Sonntag, 28. Februar 2010

Man darf über alles predigen…

…aber nicht über dieses Bild:

Max Ernst, Die Jungfrau züchtigt
das Jesuskind vor drei Zeugen (1926)



Vor allem darf man dabei nicht Hintern sagen. Sonst beschwert sich die Gemeinde beim Zelebranten oder ruft womöglich dazwischen. Nein, das war nicht etwa heute zur Perikope der Verklärung, sondern am Fest der Heiligen Familie.

Also na ja – kann mir jemand verraten, was gerade an dem Bild so schlimm sein soll? Ein nettes Detail ist, nein, nicht der Hintern die Kehrseite des Jesuskindes, sondern der heruntergefallene Heiligenschein, der da unten in der Ecke liegt.

Freitag, 26. Februar 2010

The secret dreamworld of a veiloholic


– von Schleiern, Hauben, Engeln und Zeichen
Darum soll die Frau ein Zeichen der Hoheit auf dem Haupte tragen, der Engel wegen. Im übrigen gilt im Herrn weder Frau anders als Mann noch Mann anders als Frau; denn wie die Frau aus dem Mann, so ist auch der Mann durch die Frau, alles aber aus Gott. Urteilt bei euch selbst: Ist es schicklich, daß eine Frau unverhüllt zu Gott betet? Lehrt euch nicht schon die Natur, daß es dem Mann, wenn er langes Haar trägt, nicht zur Ehre gereicht? Trägt aber die Frau langes Haar, gereicht es ihr zur Ehre. Denn das Haar ist ihr als Schleier gegeben. Wenn jedoch jemand glaubt, widersprechen zu müssen – wir haben eine derartige Sitte nicht, und auch nicht die Gemeinden Gottes. (1 Kor 11, 10-15)

Meine erste und bisher einzige Begegnung mit der altkatholischen Kirche fand quasi in meinem Hinterhof statt. Der Balkon meiner Wohnung ging damals auf den Hof und das Gemeindehaus der altkatholischen Kirche hinaus. Dies hatte zum einen zur Folge, daß wir Mieter nach dem Einzug von der Gemeinde gleich einmal prophylaktisch gebeten wurden, uns doch bitte auf dem Balkon immer recht züchtig zu kleiden. Man hatte wohl Sorge um die Gemeindeglieder… Umgekehrt konnte ich das Faszinosum beobachten, daß die Altkatholikinnen zum Gottesdienst immer einen Hut trugen. Dieser konnte groß sein wie ein Wagenrad oder so winzig wie ein Muttermal, egal, Hauptsache, der Form war Genüge getan. Wie ein Damenhut allerdings überhaupt die Entsprechung der vom Apostel gewünschten Macht auf dem Haupt sein soll, ist mir seit damals noch nicht recht klargeworden.

Wenn ich finde, Frauen sollen ihr Haar bedecken oder, von mir aus, sie bräuchten eine Macht über ihrem Haupt – ich will das inhaltlich gar nicht bewerten – dann sollte das Zeichen auch als solches erkennbar sein, und dann trage ich als Katholikin zum Beispiel einen Kommunionschleier und keinen stilisierten Pfannkuchen auf dem Kopf. Wie man mit etwas Glück zu einem schönen Kommunionschleier kommen kann, sieht man sehr schön hier bei Elsa.

Wir wissen letztlich nicht, was der Apostel genau gemeint hat, schließlich spricht er davon, daß der Frau das lange Haar anstelle eines Schleiers gegeben ist. Auch bin ich keine große Schriftgelehrte. Leicht eigenartig bzw. schwer verständlich erscheint mir der Nachsatz (je nach Übertragung) um der Engel willen, mit Rücksicht auf die Engel sogar um der Begehrlichkeit der Engel willen. Ich traue einem Engel einiges zu, nicht aber jedoch, daß er seine Begehrlichkeit angesichts meiner Haare nicht in den Griff kriegen oder Männer und Frauen wegen uneindeutiger Haartrachten von oben nicht unterscheiden kann (wie etwa Max Weremchuk in Ein fast unbemerkter Verlust postuliert). Sehr schön allerdings finde ich seinen Verweis auf den Schleier aller Schleier – das Schweißtuch der Veronika:
Was ist mit Veronika? Als sie Jesus sah, wie er sein Kreuz trug, nahm sie ihre Kopfbedeckung und gab sie ihm, so daß er sein Gesicht damit abwischen konnte. Er gab sie ihr zurück mit einem Abdruck seines Gesichtes darauf. Wäre das heute möglich?
Kurzum: wer als Christin einen Schleier oder ein Häubchen tragen möchte, sollte dies in voller Freiheit tun dürfen, ohne komisch angesehen zu werden. Eine kleine Bildergalerie christlicher Kopfbedeckungen, wie sie bis in unsere Zeit getragen werden:

Diakonissenhaube

Prayer cap der Amischen

eine ähnliche Kopfbedeckung bei den Shaking Quakers

kleine Mädchen bei den Hutterern

Kurzform eines Schleiers, wie er von Mennonitinnen getragen wird, wegen seiner Form auch „Kerchiev" (Tüchlein) genannt




zwei Gebetsschleier

Kommunionschleier in der katholischen Kirche

Donnerstag, 25. Februar 2010

Zölibat – wer es erfassen kann, der erfasse es

Auf den Umstand daß die ach so böse, menschenverachtende und seit neuestem(?) offenbar auch noch frauenfeindliche – man lasse sich das bitte einmal auf der Zunge zergehen – zölibatäre Lebensweise nicht nur von katholischen Priestern gelebt wird, hatte ich schon einmal am Rande hingewiesen, und auch auf einen Umstand, warum die schiere Erwähnung dieses Umstands vermutlich unterlassen wird: Es paßt nicht ins eigene Bild derer, die so munter und unbedarft Mißbrauch und die Wahl der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen vermengen. Aktuell wählt man auch gern mal die Vokabel Zwangszölibat. Guten Morgen! Wie kann man denn zum zölibatären Leben gezwungen werden? Von der Tatsache, daß man Gelübde nicht erzwingen darf bzw. ein irgendwie erzwungenes Gelübde meines Wissens ungültig wäre (weshalb man vor der Ablegung noch einmal rituell die Bereitschaft dessen erfragt, der im Begriff ist, diesen Schritt zu tun) noch völlig abgesehen.

Bei meiner Weihe hat der Kardinal sehr ausführlich über Matthäus 19,12 gepredigt:

Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

Viel besser auf den Punkt gebracht hat das mit der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Zölibats (und auch manches andere) Elsa. Ich zitiere kurz:
Einen solchen flachen Einwurf zum Zölibat kann man natürlich nur bringen, wenn man nicht weiß, dass die Einführung der zölibatären Lebensweise damals die erste Frauenbewegung der ganzen Menschheitsgeschichte in die Gänge brachte. Ich spreche vom antiken Rom und der neuen religiösen zölibatären Bewegung, die das Frühchristentum mit sich brachte und Frauen endlich von der Sklaverei befreite, irgendwelchen feisten Senatorensäcken Knaben gebären zu müssen und ihre Töchter oder behinderten Kinder auf Geheiß ihres Mannes in der Wildnis auszusetzen.

Aber ich brauche gar nicht in die Tiefen der Geschichte abzutauchen, die katholische Kirche hat genügend Frauen vorzuweisen, Frauen übrigens, die weitaus entspannter, selbstbewusster und lockerer sind als diese ganzen Wichtigheimerinnen, die meinen, irgendwelche Postulate vorbringen zu müssen, die der gesamten Frauheit zum Heil gereichen nach ihrem Gutdünken und der Freiheit, die sie für sich veranschlagen, aber anderen nicht zugestehen möchten.
Danke, Elsa!

Mind the Dachlawine, please!


Etwas Situationskomik am Rande – gestern abend fühlte ich mich spontan an eine Episode aus Thomas Mertons Das Zeichen des Jona erinnert, in der er berichtet, wie beim Umbau der Abtei ein Novize in sehr frommer Haltung mit einem Schild „Vorsicht, Steinschlag!“ an der Stelle stand, an der vermutlich die meisten Backsteine heruntergekommen wären.

Auf dem Weg, der um die Kathedrale herumführt, steht ein recht kleines, unauffälliges Schild mit relativ kleiner Schrift. Tritt man neugierigerweise hinzu, um zu sehen, was es hier gäbe, wird man darauf hingewiesen, daß man wegen der Dachlawinen bitte mit Abstand „vorbeilaufen“ (Aha, ein Süddeutscher!) solle. Das Schild steht genau an einer Stelle, an der mit Sicherheit Dachlawinen zu erwarten sind.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Acht Minuten

…so lange hat die Erklärung gedauert, bei der die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann vom Ratsvorsitz und ihrem Amt als Landesbischöfin zurückgetreten ist.

Bisher sah ich keinen Anlaß, über Frau Käßmann etwas zu schreiben, da sie für mich als Katholikin in Glaubensfragen keinerlei Relevanz hatte. Warum sollte ich mich also über sie aufregen? Und warum sich die Frage, ob Frauen in einem Kirchenamt tätig sein können, nun gerade am Ratsvorsitz einer anderen Konfession entzünden sollte, war mir nicht recht klar. In der römisch-katholischen Kirche können Frauen nicht zu Priestern und daher auch nicht zum Bischof geweiht werden. Das ist inhaltlich stringent. Wo Frauen Pfarrerin werden können – warum dann nicht auch Bischöfin oder Ratsvorsitzende? Hier wäre ein Bruch meines Erachtens inkonsequent. – Aber das ist eine andere Geschichte.

