere Lagen Stoff verpackt wäre –, sollte man nicht vergessen, daß jedenfalls der Wimpel und auch sein Verwandter, das Gebende, eine Anleihe aus der Mode einer bestimmter Zeit ist:


Wimpel, der (mhd.; ahd. wimpal 'leichtes Gewand, Schleier'; m niederd. wumpel oder wimpel; afrz. guimple; engl. wimple), ein um Kopf, Hals und Nacken auf verschiedene Weisen drapiertes Tuch aus weißem Leinen oder Seide. Der W. ist als Kopfbedeckung der verheirateten Frau in Deutschland bereits im 9. Jh., in Frankreich als Guimpe ab der 2. Hälfte des 12. Jh.s belegt und hielt sich bis ins 15. Jh. (Reclams Mode-und Kostümlexikon)

oder

WIMPLE ( late 12c., 13c., 14. ) The veil evolved into the wimple, a cloth draped across the throat, cheeks and chin, leaving the face exposed. The illustration shows a wimple worn with a headveil. Certain orders of nuns still wear the wimple. In 14c., the cloth wimple worn without a veil, inned over coils of hair on either side of the head was known as aform of headwear for women consisting of a silk or linen drape over the head together with folds covering the neck, chin and sides of the face.

Originally a functional outdoor protection, it became fashionable in the 14th century and survived well into the 20th in the familiar conventual dress of some orders of nuns.


Der Ausdruck survived trifft es hier ziemlich gut. Die Art und Form der Haube, des Wimpels und des Schleiers wandelte sich immer mit der Zeit und unterschied sich auch regional. Es gab auch hier im Laufe der Zeiten mehr oder weniger exotische Varianten, wie etwa die Rüschen um die Hauben amerikanischer Ordensschwestern oder Guimpen mit vorspringenden Seitenteilen, die der Trägerin Seitenblicke verunmöglichten – oder wie es in Geschichte einer Nonne so poetisch ausgedrückt wird:
Auf diese Weise wurden verstohlene Blicke zur Seite so wirksam verhindert, als hätte man ihr Scheuklappen umgebunden, wozu ja, wie sie wußte, die Haube auch diente. Sie zwang die Augen, in die einzige Richtung zu schauen, in die sie schauen sollten, geradeaus zu Gott.
(Man merkt schon: zu dieser Zeit fuhr man eher selten mit dem Auto.) Dann gab es noch den „Aufbau“ der französischen Schwestern, der, wie ich erst vor kurzem gelernt habe, Cornette heißt – selbst die heilige Bernadette schreckte davor zurück[1]. Von anderen wird er scheints als kultig empfunden. Für den Eintritt in einen Orden mit einer Tracht, zu der eine solche Cornette gehörte, brauchte man sicher die entsprechende Berufung, alles andere macht sowieso die Gnade. In dem Fall wohl auch die, daß es in Klöstern gemeinhin keine Spiegel gab. :P