Was als Bischof aber überhaupt nicht geht, ist: betrunken am Steuer sitzen und fahren, egal ob über rote oder grüne Ampeln, egal ob Männlein oder Weiblein. Nicht umsonst heißt es schon in der Schrift, daß der Bischof kein Trinker sein, sondern seinem Hause wohl vorstehen soll. Insofern habe ich die zahlreichen Stimmen mit der Bitte um Nachsicht, eine Bischöfin sei schließlich keine Heilige, überhaupt nicht verstanden. Natürlich ist ein Bischof kein Heiliger, er soll aber Vorbild und Hirt seiner Herde sein (Hirtin ihrer Herdin? Ich werd noch wuschig.)

Daß Frau Käßman das auch so sieht und daraus die einzig richtige Konsequenz – Rücktritt als Ratsvorsitzende und als Landesbischöfin – gezogen hat, ist richtig und achtenswert. Der Apostel schreibt auch:

Unser Empfehlungsschreiben seid ihr, es ist eingeschrieben in euer Herz und alle Menschen können es lesen und verstehen (2 Kor. 3, 2)

Guten Abend, Jungfrau…!

…und Gottes Segen! ruft mir ein Gemeindemitglied gern aus der Ferne über den Kirchhof zu. Daß derjenige, obwohl er eine dauerhafte Wahrnehmungsstörung hat, bei meiner Weihe so gut aufgepaßt hat, rührt mich immer wieder. Für diesen Mann starte ich eine Suchmeldung: hat jemand ein gebrauchtes Schott-Meßbuch des ordentlichen Ritus für die Wochentage – es darf auch gern etwas zerfleddert sein – oder weiß eine Bezugsquelle für eine Spende an einen Bedürftigen? Den hiesigen Pfarrer habe ich schon einmal gefragt, befürchte aber, das Anliegen ist dort untergegangen. Amazon ist in diesem Falle leider zu teuer.

Ich weiß, daß derjenige den Schott wirklich schätzen würde und Gewinn aus ihm zöge. Portokosten würde ich natürlich übernehmen.

Dienstag, 23. Februar 2010

Vier Tage war der Frosch krank…

…jetzt quakt er wieder, Gottseidank!

Fastenzeit – der Anfang (Achtung, das wird ein Mehrteiler! ;P)

Die Fastenzeit fing eigentlich sehr gut an: außer einer wunderbaren heiligen Messe in der Akademiekirche mit Inzens bei der Aschenweihe und feierlichem Segen spendete mir der Herr Pfarrer nun schon zum zweiten Mal das schönste und ordentlichste Aschenkreuz weit und breit. Im letzten Jahr ging ich mir damit ein Brot kaufen und aus dem freundlichen Hinweis der echt Berliner Verkäuferin „Sie haben sich da wo schwarz gemacht!“ ergab sich ein nettes Gespräch über die Herkunft des Wortes Aschermittwoch.

Allerdings habe ich den Tag wohl auch genutzt, um mich ausgiebig zu erkälten, weshalb seit Donnerstag zwischen den Gottesdiensten eigentlich nur heftiges Herumfiebern und „Hatschi!“ angesagt war. Eine bereits dräuende Halsentzündung habe ich unter Verweis auf den hl. Blasius abgewimmelt. Soll sie jemand anderen heimsuchen! (Vielleicht den, der sich gestern für den Pro7-Videotext die unvergleichliche Frage Soll Zölibat verboten werden? ausgedacht hat. Also bitte – gehts noch blöder?)

Das „zwischen den Gottesdiensten“ erklärt sich unter anderem daraus, daß ich a) eigentlich nur die heilige Messe versäumen würde, wenn ich im Fieber schon buntkarierte Flecken sähe und b) die Mitfeier einer schönen Liturgie wundersame Heilkräfte besitzen muß. Oft genug geht man krank oder halbkrank hin und kommt beschwerdefrei nach Haus. Das haben übrigens auch schon andere festgestellt. (Daß man während einer Krankheit eigentlich nicht zu fasten braucht, ist mir interessanterweise gar nicht erst in den Sinn gekommen.)

Trotzdem mußte der Besuch eines Vortrags über Bernanos am letzten Donnerstag leider ins Wasser fallen, nicht jedoch die Kreuzwegandacht, die Zulassungsfeier zu den Sakramenten und die Fastenpredigt des Dompropstes am Sonntagabend (immerhin). Bei dem Gottesdienst hat mir eine ältere Frau wegen meines Schleiers übrigens einen derartig giftigen Blick zugeworfen, daß ich mich immer noch frage, was sie mir damit eigentlich sagen wollte. Ob der gute Ratschlag „freundlich lächeln und grüßen“ etwas genutzt hat, werde ich wohl nie erfahren. Nun gut, das muß man aushalten können (als Kollarhemdträger eigentlich auch? Oder muß es dazu die Soutane sein?)

Bewegend fand ich bei der Zulassungsfeier zu den Sakramenten in der Kathedrale am Samstag, zu der auch „unser“ Täufling mit dem Herrn Pfarrer gekommen ist, daß sich einige bei der Handauflegung des Kardinals niedergekniet haben. In diesem Jahr sind es 62 Katechumenen.

Die Kreuzwegandacht am Freitag abend in der Kathedrale wiederum war angenehm traditionell. Früher waren die eigentlich alle so, und das ist ein Grund, warum ich sie schätze. Dann fing man an, herumzuexperimentieren, Motto: die Leute wollen öfter mal was Neues. (Wer behauptet sowas eigentlich immer? Meines Erachtens wollen die Leute das Gewöhnliche, Vertraute, Liebwordene.) Im letzten Jahr hatte einer der Gottesdienstbeauftragten den „phänomenalen“ Einfall, die Andacht mit einer Diaschau zu versehen. Da die von ihm gewählten Texte erheblich lang waren, saß man dabei stocksteif auf den Bänken in der Mitte und ging nicht von Station zu Station. Außerdem wurde der Kreuzweg geteilt: am Freitag 1 betete man die Stationen 1-7, am nächsten Freitag dann 8-14. Was mich am Rande zu der Bemerkung veranlaßte: „Herr Jesus, wir sind gekommen, deinen halben Kreuzweg nachzugehen.“ Seither mag mich derjenige, glaub ich, nicht mehr ganz so gern. Angeblich seien die Leute ganz ergriffen gewesen. Allerdings weiß ich, daß eine sonst sehr sanftmütige Frau wegen der Texte wutschnaubend von dannen zog. Daß jedes ausgelegte Faltblatt das persönliche Placet des Hausherrn braucht, man bei einer Andacht aber ganz offenbar Häresien ohne Ende vortragen kann, ist ein weiteres Kuriosum, das ich wohl nie verstehen werde. BTW: Ich gehöre nicht zu den Menschen, die überall Häretisches und freimauererische Verschwörungen wittern. Allerdings weiß ich wirklich nicht, wie man etwa die Feststellung, Jesus Christus sei „nicht für uns gestorben, sondern seinen eigenen Tod“ noch anders nennen könnte.

Übrigens, der Kreuzweg-Super-GAU: Letztes Jahr in einer ganz anderen Kirche fand ein offensichtlich völlig überforderter Kaplan unter anderem die 13. Station des Kreuzwegs nicht und irrte durch die Kirche. Außerdem konnte der Arme im Halbdunkel die Texte nicht lesen, was ihn zu diversen herzhaften Kommentaren wie etwa „Scheiße!“ veranlaßte. Am Sonntag darauf zog dann der dortige Pfarrer höchstselbst mit Kreuz und kleinen Leuchterträgern voran. Weiter so! :)

Doch das ist, wie gesagt, der Schnee vom vergangenen Jahr. Der wirkliche Schnee verabschiedet sich übrigens grade so allmählich und bringt tonnenweise Streumaterial zum Vorschein. Ich möchte bitte demnächst Schneeglöckchen!

Und obwohl die Fastenzeit gerade erst angefangen hat, haben wir in der Sakristei schonmal kurz ein vorausplanendes Auge auf die zu bindenden Palmbuschen für die Palmweihe geworfen.

Sonntag, 21. Februar 2010

Warum ich in der Kirche bleibe – Hirtenbrief unseres Erzbischofs zur Fastenzeit


Liebe Brüder und Schwestern, die Kirche Gottes und seines Sohnes Jesus Christus ist eine Kirche der Sünder. Das ist nicht die Feststellung eines enttäuschten und verärgerten Christen. Es ist viel mehr eine Glaubenswahrheit, die die Kirche in ihrer zweitausendjährigen Geschichte immer wieder bekannt hat. Sie ist die Gemeinschaft, in die der Herr ruft, und zwar die Sünder ruft, damit sie sich bekehren und geheiligt werden, wohl wissend, daß sie immer wieder sündigen werden. […]

Wer glaubt und sich taufen läßt, empfängt Vergebung der Sünden und ewiges Leben: das ist die Gemeinschaft mit Gott und mit denen, die bereits in dieser Gemeinschaft leben. Beides ist miteinander verbunden: die Gemeinschaft mit dem erlösenden Gott und mit den Erlösten.

Das Neue Testament drückt es in mehreren Bildern aus: Der Jünger Jesu ist wie ein Rebzweig am Weinstock, der Christus ist; aber er ist auch mit den anderen Rebzweigen verbunden. Davon kann er nicht absehen. Oder: der Getaufte wird Glied am Leib, dessen Haupt Christus ist; er hat aber eo ipso Gemeinschaft mit den anderen Gliedern; würde er sich von ihnen trennen oder distanzieren, würde er sich vom Haupt, das heißt von Christus, distanzieren und trennen. Oder: der Getaufte ist wie ein lebendiger Stein am lebendigen Tempel, in dem Gott gegenwärtig ist. Würde er herausgebrochen, würde er im Ganzen fehlen, und zwar am Ort der Gegenwart Gottes.

Alle diese Vergleiche lassen noch offen, daß christliches Leben in verschiedenen Berufungen gelebt werden kann; daß es besser gelingen oder auch mißlingen kann. Sie stimmen überein in dem, was der hl. Kirchenvater Cyprian so formuliert: "Der kann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat"

Der Getaufte kann also nicht sagen: Christus bleibe ich treu, aber von der Kirche löse ich mich, sie hat mich zu sehr enttäuscht. Das ist so unmöglich wie der Gedanke: ich bleibe im Lebensstrom, den ich von den Eltern empfangen habe, aber ich gehöre nicht mehr zur Familie.

Ohne Kirche können wir keine Gemeinschaft mit Christus haben.

Die Abwendung von der Kirche, die aus mancher Enttäuschung erwächst, liegt darin begründet, daß man Kirche gewissermaßen als idealtypische, geradezu überirdisch perfekte Gemeinschaft erleben möchte. Das wird sie nie sein. Jugendliche haben das Problem vor einiger Zeit im Schaukasten ihrer Gemeinde zur Sprache gebracht. Der Betrachter sah nichts weiter als sich selbst: in einem großen Spiegel, versehen mit der Aufschrift: "Sieht so ein Christ aus?"

Alle Wertschätzung kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es die Kirche der Sünder ist, in der Gott sein Werk der Erlösung vollbringt; mehr noch: an die er es gebunden hat. Diese ganz konkrete Kirche, die für manchen zum Ärgernis wurde und wird, soll nach seinem Willen das sichtbare Zeichen seiner bleibenden liebenden und erlösenden Gegenwart durch die Zeiten bleiben. Hier findet Vergebung der Sünden und Versöhnung mit Gott statt. Zugespitzt gesagt: seine heilende Gnade hat er "einem Haufen von Sündern" anvertraut.

Darum bleibe ich in der Kirche. Eben nicht, weil sie eine elitäre Gesellschaft von moralisch hochstehenden Persönlichkeiten ist, sondern dieser "Haufen von Sündern". Und weil auch ich ein Sünder bin, darum ist sie meine Kirche, in der ich bleibe, weil einzig sie mir Hoffnung und Zukunft gibt. Kirche der Sünder für Sünder – um Kirche der Heiligen zu werden.

In der amtlichen Rechtssprache werden die Kirchen zu den Religionsgemeinschaften gezählt. Das schafft für die staatliche Ordnung in vielen Fällen Klarheit.

Für das theologische Verständnis der Kirche reicht der Begriff Religionsgemeinschaft nicht aus. Denn Kirche ist nicht eine Gemeinschaft, die entstanden wäre, weil Menschen mit einer gemeinsamen religiösen ßberzeugung sich aus Zweckmäßigkeitsgründen nach Art eines gemeinnützigen Vereins zusammengeschlossen und eine rechtliche Ordnung gegeben hätten.

Die Kirche ist viel mehr: sie ist "in Christus das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit der ganzen Menschheit" (II. Vat. Konzil).

Sie ist das Wurzelsakrament, aus dem alle anderen Sakramente erwachsen: Zeichen der heilenden und rettenden Nähe Gottes.

Diese Kirche sollte ich verlassen? Weil es in unseren Reihen noch immer so viel Unglaubwürdiges, so viel Schuld gibt? Weil sie immer noch der "Haufen von Sündern" ist, die der Vergebung bedürfen? Diese Kirche verlassen, die Gott um unseres Heiles willen als Gemeinschaft von Sündern bejaht, um aus ihnen mit Gott und Mitmenschen Versöhnte zu machen?

So sehr wir auch Kirche der Sünder sind, so ist die Gnade Gottes auch jetzt schon siegreich. Siegreich in Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, wie es gerade in der Feier der österlichen Geheimnisse aufleuchtet und in seiner Auferstehung zum Hoffnungszeichen wird.

Das Sieghafte an dieser Gnade und dem Erbarmen unseres Gottes ist aber auch schon erkennbar im Leben so vieler Menschen, die wir als heilige Frauen und Männer verehren, die mit uns gewöhnlichen Sündern zur Gemeinschaft dieser Kirche gehören. Das ist verwunderlich und tröstlich zugleich. Ich muß mir nicht für die Zukunft eine ideale Kirche erst erträumen. Ich kann getrost in der realen Kirche bleiben, die eine Kirche von Sündern ist, denn der Herr ist nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder, und Er hat bereits unübersehbar viele geheiligt, die treu geblieben sind. Uns allen zum Trost.

(aus dem Hirtenbrief Kardinal Sterzinskys zur Fastenzeit 2010)
Den Hirtenbrief in voller Länge nachlesen kann man hier

Dienstag, 16. Februar 2010

Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade


Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, daß ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt. Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung. (2 Kor 6, 1-2)

Wißt ihr was: ich liebe die Fastenzeit. Zwar gehen mir das Halleluja und der Weihrauch ab – andererseits, wenn man es zeitweise entbehrt, freut man sich umso mehr, wenn man es wieder hat.

Dafür gibt es andere, wunderbare Dinge in der Liturgie und außerhalb: Das Aschenkreuz und seine Spendung, bei der die Antiphon Bekehre uns gesungen wird (sehr schön und auf Lateinisch verlinkt hier bei Preiset den Herrn). Die Christusrufe zum Evangelium (wenn nicht immerzu Lob sei dir Herr genommen wird – Lob dir Christus, König und Erlöser ist mein persönlicher Favorit. Ein Blick in die liturgischen Bücher bringt zutage, daß es sogar ziemlich viele dieser Christusrufe gibt, der Kantor muß sie nur vorsingen). Die gemeinsamen Kreuzwegandachten freitags und Sonntag abends.

Zum leiblichen Fasten hatte ich mich ja schon hier ausgelassen. Außerdem verzichte ich auf Schokolade und ähnlichen Süßkram, was mir wirklich nicht leichtfällt.

Ebenfalls am Beginn der Fastenzeit steht die Feier der Zulassung zu den Sakramenten für die diesjährigen Täuflinge in der Osternacht. Auch bei uns wird es wieder eine Erwachsenentaufe geben, und ich habe mir vorgenommen, den Täufling besonders im Gebet zu begleiten.

Den Hymnus, der zu den Kapitelsvespern in der Fastenzeit bis zum Palmsonntag genommen wird, liebe ich ebenfalls sehr. Er faßt die Fastenzeit sehr schön zusammen:

O Sonn des Heiles, Jesus Christ,

der unsers Herzens Leuchte ist.
Vertreib in uns die finstre Nacht
und führ herauf den hellen Tag.

Du schenkst uns diese Gnadenzeit
mach unser Herz zur Reu bereit,
daß wir ein Opfer rein und wahr,
in heilger Liebe bringen dar.

Es kommt dein Tag, o Herr, dein Tag,
da alles neu erblühen mag.
Dann führ uns Gott, durch deine Gnad,
daß froh wir gehen deinen Pfad.

Dich gütige Dreifaltigkeit,
dich lobt der ganze Erdkreis weit.
Durch deine Gnade leben wir
und singen Lob und Ehre dir.


Dieses nette T-Shirt habe ich auf einer amerikanischen Website gefunden, das könnten wir uns dann zum Beginn des Osterfastens anziehen:

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Bild: elfenbeinernes Prozessionskreuz in St. Thomas von Aquin.

Sonntag, 14. Februar 2010

Happy Valentine's Day

Der Valentinstag fängt gut an, wenn der hauseigene Kater unbedingt die für den Pfarrer bestimmten Geburtstagsblumen fressen will. (Palmsonntag mit dem frischen Buchsbaum von der Palmweihe ist bei uns immer ein Drama. Der Kater sitzt unterm Kreuz und schreit wie ein Rabe…) Dieser Kater heißt übrigens Valentin, insofern hätte er zu seinem Namenstag Blumen zum Frühstück möglicherweise verdient. Wie bekömmlich Hyazinthen sind, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

Der fast verspeiste Blumenstrauß gibt in der Sakristei Anlaß, die tiefschürfende Frage zu erörtern, ob geweihten Jungfrauen eigentlich die Haltung männlicher Katzen erlaubt sei? Neben der Hostienvorlegeschale steht eine schöne Rose im Glaskrug. Ich verliere ein weiteres Mal in der Liturgie mein Taschentuch. (Noch einmal kostet wahrscheinlich eine Runde Meßwein.) Und die $Aufsichtsperson verteilt nach der Heiligen Messe rote Marzipanherzchen, so daß ich doch zu einem Valentine gekommen bin. :)

Samstag, 13. Februar 2010

Trag den Schleier zum Zeichen deiner Weihe an Gott


In der Antike dienten Vorhänge oder Schleier dazu, das Heilige zu verhüllen. Sie wurden nur zu bestimmten Gelegenheiten entfernt. Das Standbild der ägyptischen Isis trug die Inschrift: Ich bin das All, das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige, mein Gewand hat noch kein Sterblicher gelüftet. Die Statue der Pallas Athene auf dem Parthenon war durch einen Vorhang den Blicken entzogen und durfte nur von den im Tempel diensttuenden Jungfrauen gesehen werden. Nach Homer verehrten die eleusinischen Mysterien Demeter als die "Herrin des glänzenden Schleiers". Der Tabernakel im Tempel hatte vier Vorhänge in verschiedenen Farben. Im 34. Kapitel des Buch Exodus heißt es, daß Mose, als er vom Berg Sinai herunterstieg, sein Gesicht mit einem Schleier verhüllen mußte, da die Leute den Anblick seines erleuchteten Gesichtes nicht ertragen konnten.