Das eigentliche Symbol für die Bindung an Christus und die Kirche und damit aufgrund der Ordenskonstitutionen Bestandteil des Habits ist der Schleier selbst. Nun ändern sich Ordenstrachten mit der Zeit und den Umständen immer einmal wieder:
Einige besonders seltsame Trachten empfand man als ungewöhnlich schon zu der Zeit, als sie aufkamen; sie spiegelten die Vorstellungen, die die männlichen Ratgeber der verschiedenen Orden von einer passenden Kleidung hatten, wider. Die Schwestern vom Heiligen Kreuz und der Passion – zur Unterstützung der jungen Arbeiterinnen in den Industriegebieten von Manchester und Bolton gegründet … gingen immerhin noch Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in langen schwarzen Mänteln und mit großen schwarzen Strohhüten und voluminösen Kreppschleiern über die Straßen. Sie erregten damals schon soviel Aufsehen, daß sie ihr Habit ändern mußten. …
Die kompliziertesten Teile des Habits waren der Kragen und die Kopfbdeckungen. „Jede von uns besaß zwölf riesige Schultertücher aus feinem Batist. Sie mußten handgesäumt sein, weil wir keine Nähmaschinen benutzen durften.“ Dann gab es die Hauben. „Unsere hatten oben etwas eingenäht, was ihnen Fülle gab – wir nannten es die Raupe. Besonders schwer war es, die Rüsche anzufertigen. Sie hatte die Länge eines Zimmers und bestand aus feiner Ganze; es war eine Tortur, sie zu nähen. Man zog sie zusammen, bis sie das Gesicht umrahmte, und nähte sie an der Haube an, und wenn sie nicht überall genau gleich war, wölbte sie sich und konnte nicht richtig plissiert werden.“ Diese kunstvollen Machwerke waren völlig unpraktisch. „Im Regen fiel das steife Ding sofort in sich zusammen“.
Die Kopfbedeckung hatte so viele Stofflagen – acht in der Regel – daß die Nonnen ein System entwickelten, um sie aneinander zu befestigen, damit sie das Ganze vor dem Schlafengehen, so wie es war, abnehmen konnten. Nachts trugen sie ebenfalls eine leichte Haube[2].
Wenn nun manche Ordensgemeinschaften Details ihrer Tracht ändern, um sie etwa praktischen Erfordernissen anzupassen oder auch dem Wunsch nach einer unaufwendigen Lebensführung[3] zu genügen (, so geschieht dies in Übereinstimmung mit der Kirche, die wünscht, daß die Tracht einfach und bescheiden sein soll, zugleich ärmlich und kleidsam. Sie sollte gesundheitlichen Normen genügen und den örtlichen Umständen angepaßt sein. An der Wäsche von Stirnbändern, Unterschleiern, Wimpeln und Kragen mangelt man schon eine Weile herum. Einige Klöster beschäftigten eigens Frauen für diese Arbeit, wobei das Stärken einer einzigen dieser Kopfbedeckungen erheblich lange Zeit brauchte.

Es gibt eigentlich keinen Grund, warum eine neuere Gründung für seine Schwestern einen Habit wählen sollte, zu dem ein Wimpel gehört. Und ob der Schleier das Haar nun zur Gänze bedeckt oder noch etwas davon sehen läßt, ist meiner Meinung nach eine sekundäre Frage, auf keinen Fall sollte man daraus einen Fetisch machen. Man kann Wimpel schön finden oder auch nicht, unpraktisch oder auch nicht, es ist an den Orden, den Vorsteherinnen der Konvente, manchmal auch an der einzelnen Schwester selbst, in Übereinstimmung mit den Konstitutionen darüber zu entscheiden. Danken wir Gott, daß er Frauen beruft, ihm freudig im Ordensleben nachzufolgen.

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[1] In der Vita heißt es, sie habe vor ihrem Eintritt in einen Orden den Eintritt bei den Vinzentinerinnen vehement abgelehnt, mit dem Ausruf, niemals lasse sie sich „einen solchen Tunnel“ auf den Kopf setzen. Bernadette war immer schon sehr geradeheraus.

[2] Marcelle Bernstein, Nonnen – Leben in zwei Welten, 1982

Dienstag, 11. Mai 2010

Bittage


Die Bittage fallen auf den 25. April (großer Bittag) und die drei Tage vor dem Fest Christi Himmelfahrt (kleine Bittage). Der große Bittag, der in keiner Verbindung mit dem Fest des Evangelisten Markus steht (der viel später auf dieses Datum gelegt wurde), scheint ältesten Datums zu sein und wurde als Gegenstück zu den römischen Robigalia eingeführt, an denen die Heiden Prozessionen abhielten und zu ihren Göttern beteten. Papst Gregor (der Große, † 604) führte den Brauch des großen Bittags für die gesamte Kirche ein. (Catholic Encyclopedia)

Im Jahre 470, in dem es eine ungewöhnliche Häufung von Katastrophen gab – Stürme, Überflutungen und Erdbeben – führte Erzbischof Mamertus drei jährliche Bußtage vor dem Fest Christi Himmelfahrt ein. Er ordnete an, daß die Gläubigen an diesen Tagen keine knechtlichen Arbeiten verrichten sollten. Stattdessen sollten sie fasten und beten und an jedem dieser Tage Bußprozessionen abhalten.