Der Schleier im allgemeinen erscheint oft als Symbol des verborgenen Wissens, des Geheimen, der Illusion und Ignoranz. Vielfach ist er auch Zeichen der Keuschheit und Stärke.

Bei einem amerikanischen Autoren habe ich vor kurzem mit Interesse gelesen, daß in der Liturgie Verhüllung immer den heiligsten Objekten gilt – man denke an das Ziboriumvelum. So bedeuten die Bezeichnungen Velamen und Velum auch Schleier, Hülle.

So leitet sich der Schleier der Frau historisch und etymologisch vom Vorhang ab, der das Private vor dem Öffentlichen schützt. Im Hebräischen bedeutet das Wort für Braut (kallatu) wörtlich die Verschleierte.

Die Worte Velum oder Velamen bezeichnen den Schleier, der von Frauen getragen wurde. Im antiken Rom trugen jung verheiratete Frauen einen roten Schleier oder einen Schleier mit roten Streifen, das sogenannte Flammeum.

Besonders schützen sollte sich die Frau im Gottesdienst, um zu vermeiden, daß die Männer lüsterne Blicke auf sie würfen. Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist. (1. Petr 3,3). Tertullian forderte im Jahre 216 in seiner Abhandlung Über die Verschleierung der Jungfrauen (De virginibus velandis) ausdrücklich, daß sich auch christliche Jungfrauen zu verschleiern hätten: Ich bitte dich, Jungfrau, verhülle mit dem Schleier dein Haupt! Ergreife die Waffe der keuschen Zucht, umgib dich mit dem Walle der Schamhaftigkeit … Denn du hast Dich mit Christus vermählt, ihm hast du deinen Leib übergeben. Der Schleier der christlichen Jungfrau ist somit ein Zeichen ihrer Weltabgewandtheit, er steht für die Überwindung der Fleischlichen, denn der Leib der Jungfrau ist ein heiliges Gefäß, das dem Herrn geweiht ist.

Für die christliche Jungfau ist Christus der, dem die Jungfrau gefallen will, um dessen Sache sie sich sorgte (1. Kor 7,34). Der Schleier symbolisiert hier nicht nur die Reinheit der Jungfrau als vielmehr die unwandelbare Treue gegenüber Christus, dem sie den Schleier und damit sich selbst unbefleckt bewahren soll.

Jungfrauen nahmen selbst den Schleier oder empfingen ihn aus der Hand ihrer Eltern. Schleier wurden auch von gottgeweihten Witwen getragen, die ein Versprechen der Beständigkeit ablegten.

Zu diesen Formen der Schleiernahme kam schon früh in der Kirchengeschichte die feierliche Übergabe des Schleiers bei der Heiligen Messe durch den Bischof an hohen Kirchenfesten. Nach einiger Zeit war der Ritus der Spendung der Jungfrauenweihe dem Bischof vorbehalten. während Witwen den Schleier aus der Hand der Priester empfingen.

Diese Jungfrauen und Witwen lebten nicht alle in Klöstern. Frau, die in ein Kloster eintraten, wurde von der Äbtissin ein Profeßschleier übergeben, während die Jungfauen im Alter von 25 Jahren aus der Hand des Bischofs in einem feierlichen Ritus den Schleier als Zeichen ihrer Weihe empfingen.

In Frauenkonventen gab es im Laufe der Zeit verschiedene Schleier, von denen einige später wieder außer Gebrauch kamen: den Schleier der Novizinnen, der im allgemeinen weiß war, der Profeßschleier, der Schleier der geweihten Jungfrau, der Ordinationsschleier, den Nonnen im Alter von 40 Jahren bei der Diakonissenweihe erhielten – dieser Schleier war mit dem Recht verbunden, das Stundengebet anzustimmen und die Lesungen im Chor vorzutragen. Dazu kamen der Schleier der Vorsteherin, den Äbtissinnen im Alter von 60 Jahren erhielten, der Schleier der Witwen und ein Sühneschleier, den Schwestern trugen, die besondere Bußwerke verrichteten.

Die Schwestern der Bettelorden empfingen den Schleier der geweihten Jungfrauen, der bis ins 16. Jahrhundert hinein verliehen wurde, nicht. Im achten und neunten Jahrhundert wurden kirchliche Strafen solchen Äbtissinnen und Priestern angedroht, die sich bischöfliche Befugnisse anmaßten und den Schleier der geweihten Jungfrau selbst feierlich verliehen. Im 12. Jahrhundert führte Abälard ein, daß der Schleier der geweihten Jungfrauen sich von dem der anderen Nonnen durch ein weißes Kreuz unterscheiden sollte. [1]

[1] Dies ist nicht mit dem markanten Schleier der Schwestern des Erlöserordens (Birgittinnen) zu verwechseln: dieser symbolisiert die Dornenkrone Christi.

In einem alten Pontifikale finden sich zur Übergabe des Schleiers bei der Jungfrauenweihe (in meiner Übertragung) die Worte:
Empfange den heiligen Schleier, auf daß man erkenne, daß du die Welt verachtest, und wahrhaft, demütig und mit deinem ganzen Herzen Christus als seine Braut anhangest. Er möge dich vor allem Übel bewahren und dich zum ewigen Leben geleiten.
In anderer, noch älterer Quelle heißt es:
Empfange, o Jungfrau, diesen heiligen Schleier und bewahre ihn unbefleckt, bis du einstmals vor dem Richterstuhle unseres Herrn Jesus Christus erscheinen wirst, vor dem jedes Knie im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sich beugen wird in Ewigkeit.
Im Pontifikale zur Feier der Jungfrauenweihe für Frauen, die in der Welt leben, spricht der Bischof:
Trag den Schleier als Zeichen deiner Weihe an Gott.
Bewahre Christus unverbrüchlich die Treue. Vergiß nie: Um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Im neuen Gewand…


…erscheint seit wenigen Tagen die Website der Katholischen Akademie in Berlin. Sehr schön! :) Neben viel mehr Übersicht und anderer Ausstrahlung findet man auch schöne Bilder aus der Akademiekirche St. Thomas von Aquin. Und auf die Gelegenheit, die eine oder andere Predigt noch einmal in Ruhe nachlesen zu können – obwohl ich finde, man muß den Pfarrer live erleben – freue ich mich schon.

Gedenktag unserer lieben Frau in Lourdes

Lourdes war in Gabrielles Erinnerung ein hell loderndes Feuer. Tausende von Kerzen, inbrünstige, flehende Rufe und Sonnenaufgänge über dem weiten Platz, auf dem in endlos scheinenden Reihen Tragbahren mit Kranken standen, die auf einen Priester warteten, der mit der Monstranz kommen würde, in deren goldenem Kreuz sich die Sonne spiegelte. Nach jeder Segenserteilung ertönte eine neue Stimme, die sich heiser, hysterisch, schreiend oder murmelnd mit dem Luftschwall mischte, der die glitzernde Prozession wie eine Woge begleitete und die sich nicht brach, eher der letzte gekrümmte und verzerrte Körper gesegnet war. O Jesus, Sohn Davids, heile mich."

Und es geschahen Heilungen, wie sie aus Röntgenaufnahmen, vor und nach dem Bad im Wasser der heiligen Bernadette gemacht, erstehen konnte; Veränderungen in den Geweben, ja sogar dann und wann in der Knochenstruktur, ließen sich davon ablesen, als seien sie mit Druckschrift geschrieben.

Auf der Rückfahrt nach Belgien hatte sie ebenso viele Patienten zu betreuen wie auf der Hinfahrt, immer noch sah sie die von Krankheit entstellten Gesichter vor sich, die sie wusch und die immer noch etwas von der Glut zu haben schienen, die auf ihnen geleuchtet hatte, als man die Bahre in die kerzenerleuchtete Grotte am Fuße der Pyrenäen trug. "Welche Glückseligkeit" hatte sie überrascht zu Sr. Guillaume auf ihrer Runde gesagt. "Das ist nur natürlich mein Kind. … dies ist die sichtbare Gnade, welche allen zuteil wird, die im festen Glauben kommen."
(K. Hulme, Geschichte einer Nonne)

Am 11. Februar 1858 sammelten drei Mädchen Feuerholz nahe an dem Bach Gave in Südfrankreich, als eine von ihnen eine schöne junge Frau in einer Felsennische am Berghang stehen sah. Diese junge Frau, die Rosen an den Füßen trug, forderte die junge Bernadette Soubirous in der Folge auf, 15 Tage nacheinander wiederzukommen.

Bernadette kam wieder und wieder zur Grotte zurück, bald begleitet von ihren Freunden und Mitgliedern ihrer Familie. Am neunten Tag der Erscheinungen gab die Dame, die zuvor von Gebet und Buße gesprochen hatte, und sich später als "Die unbefleckte Empfängnis" bezeichnen sollte, Bernadette den Auftrag, aus der Quelle in der Grotte zu trinken und die Kräuter zu essen, die dort wuchsen. In der Grotte war keine Quelle, doch Bernadette grub in einer Ecke, in der in einer schlammigen Pfütze ein wenig Wasser stand, nach Wasser und aß von den Wildpflanzen die in der Grotte wuchsen. Auf die Umstehenden muß ihr Betragen wie das einer Wahnsinnigen gewirkt haben. Binnen kürzester Zeit wurden die wenigen Tropfen Wasser in der Grotte zu einer Quelle.

Viele Menschen suchten die Grotte auf, tranken das Wasser und wuschen sich darin – und es geschahen Heilungen. In der Folge trug "die Dame" Bernadette auf: "Gehen Sie zu den Priestern, man soll eine Kapelle bauen lassen. In Prozessionen möge man kommen". – In Prozessionen kommt man bis heute.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Stöckchen


Als Theresias Stöckchen angeflogen gekommen ist, haben sich gleich die Katzen draufgestürzt… ;P. Die Frage war, mit wem man gern bei etwas Wein die Nacht im Gespräch verbringen würde. (Wein darf es bei mir allerdings nicht allzuviel sein, sonst bin ich nicht mehr groß interaktionsfähig…). – Hier meine Liste (nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge):

1) Papst Johannes XXIII. – den wollte ich immer schon mal kennenlernen.

2) Mother Mary Francis Aschmann PCC – geistige Tiefe, verbunden mit großem Humor.

3) Thomas Merton, um mir von ihm noch mehr aus seinem Leben erzählen zu lassen. Insbesondere würde mich auch interessieren, was der Ordenszensor der Trappisten seinerzeit aus seinen Biographien gestrichen hat.

4) Sämtliche heiligen Theresen des Karmel (ich komme auf mindestens fünf) – über karmelitanisches Leben im Wandel der Zeiten und Mystik.

5) Mutter Rosa Flesch – um zu fragen: Wie hast du das alles aushalten können und bist dabei nicht bitter geworden?

6) Den heiligen Paulus, zur Frage, wie er sich das mit dem Schleier und dem Haar nun eigentlich wirklich gedacht hat.

7) Kardinal Mercier, um aus seiner Abhandlung zur Abtötung,
insbesondere
Wenn Ihr Geruchssinn irgendetwas zu leiden hat infolge gewisser
Gebrechen oder Krankheiten Ihres Nächsten, dann schöpfen Sie daraus – weit davon entfernt, sich jemals darüber zu beklagen – eine heilige Freude!

eingehender erläutert zu bekommen. Ich wüßte gar zu gern, wie man das mit der heiligen Freude anstellen kann. Wir können den opulenten Wein auch durch einen Fingerhut Traubensaft ersetzen.

8) Die verstorbene Äbtissin Asumpta Schenkl aus Helfta, vormals Seligenthal – ich fand sie soo nett.

9) den Herrn Jesus selbst – Surprise! :)

10) Den heiligen Thomas von Aquin, auf daß er mich etwas von seiner Weisheit lehre.

Ich werfe das dann mal weiter an Elsa, Vox und Breviarium Pauli.

Lukas 17,2

„Ich sitze hier im kleinsten Raum meiner Wohnung und habe Ihren Artikel noch vor mir. Gleich werde ich ihn hinter mir haben.“

Wie gern schrübe ich das dieser Tage dem Nachrichtenmagazin DER SPiEGEL. Daß der SPIEGEL in übler Weise gegen alles hetzt, was katholisch ist und katholisch aussieht, ist nichts Neues. Nun druckt man sogar Titelblätter, bei denen ich mich schämen würde, mit der Zeitschrift auf der Straße gesehen zu werden. Wie schlimm muß das erst für die Priester sein, die hier sämtlich unter Generalverdacht gestellt werden?

Zum Thema selbst habe ich mich bisher außer in einem Interview fürs Radio gleich nach dem Bekanntwerden des Briefes Pater Mertes' nicht geäußert (es wurden die üblichen scherenschnittartigen Fragen gestellt, die man erwarten konnte. Zum Thema Zölibat und zur Frage, ob ich Angst habe, daß das Ansehen der Kirche jetzt leide, habe ich, so gut formuliert, daß ich über mich selbst erstaunt war, einiges gesagt – keine Ahnung, ob das je ausgestrahlt worden ist).[1]

Ärgerlich ist das Gerede vom Zwangszölibat, das ja zwangsläufig wieder einmal von denen breitgetreten werden muß, die am allerwenigsten davon verstehen – entweder, weil ein eheloses Leben um des Himmelreiches willen für sie nicht in Frage käme oder weil sie daran gescheitert sind. Hey, das zölibatäre Leben ist freiwillig: niemand wird gezwungen, die Ehelosigkeit zu versprechen oder zu geloben, der es nicht will und nicht weiß, was er da tut. Und jede(r) hat vorher ausreichend Zeit, sich das zu überlegen. Im übrigen sei noch am Rande bemerkt, daß nicht nur Priester zölibatär leben – irgendwie habe ich das Gefühl, das wird neben der Tatsache, daß es sich bei den wenigsten Straftätern um Zölibatäre handelt, ebenfalls gern unter den Tisch fallen gelassen, warum auch immer, vielleicht weil es nicht ins Feindbild des schmallippigen, verschlagenen Priesters paßt, der im Beichtstuhl auf potentielle Opfer lauert.

Man verstehe mich recht, an diesen Vorfällen gibt es nichts zu verharmlosen oder zu verschweigen. Und wenn sich das Augenmerk darauf richtet, dann ist das gut so, man kann schließlich nicht wegschauen. Wenn das Ansehen der Kirche leidet, sei es drum. Pater Mertes hat mit seinem Brief etwas Richtiges und Ehrenwertes getan und wird dabei vom Bistum gestützt. In der auf diesen Brief folgenden Sonntagspredigt verwies der Zelebrant in Bezug auf die, die sich schuldig gemacht haben, auf Lukas 17, 2: Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als daß er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt.

Dienstag, 9. Februar 2010

Montag der 5. Woche im Jahreskreis

Notre Dame in Montreal
Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn. Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn. Damals sagte Salomo: Der Herr hat die Sonne an den Himmel gesetzt; er selbst wollte im Dunkel wohnen. Ich habe ein fürstliches Haus für dich gebaut, eine Wohnstätte für ewige Zeiten. (1. Kön 8, 10-13)

Mir fiel bei der Lesung des ergreifenden Satzes Er selbst wollte im Dunkel wohnen auch das wunderschöne Lied Die Nacht ist vorgedrungen von Jochen Klepper ein:
Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Montag, 8. Februar 2010

Bekehre uns… – die große Fastenzeit

Für die Fastenzeit nehmen sich sicherlich die meisten von uns etwas vor; traditionell bringt man die sogenannten Fastenopfer. Diese kann man durchaus individuell gestalten – manchesmal mit überraschenden Nebenwirkungen: Eines meiner allerersten Fastenopfer war der Verzicht auf Zucker, den ich zu jener Zeit reichlich nahm, in den Kaffee. Als ich Ostersonntagmorgen zum gezuckerten Kaffee zurückkehren wollte, hätte ich ihn fast wieder ausgespuckt – und trank meinen Kaffee fortan schwarz. In einem anderen Jahr verzichtete jemand (nicht ich) aufs Rauchen. Dies geriet meines Erachtens eher zu einer Bußübung für mich.

Die Bußordnungen, die in manchen Jahren auf fotokopierten Blättern in der Vorhalle auftauchen, erscheinen mir in Bezug auf die rein äußerliche Gestaltung der Fastenzeit oft wenig verbindlich. Ist es nicht der Theo in uns allen?

Natürlich ist es richtig, daß es neben dem Verzicht auf rein „Fleischliches“ Verzichte anderer Art gibt und man außer dem schieren Verzicht in anderer Hinsicht auch mehr tun sollte – mehr beten, ggf. öfter zur Heiligen Messe und zu Andachten gehen, öfter beichten, mehr lesen, das uns geistlich weiterbringt, mehr Almosen geben (für die Ärmeren unter uns: das beim eigenen Fasten Ersparte den Armen zuwenden). Man kann sich verstärkt einer Andachtsform wie der Kreuzwegandacht zuwenden, das Leben großer Heiliger lesen, Wüstentage einlegen oder Exerzitien machen. Man kann Krankenbesuche in der Gemeinde machen, auch soll man „sich seinen Verwandten nicht entziehen“ (das kann eine Herausforderung sein).

Eine Buße sollte jedoch schon als eine solche empfunden werden. Die Erkenntnis der eigenen körperlichen Abhängigkeit zum Beispiel von einem Becher Rahmjoghurt zum zweiten Frühstück kann eine schöne Übung der Demut sein. Andererseits ist es ein Werk der Nächstenliebe, sich nicht im Eifer so radikal zu kasteien[2] , daß man seinen Mitmenschen durch die auferlegten Verzichte zur Last wird.

Nichtsdestotrotz beneide ich manchmal die orthodoxe Kirche um ihre deutlichen und ausführlichen Fastenregeln. Ich bin allerdings nicht sicher, ob mich deren schiere Durchschauung nicht anfangs etwas überfordern würde.

Hier ein Blick auf die Fastenordnung der römisch-katholischen Kirche nach dem Kirchenrecht vor 1983.
Das Abstinenzgebot verpflichtet zur Enthaltung von Fleischspeisen und Fleischbrühe. Verboten ist nur der Genuß des Fleisches warmblütiger, auf dem Lande lebender Tiere, nicht des von Fischen. Erlaubt sind Eier, Milchspeisen und Speisewürzen jeder Art, auch mit Tierfett (Canon 1250 [von 1917]).

Das Fastengebot fordert, sich mit einer einmaligen täglichen Sättigung zu begnügen; eine kleine Stärkung des Morgens und des Abends ist gestattet, wobei das örtliche Herkommen hinsichtlich Art und Maß der Speisen zu beachten ist. Es ist nicht verboten, Fisch- und Fleischspeisen bei derselben Mahlzeit zu genießen oder die Hauptmahlzeit am Abend statt zu Mittag zu nehmen (Canon 1251 [von 1917]).