Flurprozession bei
Villingen-Schwenningen
Bei diesen Prozessionen wurde die Allerheiligenlitanei gesungen. Nach der Anrufung Sancta Maria setzte sich die Prozession in Bewegung, wobei jede Anrufung und Erwiderung wiederholt wurde. Bei entsprechender Länge des Umgangs begann man entweder mit der Litanei von vorn oder betete Buß- und Gradualpsalmen. Im Brevier fand sich der Hinweis, daß alle zum Halten des Stundengebets Verpflichteten, die nicht an der Prozession teilnahmen, zum Beten der Litanei verpflichtet waren.

Der erwähnte Bischof Mamertus aus Gallien ist übrigens der Heilige, dessen Gedenktag die Kirche heute begeht, und gehört in Norddeutschland zu den Eisheiligen.

Der Brauch der Bittage hat sich – ohne das Fasten – bis heute erhalten. Im ländlichen Raum gibt es die sogenannten Bittgänge – Flurprozessionen, bei denen besonders um das Gedeihen der Aussaat gebeten wird. In der Liturgie feiert die Kirche die Bittmessen.

Sonntag, 9. Mai 2010

Wo wären wir ohne die Sakramente?

Bei der Ministrantenprobe in der Karwoche erwähnte der Pfarrer am Rande, es käme immer wieder einmal vor, daß die Gläubigen auf die Fragen des Priesters: Widersagt ihr…? und Glaubt ihr…? antworten mit: Wir widersagen! bzw. Wir glauben! Dies sei widersinnig, weil man stets nur für sich selbst bezeugen kann, wem oder wessen man widersagt und an was man glaubt. So habe ich das auch stets empfunden und deshalb stört es mich eigentlich, wenn mir im feierlichen Hochamt der Chor auch noch das ganze Credo in konzertanter Manier vorsingt. Ich glaube an Gott… – und das singen dann andere für mich (während mir womöglich eher zum Einschlafen zumute ist). – Der Wechselgesang mit der gregorianischen Schola ist dagegen gute kirchliche Tradition.

Höchst eigenartig in Bezug auf das persönliche Bekenntnis dessen, woran einer glaubt, erschien mir daher diese Meldung (wenn sie denn so stimmt, das weiß man heute ja nie so genau):
Enttäuschte Katholiken wechseln die Konfession

Das Verhalten vom Pontifex und den deutschen Bischöfen im Mißbrauchsskandal stieß bei vielen Gläubigen auf Kritik. Einige von ihnen ziehen daraus offenbar Konsequenzen: Mehrere evangelische Landeskirchen berichten von einem zunehmenden Interesse ehemaliger Katholiken am Eintritt in die evangelische Kirche. Sie bestätigten damit einen Bericht der "Leipziger Volkszeitung". Demnach registrieren vor allem die großen Landeskirchen Hannover und Rheinland sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau gestiegenes Interesse an einem Kirchenübertritt.
Wie kann etwaige Enttäuschung, Frustration, Ärger über manche ihrer Vertreter oder auch Kritik jemals dazu führen, daß ich die Kirche – die KiRCHE – verlasse? Daß ich etwas anderes glaube als das, was ich als die Wahrheit ansehe oder erkannt habe? Was die Kirche als Wahrheit ansieht oder erkannt hat? Was ich bisher geglaubt habe?

In der Präfation des Hochfestes vom Heiligsten Herzen Jesu, das wir demnächst feiern, heißt es:
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben durch unseren Herrn Jesus Christus. Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.
Aus seinem Herzen entspringen die Sakramente der Kirche … damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.

Ohne Sakramente können wir nicht sein, ohne Sakramente gäbe es keine Kirche. Die katholische Kirche lehrt, daß es sieben solcher Sakramente gibt. Was geht in jemandem vor, der, wie es oben heißt, "ein gestiegenes Interesse" zeigt? Innerlich vier Sakramente zu Sakramentalien erklären, darunter zwei, von denen man bisher geglaubt hat, daß sie der Seele ein unauslöschliches Siegel einprägen? Wie ist es mit der Transsubstantiation, also mit der Wandlung der eucharistischen Gaben in den Leib und das Blut Christi? Glaubt derjenige dann ab, sagen wir, kommenden Dienstag, daß es sich anders verhält?

Man verstehe mich recht, es geht mir nicht darum, ein Bekenntnis gegenüber einem anderen abzuwerten. Nur sollte es dann auch eines sein. Seine Konfession zu wechseln wie etwa die Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung ist da sicher nicht der rechte Weg und die rechte Auffassung von Kirche.

Ich bin katholisch geworden wegen der Sakramente und der dauerhaften Gegenwart Christi im Allerheiligsten. Nie könnte ich die Kirche verlassen, die mir Mutter ist, ebensowenig wie ich Gott verlassen könnte, der mir Vater ist, Christus verlassen könnte, der mir alles bedeutet.

In der Heiligen Messe am letzten Sonntag sagte der Pfarrer, der über das Leben aus den Sakramenten gepredigt hatte, man könne fragen, so lange gehe ich jetzt schon zur Kirche, bete und empfange die Sakramente – und was ist geworden, mit mir und meinem Leben? Was hat sich geändert? Man kann aber auch fragen: wo wäre ich ohne das Gebet? Ohne die Sakramente?

Samstag, 8. Mai 2010

Die Eisheiligen


Pankrazi, Servazi und Bonifazi, das sind die drei frostigen Bazi. Und zum Schluß fehlt nie die kalte Sophie – dieser Spruch aus dem Volksmund über die Eisheiligen traf auf unsere Gegend zu. In anderen Gegenden gibt es sicher andere: insgesamt gibt es zwischen drei und fünf Eisheilige. In Norddeutschland etwa ist es ein Gruppenbild ohne Dame.

Bei den Eisheiligen handelt sich um Gedenktage von Heiligen im Mai – Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert –, die noch einmal kaltes Wetter, Nachtfröste und Schnee mit sich bringen können. Dies ist vor allem auch für Bauern und Gartenfreunde interessant. Ich kann mich an einen gemütlichen Abend im Café vor einigen Jahren erinnern, der abrupt ungemütlich wurde, als ein Schneeschauer herniederging und der beste Freund von allen und ich zu ihm nach Hause stürzten, um seine Balkonbepflanzung, die er unvorsichtigerweise schon draußen hatte, in Sicherheit zu bringen.

Ob die Eisheiligen sich dieses Jahr etwas verfrüht haben, bleibt noch abzuwarten, ebenso, ob wir uns nach ca. 1500jährigem Brauchtum wegen der Klimaveränderung künftig auf neue Eisheilige wie etwa "die kalte Katharina" einstellen müssen.

Die Eisheiligen sind:

– Mamertus am 11. Mai (Norddeutschland)
– Pankratius am 12. Mai
– Servatius am 13. Mai
– Bonifatius am 14. Mai
– Sophia von Rom (oder von Mailand) am 15. Mai (Süddeutschland)

Die letzte der Eisheiligen ist Sophia – genannt die kalte Sophie (Sophie mit Betonung auf der ersten Silbe) –, eine wohltätige frühchristliche Witwe, deren drei Töchter Fides, Spes und Caritas (Glaube, Liebe, Hoffnung) gottgeweihte Jungfrauen waren und in der Christenverfolgung unter Kaiser Hadrian in Rom das Martyrium erlitten. Am Tag nach der Bestattung ihrer Töchter wurde auch Sophia hingerichtet.

Einige Bauernregeln:
  • Mamertus, Pankratius, Servatius, stehen oft für Kälte und Verdruß.
  • Pankratius und Servatius sieht man ungern, denn dies sind zwei gestrenge Herrn!
  • Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bis Sophie vorüber ist.
  • Servaz und Sophie vorbei, dem Bauern Nachtfrost einerlei.
  • War vor Servaz kein Sommer, so kommt nach Servaz kein Frost.
  • Kalte Sophie, so wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt!
  • Liegt der Bauer tot im Zimmer, so lebt er nimmer.

Freitag, 7. Mai 2010

Für Katzenfreunde noch was zum Spielen vor dem Wochende

Wer gern mit Katzen spielt, auch mit virtuellen,
bitte hier lang.