Mit dem Fasten ist nicht notwendig Abstinenz verbunden und umgekehrt.

Bloße Abstinenz ist zu halten an allen Freitagen.

Abstinenz und Fasten sind zu halten am Aschermittwoch, an den Freitagen und Samstagen der Fastenzeit, an den Quatembertagen und an den Vigiltagen von Pfingsten, Allerheiligen, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und Weihnachten.

Bloßes Fasten ist zu halten an allen übrigen Tagen der Fastenzeit.

An den Sonntagen und den gebotenen Festtagen besteht weder ein Abstinenz- noch ein Fastengebot, allein ausgenommen an einem gebotenen Festtag, der auf einen Wochentag der Fastenzeit fällt (Fest des hl. Joseph); in diesem Falle besteht das Fastengebot und, wenn es ein Freitag oder Samstag ist, auch das Abstinenzgebot. (...)

Zur Abstinenz sind alle Gläubigen verpflichtet, die das siebte Lebensjahr vollendet haben. Zum Fasten sind alle verpflichtet, die das 21. Lebensjahr vollendet haben und noch nicht in das 60. Lebensjahr eingetreten sind. (K. Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts, 1958.)
Mir scheint es keine schlechte Idee zu sein, sich wenigstens dies vorzunehmen – freiwillig kann man immer mehr tun, als das schiere Gebot von einem verlangt. Und tut man nicht bereitwillig und frohen Herzes alles für den, den man liebt?

Barmherziger Gott, du hast in Christus den Weg zu dir frei gemacht
und alle Sünden der Welt getilgt. Ich bitte dich:
Reinige mich, daß ich rein werde,
heilige mich, daß ich heil werde,
trage mich zu dir, daß mein Herz Ruhe finde.


____
[1] Die Idee selbst ist durchaus lobenswert. Eine Veröffentlichung an gut sichtbarer Stelle auf der Homepage des Bistums wäre auch keine schlechte Idee.

[2] Hier gälte eher: man muß auch mal auf ein Opfer verzichten können.

Sonntag, 7. Februar 2010

5. Sonntag im Jahreskreis


Die Lesungen des heutigen Sonntags nutzte der Zelebrant, um über Berufungen zu predigen. Er verwies unter anderem darauf, daß die Berufung Gottes nicht an Vollkommene ergeht, sondern an die Sünder, an den Unerwarteten (1. Kor 15,18). –

Im geistlichen Leben versammelt sich keine Gruppe von Olympioniken. Er berief die, die er wollte, heißt es über schon die Berufung der ersten Apostel (Mk 3,13). In diesem so kleinen Kreis gab es einen, der ihn verleugnete, es gab Eifersucht, Trägheit, Kleinmut, Geltungsbedürfnis, Unterschlagung und Verrat. Und doch muß es viel in ihnen gegeben haben, das den Herrn veranlaßte, sie als Jünger anzunehmen: Leidenschaft, Liebe, Hingabe, Treue, Ausdauer. – Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.

Dies könnte Anlaß sein, sich einmal zu fragen: könnte ich nicht auch ein solch "Unerwarteter" sein? Einer, den der Herr sich erwählt hat, obwohl ich selbst nie oder nur zögernd daran gedacht hätte? Und wenn ich schon daran gedacht habe – was hält mich davon ab?

Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz hereinlassen, uns ihm ganz öffnen, könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben? Müssen wir dann nicht auf so vieles verzichten, was das Leben erst so richtig schön macht? Würden wir nicht eingeengt und unfrei? Und wiederum wollte der Papst sagen: Nein. Wer Christus einläßt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist. So möchte ich heute mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens Euch, liebe junge Menschen, sagen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, aprite, spalancate le porte per Cristo – dann findet Ihr das wirkliche Leben. (aus der Predigt des Heiligen Vaters zum Amtsantritt)

Dein Sohn Jesus Christus hat uns berufen, seine Zeugen zu sein –
Ermutige alle Getauften und Gefirmten, ihre Berufung zu erkennen und in Kirche und Welt dafür einzustehen. Stärke in ihnen das Verlangen nach dem Geist des Evangeliums zu leben und seine Sendung fortzusetzen.

Jedem Menschen schenkst du seine persönliche Gabe, damit die Kirche wächst und in Liebe auferbaut wird –
Hilf jungen Menschen, ihr Charisma zu entdecken. Schenke ihnen im priesterlichen und diakonalen Dienst und in den geistlichen Gemeinschaften Leben in Fülle, zu deiner Ehre und zum Zeugnis für die Welt.

Die kluge Jungfrau war bereit: als der Bräutigam kam, fand er sie wachend, und sie trat ein mit ihm zur Feier der Hochzeit. –
Du hast dir die Kirche zur Braut erwählt: heilige die Jungfrauen, die sich dir geweiht haben und rufe weiterhin Menschen in den Stand der Jungfräulichkeit, damit sie dir mit ungeteiltem Herzen nachfolgen.

Dein heiliger Geist erfüllte die Apostel mit Kraft. Sie wurden zu mutigen Boten des Evangeliums –
Gieße deinen Geist aus über uns. Begeistere Menschen für deine Nachfolge und ein Leben in deinem Dienst, damit sie Zeugnis geben vom Geist der Liebe und der Hoffnung.
(Fürbitten zur Gebetsstunde um geistliche Berufe in der St. Hedwigs-Kathedrale)

Dir eile ich entgegen mit brennender Lampe

Eine Fürbitte – wenn ich mich recht erinnere, die einzige ihrer Art im Jahreskreis, die mich naturgemäß mit besonderer Freude erfüllt – enthält das Schott-Meßbuch zum Gedenktag der hl. Agatha am 5. Februar: Heilige die Jungfrauen, die sich dir geweiht haben.

Viele der Jungfrauen, die sich dem Herrn weihen, haben dies im Herzen schon in früher Jugend getan. Bei denen, die eines Tages zum Altar und vor den Bischof treten, um nun Christus und dem Dienst der Kirche geweiht zu werden, ist es sicherlich die Gnade, die die Natur vervollständigt. Die Consecranda antwortet auf den namentlichen Aufruf des Priesters, der sie dem Bischof rituell vorstellt. Dabei hält sie eine brennende Kerze in Händen, das Licht, mit dem sie dem Herrn „entgegeneilt“ (ich glaube, ich bin dem Herrn in Gestalt des Bischofs bei dieser Gelegenheit buchstäblich ein wenig entgegengeeilt).

Zu den Dingen, die eine Berufung und das Leben in ihr mit sich bringt, gehört auch Hartes und Schweres, wie der hl. Benedikt sagt. Ein Phänomen, das bei der Prüfung einer Berufung zum gottgeweihten Leben als Jungfrau „in der Welt“ anscheinend häufiger vorkommt und für sie zur ersten Bewährungsprobe werden kann: man entmutigt Aspirantinnen unterhalb eines gewissen Alters oder weist sehr junge an, doch so etwa im Alter von 35 Jahren wiederzukommen, denn vorher käme eine Weihe ohnehin nicht in Frage[1].

Sponsa Christi, eine geweihte Jungfrau der Erzdiözese New York, berichtet in ihrem sehr guten Beitrag Young vocations, daß es ihr ursprünglich so erging und verweist auf den hl. Paulus, der dem jungen Timotheus einst schrieb: Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit. (1. Tim 4,12)

Meines Wissens ist möglich, in einer Ordensgemeinschaft im Alter von siebzehn Jahren das kanonische Noviziatsjahr zu beginnen. Zur feierlichen Profeß käme man dann, wenn alles gut geht, frühestens vier oder auch fünf Jahre später – je nachdem, ob man nach einem oder zwei Jahren um die Zulassung zur einfachen Profeß bitten kann. In den monastischen Orden, in denen die Jungfrauenweihe bei der feierlichen Profeß gespendet werden kann (oder einige Zeit danach) könnte man also in der Theorie mit ca. einundzwanzig oder zweiundzwanzig Jahren feierliche Gelübde abgelegt haben und als Jungfrau geweiht werden. Eine Jungfrau in der Welt, die ihre Berufung früh erkannt hat, soll dagegen unter Umständen viele Jahre bis zum Beginn der Kandidatur warten.

Nun könnte man einwenden, dies läge daran, daß die einen ihren Weg in einer Gemeinschaft gehen, während die anderen zwar Vereinigungen bilden oder zusammen wohnen können, in aller Regel jedoch allein, manchmal nur ihrem Bischof bekannt, ihre Berufung leben. Allein und „in der Welt“ lebt jedoch auch der Diözesanpriester (den man früher deshalb auch „Weltpriester“ nannte) und ich habe noch nicht erlebt, daß man junge Männer, die sich ihrer Berufung zum Priestertum früh bewußt werden, bittet, sich das Ganze noch einmal zu überlegen, bis sie in die Dreißiger kommen.

In den Artikeln 922-24 des Katechismus', die sich auf die gottgeweihten Jungfrauen beziehen, heißt es:

Seit den Zeiten der Apostel hat der Herr christliche Jungfrauen dazu berufen, sich in einer größeren Freiheit des Herzens, des Leibes und des Geistes ungeteilt an ihn zu binden [vgl. 1. Kor 7,34-36]. Sie haben mit Zustimmung der Kirche den Entschluß gefaßt, "um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12) im Stand der Jungfräulichkeit zu leben
Die Richtlinien für die Spendung der Jungfrauenweihe an Frauen, die in der Welt leben der deutschen Bischofskonferenz von 1986 sehen vor: Eine Bewerberin sollte in der Regel nicht jünger als 30 und nicht älter als 50 Jahre sein. Hiervon kann allerdings, wie schon die Formulierung „in der Regel“ andeutet, dispensiert werden, wenn gute Gründe vorliegen.

Nichtsdestotrotz wäre es sehr wünschenswert, wenn die Altersgrenze offziell nach unten gesenkt werden würde, weil junge Menschen ihr Leben Gott weihen wollen und ihnen nicht damit gedient ist, wenn man ihnen sagt, sie könnten sich das noch einmal überlegen, bis sie 35 sind.

Rumer Godden vergleicht das Leben mit einem Obstgarten: diejenige, die zu einem späteren Zeitpunkt ihres Lebens einer Berufung folgt, gibt die Früchte ihres Gartens hin. Einige sind jedoch angefault, von Tieren angenagt, heruntergefallen oder unter Umständen verschenkt. Diejenige jedoch, die mit zwanzig oder auch fünfundzwanzig kommt, gibt den ganzen Obstgarten, Blüte und Frucht.

Wie bei anderen Berufungen zum geweihten Leben geht der Konsekration eine längere Zeit der Prüfung voraus. So steht sie nicht am Anfang, sondern wird nach einigen Jahren privater Gelübde und schließlich der formalen Kandidatur, zu der der Bischof zulassen muß, gespendet. Der Bischof ist auch derjenige, der die Kandidatin zur Weihe zuläßt und festlegt, auf welche Weise die Jungfrau ihre Verpflichtung zu einem geweihten Leben in der Welt leben soll.

Diese Zeit der Vorbereitung kann und sollte auch selbstverständlich dazu genutzt werden, Klarheit über die Tragweite dessen zu gewinnen, was man mit seinem Leben tun will: sich auf immer an Christus zu binden.

Gewiß, das dem Bischof öffentlich gegebene Versprechen, bis ans Ende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten und dem Herrn und seiner Kirche zu dienen ist ein großes und will ausreichend bedacht sein. Jedoch wüßte ich keinen Grund, weshalb nicht auch ein ganz junger Mensch sich auf diese Weise freudig und mit ganzen Herzen dem Herrn hingeben könnte. Die heiligen Jungfrauen der frühen Kirche, die wir gerade in der winterlichen Jahreszeit feiern, haben uns das vorgelebt: Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia…

Das Weihegebet selbst bringt zum Ausdruck, wohin sich die Jungfrau zu jeder Zeit und in jeder Lage wenden kann:
Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.
____
[1] Die wenig glückliche Art, wie zuweilen mit Anfragen bzw. nicht umgegangen wird, bis Aspirantinnen dann eventuell doch irgendwann an einen möglicherweise zuständigen Ansprechpartner geraten, ist noch eine ganz andere Frage. Hier besteht bei manchen Bistümern erhebliches Verbesserungspotential. Man verstehe mich recht: ich denke nicht, daß man ein Schmetterlingsnetz herausholen und „Hab sie!“ ausrufen sollte.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Hl. Agatha – Jungfrau und Märtyrin


Herr Jesus Christus, guter Meister, ich sage dir Dank.
Du gabst mir Kraft, die Folter zu bestehen. Nun nimm mich auf in deine Herrlichkeit, die niemals enden wird.


Eine jungfräuliche Märtyrin, die ebenfalls im Kanon des ersten Hochgebets namentlich genannt wird, ist die heilige Agatha, deren Gedenktag die Kirche am 5. Februar begeht. Die heilige Agatha erlitt das Martyrium vermutlich um 250 und wird nachweislich seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert verehrt. Bereits 500 wurde ihr in Rom eine Kirche geweiht.

Agatha, die Tochter einer reichen und einflußreichen Familie, gelobte schon früh ein Leben gottgeweihter Jungfräulichkeit und schlug daher die Anträge heiratswilliger Bewerber aus. Einer der Bewerber, der heidnische Statthalter von Sizilien, Quintianus, lieferte sie als christliche Jungfrau im Ärger über die Zurückweisung seines Antrags selbst dem Richter aus. Er erwartete, daß Agatha angesichts Folter und des möglichen Todes ihre Meinung ändern würde.

Sie jedoch betete:
Jesus Christus, Herr über Leben und Tod, du siehst mein Herz, du kennst mein Sehnen. Ich bin dein Lamm. Mache mich würdig, den Teufel zu überwinden.

Quintinian ließ Agatha grausam foltern. In ihrer Qual erschien ihr der heilige Petrus, der zunächst ihre Wunden heilte, später erlag sie ihnen jedoch.

Da ihr bei der Folter der Überlieferung zufolge die Brüste mit Zangen abgerissen wurden, zeigt die Ikonographie Agatha meist mit einer Platte, auf der diese liegen oder auch mit Zangen. Ebenfalls von dieser Überlieferung stammt der Brauch, am Gedenktag der Heiligen Agathabrot oder Agathabrötchen zu segnen. Letzere haben die Form kleiner Brüste.

In der Antiphon zum Benedictus heißt es:
Vor Freude strahlend ging Agatha in den Kerker, als ginge sie zu einem Gastmahl, und betend empfahl sie dem Herrn ihren Kampf.

Etwa ein Jahr nach ihrem Tod brach der Ätna aus, und die Einwohner von Catania zogen mit dem Schleier der Heiligen dem Lavastrom entgegen, der daraufhin zum Stillstand kam. Aus diesem Grunde wird sie auch als Schutzheilige gegen Feuersbrünste angerufen. Der Schleier der heiligen Agatha wird, wie einige andere Reliquien, im Dom von Catania aufbewahrt.

Über die gottgeweihten Jungfrauen sagt die Kirche:
Über die körperliche Jungfräulichkeit hinaus haben sie ein Leben des konstanten Absterbens gegenüber dem eigenen Selbst und der Welt gewählt. Diese wunderbare Liebe ergießt sich in den Dienst der Kirche, den Leib dessen, dem sie vermählt sind. Sie sind fruchtbar, indem sie durch die Einheit mit ihrem Geliebten geistliche Mutter vieler Kinder des Herrn werden. Durch den feierlichen Ritus der Weihe werden sie für den Dienst des Gebets, des Opferns und der stellvertretenden Sühne bestimmt. Die Jungfrauen haben die Verpflichtung, ein Bild dessen zu vermitteln, wie die Kirche wahrhaft sein sollte: heilig, makellos, ausschließlich der Sache Christi geweiht, begeistert, freudig und bereit, alles zu vollbringen, was von ihnen verlangt wird, bis hin zur Hingabe des eigenen Lebens.
In seinem Werk De virginius schreibt der heilige Ambrosius von Mailand, dessen Schwester Marcella eine gottgeweihte Jungfrau war:
Der Gedächtnistag einer Jungfrau ist: laßt uns der Jungfräulichkeit folgen! Der Gedächtnistag einer Märtyrin ist: laßt uns Opfer bringen!

So wäre keine Vermählte ins Brautgemach geeilt, wie die Jungfrau freudigen Schrittes, eilenden Fußes zur Richtstätte voranschritt, nicht mit künstlichem Haarschmuck das Haupt geziert, sondern mit Christus, nicht mit Blumen bekränzt, sondern mit Tugenden. Alles weint, ihr kommt keine Träne ins Auge. So viele wundern sich, daß sie so leicht ihr Leben dahingibt, als hätte sie es schon durchgekostet, nachdem sie kaum noch daran genippt hatte.

Doch seitdem der Herr in dieser Leiblichkeit erschienen ist und die Vermählung der Gottheit und Menschheit ohne die geringste Makel unreiner Vermischung vollzogen hat, wurde auf dem ganzen Erdkreis die himmlische Lebensführung im menschlichen Leibe heimisch. Das ist jenes Geschlecht, das die Engel bei ihrer Dienstleistung auf Erden für die Zukunft deutlich sinnbildeten, das dem Herrn mit der Hingabe eines unbefleckten Leibes seinen Dienst weihen sollte. Das ist jene himmlische Streitschar, welche das Heer der lobsingenden Engel auf Erden in Aussicht stellte.
Allmächtiger Gott,
du hast die heilige Agatha zur Jungfräulichkeit um Christi willen berufen
und ihr die Gnade des Martyriums geschenkt.
Höre auf ihre Fürsprache
und hilf uns, in aller Bedrängnis auszuharren
und dir in Lauterkeit und Treue zu dienen.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Nicht vergessen: den Blasiussegen

Obwohl ich im Falle einer Erkältung zu Halsentzündungen und Anginen neige, habe ich in den letzten Jahren keine Probleme in der Richtung. Ich schreibe dies dem jährlichen Blasiussegen zu. Dieses am Gedenktag des heiligen Blasius von Sebaste gespendete Sakramentale kann übrigens auch von Gläubigen anderer Konfessionen empfangen werden. Seine Wirksamkeit beruht auf dem Glauben des Spenders, der dem Empfangenden den Segen der Kirche zusagt, und dem gläubigen Vertrauen des Empfängers auf die Wirksamkeit.

Der heilige Blasius, ein Märtyrer der frühen Kirche, gehört zu den vierzehn Nothelfern. Der Überlieferung zufolge rettete er einen jungen Mann vor dem Ersticken an einer Gräte. Wer den Segen heute nicht empfangen kann – meist wird er im Anschluß an die Heilige Messe des folgenden Sonntags ebenfalls noch gespendet.
Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
oder
Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil. Er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn.

Sieben neue Mitschwestern


…hat der Ordo Virginum seit dem 8. Dezember in Polen. Die ca. 140 Bilder von der Weihe kann man sich hier ansehen.