An dieser Stelle übrigens aus der Reihe Geständnisse die Eröffnung, daß ich mir ab und zu einfach so die Sendung Malen mit Bob Ross angucke. Nicht, das ich außer Strichmännchen großartig was malen könnte – es ist so schön meditativ, und ich mag Bob Ross und seine Art zu erklären einfach gern.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Rauchzeichen


Nach der Heiligen Messe am Dienstag mit der ersten Maiandacht im Anschluß ist mir irgendwie dieses, ähm, interessante Bild wieder eingefallen. Der gedankliche Zusammenhang ist wohl, daß in beiden Monaten im Altarraum der Unterkirche eine Marienikone steht. Vor diese wiederum pflegt eine der $Aufsichtspersonen gern einen Leuchter mit einer brennenden Kerze zu stellen. Mehrfach konnten Zelebranten – vorzugsweise bei der Kommunionspendung an der Kommunionbank – nur durch einen kühnen Sprung entweder der Meßdienerin oder einer Gläubigen (die das schon kennt) gerade noch vor der Selbstentzündung gerettet werden.

Father Z hat vor einiger Zeit die Anleitung zum schnellen Anzünden von hohen Altarkerzen veröffentlicht – wie er selbst schreibt, nichts, was man nachmachen sollte, aber nichtsdestotrotz sehr erheiternd (man achte auf die vielen Kommentare).
Man nehme einen kleinen Brocken Wachs und schmelze ihn in einem Topf, am sichersten auf einem Elektroherd. Dann gebe man ein Quentchen Benzin [hier wird es interessant] in den Topf. Zuvor nehme man den Topf vom Herd [gute Idee!]. Gut vermischen, trocknen lassen. Man bringe vor der Heiligen Messe kleine Klümpchen dieser Masse auf den sehr hohen Kerzen an. Wenn die Kerzen angezündet werden sollen, muß nur der Docht der Kerzen leicht berührt werden und sie beginnen sofort und wunderbar zu brennen.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Gleicht euch nicht dieser Welt an – Ordensgewänder

Sœurs de la consolation
Hier hatte ich mich schon zum Thema Ordenstracht bzw. Schleier und Ring als Zeichen geäußert.

Mit der Aufnahme eines Lebens als Eremit oder als gottgeweihte Jungfrau war traditionell das Anlegen eines einfachen Gewandes und im Falle einer Jungfrau auch die Verschleierung (Velatio) und das Tragen einer ärmlichen Tunika verbunden. Der Wechsel der Gewänder gehörte früher zum Ritus der Jungfrauenweihe.

Ordensmänner und -frauen, die sich ja aus dem Eremitentum und den Zusammenschlüssen gottgeweihter Jungfrauen entwickelten, zogen in späterer Zeit zunächst ein gewöhnliches Gewand ihrer Zeit an, jedoch trugen in der Regel alle Mitglieder der Gemeinschaft Gewänder der gleichen Art. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit die Ordenstrachten als unverwechselbares Kennzeichen des religiösen Standes.

Der Habit einer Ordensschwester sagte früher viel über seine Trägerin aus. Man konnte seinem Aussehen entnehmen, zu welchem Orden seine Trägerin (wahrscheinlich) gehörte, was für eine Tätigkeit sie ausübte, ob sie schon die Profeß abgelegt hatte oder Novizin war. Einige Trachten sind besonders leicht zu erkennen. Die Birgittinnen zum Beispiel tragen zu einem schlichten grauen Habit eine weißleinene Haube mit schwarzem Schleier und einer weißen Leinenkrone, auf der fünf rote Tropfen in Kreuzform angeordnet sind. Auch die Postulantinnen (Ordensanwärterinnen) hatten bereits eigene Gewänder.
Im Zuge der Reformen nach dem zweiten vatikanischen Konzil wurden die Ordensgemeinschaften aufgefordert, auch ihren Habit zu erneuern. Die Tracht sollte einfach und bescheiden sein, zugleich ärmlich und kleidsam. Sie sollte gesundheitlichen Normen genügen und den örtlichen Umständen angepaßt sein.

Dies führte in der Folge leider dazu, daß – wie so oft – vielfach das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Mit der Vereinfachung verloren die Trachten vieler Gemeinschaften auch das ihnen eigene, Unverwechselbare und wurden teils zu einer Art „Schwesternstandardkleidung“, oft auch ohne die symbolhaften Elemente des Skapuliers als Sinnbild des Joches Christi (Mt 11,30) oder des Schleiers für die ausschließliche Bindung der Frau an Christus durch Gelübde.