In der Abendmesse, die zum Fest der Darstellung des Herrn im Tempel gestern mit sehr vielen Gottesdienstbesuchern in der Kathedrale gefeiert wurde, wies Herr Altweihbischof Weider darauf hin, daß wir alle in Dankbarkeit dessen gedenken sollen, daß wir zu den Völkern gehören, zu denen, wie es im Nunc dimittis heißt, das Licht, das die Heiden erleuchtet, gekommen ist.

Dienstag, 2. Februar 2010

Lichtmeß


Heute in der Frühe durfte ich in der Akademiekirche eine Heilige Messe mit Segnung des Jahresbedarfes an Kerzen – auch die Kerzen für die Spendung des Blasiussegens wurden mitgeweiht – und kleiner Lichterprozession mitfeiern (klein schon deshalb, weil die Kirche nicht sehr groß ist). Nichtsdestoweniger habe ich mich sehr gefreut. Anscheinend handelt es sich bei der Lichterprozession zum Fest der Darstellung des Herrn um ein kaum noch verbreitetes Brauchtum. Jedenfalls liest man das etwa hier. Oder liegt es daran, daß ich zeitlebens in der Diaspora gewohnt habe? Habt ihr zu Lichtmeß eine Lichterprozession? Wenn ja, wo und wie?

Dieses schwindsüchtige Dahinsterben schöner alter Bräuche mangels Pflege bzw. mangels solcher Priester, die bereit sind, sie wieder aufleben zu lassen, halte ich jedenfalls für traurig – gerade in der Schönheit und Würde der Liturgie liegt der Reichtum der katholischen Kirche. Bräsig in der Bank herumsitzen kann man schließlich auch bei den Protestanten.

Jedenfalls ist es schön, daß Priester gibt wie diesen, der in der Predigt auch auf den Tag des geweihten Lebens hingewiesen hat. Man möge mir übrigens nachsehen, daß ich dieses Jahr gleich drei Beiträge ins Netz gestellt habe, die sich inhaltlich auf den Tag des geweihten Lebens beziehen. Das Fest der Darstellung des Herrn durfte ich in diesem Jahr zum ersten Mal im Stand des geweihten Lebens mitfeiern – Anlaß zu besonderer Freude.

Wetterregeln zu Lichtmeß findet man hier. (Denen zufolge siehts dank des trüben und leicht schneestürmigen Wetters gar nicht so schlecht aus). Die Amerikaner haben eigens dafür den Groundhog day:

Du unsres Lebens Süßigkeit… ;)


Kurz vor der Fastenzeit noch eine Mitteilung: Wenn ihr mich demnächst in die Suchtklinik einliefert, liegt es am obigen. Von Weihenstephans Rahmjoghurts bin ich jetzt auf grüner Götterspeise (bitte keinesfalls rote oder so neumodisches Zeugs wie etwa goldene mit Pfirsichgeschmack). Grüne ist ziemlich retro – andererseits war sie wahrscheinlich nie wirklich out … (siehe rechts)

Geweihte Frauen sind Zeichen für eine neue Welt


ZENIT veröffentlicht zum Tag des geweihten Lebens 2010 einen Beitrag von Sr. Fernanda Barbieri vom Generalrat der Schwestern Maestre di Santa Dorotea, den ich hier in voller Länge einstelle:

Rom, 2. Februar 2010
Innerhalb einer Gesellschaft, die sich im Unmittelbaren und Irdischen eingeschlossen hat, ist das geweihte Leben herausgefordert sich für den Ruf des ganz Anderen und dem Anderen zu öffnen und somit auch für die Realität der eschatologischen Werte.

Dies bedeutet, die Sehnsucht für die Heimat der Zukunft zu kultivieren, während wir uns für die irdische Heimstadt engagieren. Wir als geweihte Christen sind Zeichen der Transzendenz, einer Fülle, die weit über die Grenzen von Raum und Zeit hinausreichen. Zeichen einer neuen Welt von Beziehungen, einer neue Welt von Sinnbezügen, die hier beginnt und deren Vollendung wir in der Ewigkeit finden. Es gibt einen "eschatologischen Vorbehalt", den wir als letzten Sinn unseres menschlichen Lebens und der Geschichte der Welt bezeichnen.

Um Jesus herum scharten sich die Zwölf und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren. Diese Frauen haben die befreiende Kraft und die Wahrhaftigkeit der Botschaft Jesu erlebt, und die Angst angesichts der Verurteilung und Bedrohungen des Propheten aus Nazareth durchgestanden. Sie hatten die Kühnheit, sich für das Evangelium zu entscheiden, und dies als Frauen.

Angefangen mit Maria von Nazareth, die herausragende Frau schlechthin, aber auch die "Jüngerin des Sohnes" par excellence. Das Profil dieser Frauen ist so grundsätzlich marianisch, das es für die Kirche mit ihrem apostolischen-petrinischen Profil schlichtweg fundamental ist.

Alle Überlegungen über Frauen, über die Rolle der Frauen in der Kirche kann nicht umhin, von einer ernsthaften und umfassenden Mariologie auszugehen.

Dadurch wird der Traum von einem Ordensleben genährt, das Vorreiter und Beispiel für wechselseitige Beziehungen, "Mutuae relationes" innerhalb der Kirche ist. Ausgehend von dieser Wirklichkeit, deren Teil wir sind, sind wir aufgerufen, die Praxis der Spiritualität der Gemeinschaft zu pflegen, und den Dialog und die Zusammenarbeit mit Pfarrern, Priestern und Laien zu fördern.

Normalerweise, wenn man an die Rolle der Frauen in der Kirche denkt, kommt man sofort zum Thema Frauenpriestertum, aber darum geht es hier nicht. Das ist fast ein unbedeutendes Detail angesichts einer viel größeren Mission, die sich den Frauen eröffnet. Die Rolle der Frau ist im Grunde die Rolle Mariens in der Kirche und in der Gesellschaft. Ohne einen weiten Rückgriff auf die Geschichte zu machen, sind geweihte Frauen heute, in einem Kontext der Säkularisierung nach wie vor eine Vorhut des Zeugnisses. Sie machen die emanzipatorische Kraft der Nachfolge Jesu sichtbar, sie strahlen eine Schönheit aus, die ihr Selbstverständnis in seinem Lichte und seinem Evangelium findet.

Heute liegt das Panorama des weiblichen geweihten Lebens für alle offen dar. Eine Wirklichkeit, die sich in einem Zeitraum von zehn Jahren stark verändert hat. Es überwiegen die Farben von Asien und Afrika vor den europäischen und amerikanischen.

Diese so unterschiedlichen sozio-kulturellen Herkunftsländer führen auch zu einer eigenen sozio-religiösen Verortung. Dies schafft neue Dringlichkeiten, nicht nur nach Bildung und bietet neue Chancen für ein neues Verständnis der charismatischen und evangeliumsgemäßen Erfahrung. All dies schenkt nicht nur Frauen, sondern der ganzen Kirche, ein neues Profil und neue Herausforderungen. Die theologische Reflexion über das geweihte Leben wurde bis zum II. Vatikanischen Konzil weitgehend im Westen mit all jene Kategorien, Akzenten und praktischen Übertragungen entwickelt, die damit im Zusammenhang stehen.

So muss jetzt als Schlüssel zur Wirklichkeit, spirituelle Weisheit als ein Wandlungsvorgang, als Energie verstanden werden, nicht als etwas in sich Abgeschlossenes; als eine Form von Lebendigkeit, die sich sozial umsetzt.

Es ist eine Weisheit aus der Erfahrung, "aus der Selbsterkenntnis", wie es Katharina von Siena nannte, im konkreten Lebensvorgang von Frauen und Männern, die das Leben neu interpretieren lernen. Was bleibt, was sich nicht verändert hat, ist die Herausforderung der Transparenz der radikalen evangelischen Treue zum Evangelium, die durch das Zeugnis lesbar wird. Es ist eine Existenzweise, in der die Schönheit der Nachfolge des Herrn Jesus ausstrahlt.

Das wird den Menschen nicht nur die eigene weibliche Begabung zu Verfügung gestellt, sondern auch die verschiedenen Gaben, die wir von Gott als Geschenk erhalten: die Gnade der Kontemplation, der Evangelisation, der Dienst an den Armen, das Mitgefühl und auch Bildung und Erziehung.

Wir denken an die heiligen Frauen, deren geweihtes Leben vom Dienst inspiriert war: Klara von Assisi, Katharina von Siena, Birgitta von Schweden, Teresa von Avila, Mary Ward, Angela von Merici, Giovanna Antida Thouret, Maria Domenica Mazzarello, und um die neuesten zu nennen: Luigia Tincani, Teresa von Kalkutta und viele andere.

Ganz zu schweigen von anderen großen Frauen wie Angela von Foligno, die ihre Erfahrungen als "Schrei der Seele schreien und des Körpers“ bezeichnete oder an anderer Stelle erklärt hat, „den Gekreuzigten mit Augen ihres Leibes" gesehen zu haben.[ In der „Vita“ der sel. Angela von Foligno kommt eine Episode vor, in der sie sich bewusst wird, dass Gott nicht ihr Ein und Alles im Leben war. In jenem Moment verspürte sie eine Stimme, die zu ihr sagte: „Angela, was willst du?“ Sie aber brach mit all der Kraft ihrer Seele in einen Schrei und rief: „Ich will Gott!“

Diese heiligen Frauen lehren uns, nicht nur im Dienst unser Charisma wertzuschätzen, sondern auch die Menschen, denen wir die Ehre zu dienen. Von den Armen und Bedürftigen können wird immer lernen.
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