Eigene Gewänder bzw. Schleier oder Häubchen für Postulantinnen bzw. Kandidatinnen wurden oft abgeschafft, obgleich doch der Eintritt in ein Kloster, wenn auch die Anwärterin bis zur ersten Profeß nicht dem Orden angehört, einen radikalen Bruch bedeutet. In vielen Gemeinschaften trägt die Postulantin heute bis zur Einkleidung weiter weltliche Kleidung, obwohl die Anwärterin „die Welt“ bereits verlassen hat.

Bereits 1982 schrieb Marcelle Bernstein in Nonnen. Leben in zwei Welten:
Immer häufiger stellt sich heraus, daß die Versuche, die Ordenstracht zu „modernisieren“, dazu führte, daß die Frauen aussehen, als kauften sie ihre Sachen in Ramschläden. Die alten Nonnentrachten mit ihren bauschigen Rocken, den weiten Ärmeln und den Schultertüchern eignen sich einfach nicht dazu, gekürzt oder enger gemacht zu werden. Die schlechteste Werbung für religiöses Leben sind jene Schwestern, die ihre Rocksäume acht Zentimeter anheben, ihre Schleier zu Kopftüchern verarbeiten und dicke Baumwollstrümpfe und Kunststoffschuhe tragen. Sie sehen unterbezahlt und ärmlich aus, wie ausgebeutete Sklavinnen in staubigem Schwarz. Daß sie in ästhetischer Hinsicht Mißfallen erregen, ist dabei gar nicht so wichtig, wenn man davon absieht, daß wir in einer materialistischen Gesellschaft leben, in der die Menschen nach ihrer äußeren Erscheinung eingeschätzt zu werden. Viel wesentlicher ist, daß diese so unglückliche Aufmachung eine erschreckende Zaghaftigkeit beweist. Es ist eine symbolische Geste, die nirgendwo ankommt.
Daß es auch anders geht, zeigen zum Beispiel die Kleinen Schwestern Jesu oder die monastischen Gemeinschaften von Jerusalem:

die Gründerin der Kleinen Schwestern Jesu,
Kleine Schwester Magdeleine Hutin

die Kleinen Schwestern bei der Arbeit auf dem Teil
des Grundstücks, der ihnen von den Trappisten
von Tre Fontane in Rom überlassen wurde

Vergleichsweise wenig verändert hat sich der unverwechselbare Charakter der Tracht der Karmelitinnen von so (rechts) nach so (links). Statt selbstgewebter grober und ungeachtet des Klimas einheitlich warmer Wolle nimmt man dabei heute für den Habit einen pflegeleichteren Stoff, dessen Beschaffung bei einem norditalienischen Großhändler allerdings auch immer schwieriger wird.

Karmelitinnen im Karmel von Compiègne
Oder, wenn das gottgeweihte, ehelose Leben sowieso eher als etwas der „Welt“ und der heutigen Zeit völlig Konträres, Radikales verstanden wird, warum dann nicht einfach so aussehen wie oben links? – (Ein Foto neueren Datums von den Petites sœurs de la consolation, du Sacré-Coeur et de la Sainte Face, einem Orden mit sichtlich viel jungem Nachwuchs.)

Mr. Postman, look at me…

…is there a letter for the pastor in your bag for me?

Ich muß mittlerweile ziemlich katholisch aussehen – gestern jedenfalls fand ich Post für das katholische Pfarramt St. R. in meinem Briefkasten. Nicht nur bin ich nicht das Pfarramt, auch die Kirche ist eigentlich woanders. (Die Post hat den Empfänger aber noch erreicht, keine Sorge…)

Dienstag, 4. Mai 2010

Ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme

der helle Punkt mit dem Schweif ist der Komet McNaught  im Jahr 2007
Einer meiner liebsten Psalmen ist der gestrige Antwortpsalm:
Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottesvom Werk seiner Hände kündet das Firmament.Ein Tag sagt es dem andern,eine Nacht tut es der andern kund,ohne Worte und ohne Reden,unhörbar bleibt ihre Stimme.Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.

Montag, 3. Mai 2010

Die Stadt auf dem Berge


Nicht, daß ich jetzt anfangen wollte, im Geiste eine Liste positiver oder negativer Reaktionen auf die Kleidung Gottgeweihter zu führen, hier trotzdem ein schönes Erlebnis: beim gestrigen Gang über den Friedhof[1] rief mir eine Frau „Gottes Segen und einen guten Sonntag!“ nach – das hat mich wirklich gefreut und gerührt. Leute, tragt, was euch kenntlich macht in den Augen der Welt – nicht, weil man euch dann im Idealfall einen schönen Sonntag wünscht, sondern weil es zeigt, daß wir (immer noch) vorhanden sind: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. (Mt 5, 14-16)

Wiewohl es bei an bestimmten Orten eine Berechtigung haben mag, keinen Habit oder keine Klerikerkleidung zu tragen, so halte ich dies, auf die Gesamtheit der gottgeweihten Personen bezogen, für einen großen Fehler.

Ich glaube, daß es umso weniger Berufungen sowohl zum Priestertum als auch zum geweihten Lebens gibt, je weniger diejenigen, die ein solches Leben führen, in der Öffentlichkeit erkennbar sind. Wenn diese Zeichen des unmittelbaren, persönlichen Anrufs Christi an den Menschen einfach in der uniformen Masse verschwinden, wie kommt jemand, der vielleicht mit Kirche keinerlei oder wenig Berührungspunkte hat, überhaupt auf die Idee, sich damit auseinanderzusetzen, daß es solche ganz anderen Formen des Lebens gibt? Ein schlichter Habit ist darüber hinaus in seiner Zeitlosigkeit eigentlich unübertroffen. Warum sich zum Beispiel einige klausurierte Karmelitinnen in Amerika in formlose, überdies reichlich kurze Röcke und Blusen hüllen müssen, wird mir wohl auf ewig unbegreiflich bleiben. Wer tritt bei einem solchen, auch in ästhetischer Hinsicht Schauder hervorrufenden Quintett alter Damen wohl ein? Aber ich schweife ab.

Vor Jahren ist mir auf der Transitstrecke durch den Osten nach Berlin ein Mönch eines anderen Ritus begegnet. Ich muß zugeben, daß ich dessen Aufmachung als leicht exotisch empfunden habe – er trug eine kapuzenartige Kopfbedeckung und sein schwarzes Gewand war mit goldenen und silbernen Motiven bestickt, die mich irgendwie an die Christbaumkugeln meiner Eltern erinnerten –, auch hat diese Gewandung mein Interesse geweckt und war Anlaß zu Fragen wie „Wo und wie lebt jemand, der so aussieht?“ – Das Gewand macht nicht den Mönch, aber es macht vielleicht (neue) Mönche.

Zugleich gilt auch, was Lumen de Lumine vor längerer Zeit in einem sehr guten Blogbeitrag über Ordenstrachten von Barbara Nicolosi zitiert hat:
Jene Ordensgemeinschaften, die ihren Habit ablegen, jene, die versuchen, sich an die „moderne Welt anzupassen“, haben keine Berufungen mehr. Orden, die stolz sind auf ihre Geschichte, auf ihre Berufung, auf ihren Habit, und treu sind zum Magisterium, haben hingegen Zulauf. Was auch verständlich ist: ein junger Mensch, der einem Orden beitritt, setzt ein radikales Zeichen. Er oder sie geht nicht ins Kloster, weil man ihm dort sagt, daß er im Grunde eh so weiterleben kann wie bisher, nur ohne Sex. Hier geht es um völlige Hingabe an Christus, an die Mission der Kirche und des jeweiligen Ordens.
Mit oder ohne Schleier und Hauben, Tuniken und Kollare – letztlich ist mir um die Kirche Gottes nicht bange, heißt es doch im Hochgebet: Bis ans Ende der Zeiten versammelst du dir ein Volk, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.
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[1] Zum Thema Friedhof übrigens ein Danke! an Elsa für ihren sehr guten Beitrag Weil wir unsere Toten nicht alleinlassen. Genau! Den Gang über den Friedhof mache ich regelmäßig und spreche dabei Gebete für die Toten, an die vielleicht niemand mehr denkt.

Samstag, 1. Mai 2010

Hl. Josef, der Arbeiter


Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.

Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung: Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt, denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. (1 Kor 2, 4-10)



Der heilige Josef hat ein Leben in der Verborgenheit des Alltags geführt und war doch Gott unendlich wohlgefällig. Obwohl uns kein einziges Wort, von ihm überliefert ist, war er stets Vollbringer des Willens Gottes: er hörte auf seinen Traum, beschützte die Jungfrau Maria auf dem Weg nach zur Volkszählung nach Bethlehem, und dann mit dem neugeborenen Jesuskind auf der Flucht nach Ägypten, um den Schergen des Herodes zu entgehen. Nach dem Tode des Herodes kehrte er auf Gottes Geheiß nach Nazareth zurück und sorgte weiterhin für die heilige Familie, durch seiner Hände Arbeit. Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?, so heißt es im Evangelium über Jesus.

Zu allen Zeiten hat die Kirche bei der Betrachtung des Lebens des heiligen Josefs den Schluß gezogen, daß der Beschützer des irdischen Leibes Jesu im Himmel sicherlich der Beschützer des mystischen Leibes Jesu, der Kirche sein müsse.

Papst Paul VI. nennt ihn den Zeugen einer großen Demut, einen bescheidenen und armen Arbeiter im Dunklen, der nichts Besonderes an sich hat, der selbst im Evangelium keiner Spur seiner Stimme hinterläßt. (Hochfest des hl. Josef, 19. März 1965)

Die große heilige Teresa, deren halberemitischer Orden geprägt ist vom innerlichen Gebet und Handarbeit, wenn möglich, in der Stille der Zelle, hegte eine große Verehrung für den heiligen Josef, dessen Fürsprache sie die Heilung von einer Krankheit des Leibes und der Seele zuschrieb. Mehrfach hatte Teresa Erscheinungen des Heiligen. In jedem Karmelitinnenkloster gibt es eine Statue des hl. Josef (vor diesem Hintergrund muß man wissen, daß der Karmel sonst sehr "kahl" ist: außer dem Kreuz und den Statuen der Gottesmutter und des hl. Josef gibt es eigentlich keine Heiligen- oder sonstigen Bildnisse). Viele Klöster des Ordens sind dem Patronat des heiligen Josef geweiht, so bereits das allererste. Der Orden der unbeschuhten Karmeliten betrachtet den heiligen Josef als Gründer des Ordens, da die heilige Teresa den Karmel mit seiner Hilfe gegründet habe.

Die große Teresa empfiehlt, sich in allen Lebenslagen an den heiligen Josef zu wenden, denn er, dem Jesus zu Lebzeiten anvertraut und gehorsam war, könne sich der Fürsprache seines Ziehvaters im Himmel sicher nicht entziehen.

Wer etwa keinen Lehrmeister zur Unterweisung in der Übung des innerlichen Gebets findet, der wähle sich als solchen diesen glorreichen Heiligen und er wird keinen Irrweg gehen.

und

Ich möchte jedermann zureden, diesen glorreichen Heiligen zu verehren, weil ich aus vieler Erfahrung weiß, wie viele Gnaden er bei Gott erlangt. Niemals habe ich jemand kennengelernt, der eine wahre Andacht zu ihm trug und durch besondere Übungen ihm diente, an dem ich nicht auch einen größeren Fortschritt in der Tugend wahrgenommen hätte; denn er fördert die Seelen, die sich ihm anempfehlen gar sehr. Soviel ich glaube, flehe ich ihn schon seit Jahren, jedes Mal an seinem Festtage um eine besondere Gnade an, und immer sehe ich meine Bitte erfüllt. Ist dieselbe nicht ganz rechter Art, so lenkt er sie zu etwas Besserem für mich. … Die Personen, die sich dem Gebet weihen, sollten ihn stets mit kindlicher Zärtlichkeit lieben. (Vida)

Sankt Josef, Sproß aus Davids Stamm,
gerecht und fromm im Leben!
Nach Gottes Plan ein Engel kam,
Verheißung dir zu geben.
Nimm deine Braut, sie trägt den Sohn,
der herrschen wird auf Davids Thron
und der sein Volk erlöst.

Du nimmst den Ruf im Glauben an,
erfüllst den Dienst mit Schweigen.
An. deiner Hand wächst der heran,
vor dem sich Engel beugen.
Er tritt aus deiner Hut heraus
und bleibt in seines Vaters Haus.
Und du erkanntest ihn.

Wie du Maria und ihr Kind
in deinem Schutz geborgen
wirst du solang wir Pilger sind,
für Christi Kirche sorgen.
Daß sie erstarke und gedeih
und Christus in ihr mächtig sei:
dazu Sankt Josef, hilf!
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