Montag, 30. November 2009

Macht hoch die Tür…

Den absolut wunderbarsten Adventskalender in meinem Leben habe ich genau zur ersten Vesper des ersten Adventssonntags geschenkt bekommen. Er hat Türchen bis zum Fest der Erscheinung des Herrn und zusätzlich auch eigene Türchen für die Adventssonntage, so daß ich gestern schon das erste Türchen öffnen konnte – drin war der Einzug des Herrn in Jerusalem.

Nochmals vielen Dank an die Geberin! :)

Samstag, 28. November 2009

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres


Bildner der Schöpfung,
der du die Zeiten der Jahre und der Welt
in der dir eigenen Vollkommenheit festgesetzt hast,
segne den Zeitenkranz in Deiner Güte!
Bewahre dein Volk und dein Land
auf die Fürbitten der Gottesgebärerin
und errette uns.
(Gebet der orthodoxe Kirche zum Beginn des neuen Kirchenjahres)

Dienstag, 24. November 2009

Nun danket alle Gott


Gabrielle ließ ihre Vergangenheit im Geiste an sich vorüberziehen. Sie dachte an ihre Kindheit, an die Köchin Françoise, die nie Brot angeschnitten hatte, ohne zuerst mit dem Messer über den großen runden Laib das Kreuzzeichen zu machen. Das Kind, das diesen Ritus des Brotschneides mit anschaute, pflegte jeden Tag mit der Köchin in die Frühmesse zu gehen, nicht, weil es etwas von der Bedeutung der Messe verstand, sondern, weil es alles so wunderbar und geheimnisvoll fand: die Kerzen, den Gesang vor Sonnenaufgang und den Anblick so vieler Erwachsener, die kein Frühstick zu sich nahmen, ehe nicht eine kleine weiße Oblate auf hre Zunge gelegt worden war. … Welch altmodische, fromme Kindheit, dachte sie. Gott schien zur Familie zu gehören. und das ist es auch vor allem. weshalb ich hier bin. Ich lernte, Ihn zu lieben, als ich noch ganz klein war. (Kathryn Hulme, Geschichte einer Nonne)
„Ich bin nichts, und meine Kinder sind auch nichts!“ – Dieser Einwurf einer hinzukommenden Kollegin fiel anläßlich eines kurzen Austauschs in der Teeküche mit einer anderen Kollegin (Muslima, in Tunesien an einer katholischen Schule erzogen) über Buß- und Bettag, die Haddsch und ähnliches.

Die Einwerferin selbst ist anscheinend evangelisch (so ganz sicher war sie sich dabei aber auch schon nicht). Ihre Kinder hat sie nicht taufen lassen (das alte Lied – später könnten sie sich ja immer noch dafür entscheiden). Ich mußte an Boys' Town denken (Mickey Rooney kommt an eine katholische Schule, die von Pater Flanaghan alias Spencer Tracy geleitet wird. Auf die Einführung beim Tischgebet, an der Schule wären auch Protestanten und Juden und jeder könne auf seine Weise zu Gott beten, verkündet er: „Ich bin gar nichts!“) und war versucht, wie Rooneys Gegenüber im Film zu erwidern: „Du kannst ruhig weiter nichts sein, das macht uns nichts aus“, wurde aber dann doch etwas traurig:

Eine solch altmodische, fromme Kindheit hatte ich auch. In unserer pietistischen Gegend mit Kinderkirche, Sonntagsschule und später wöchentlicher Christenlehre. Erntedank, Adventssternbasteln im Pfarrhaus, Krippenspiele. Zur Konfirmation war es Brauch, daß die Konfirmanden die Tannengirlanden und die roten und weißen Papierrosen für die Kirche selbst banden (die Jungen waren fürs Birkenschlagen und -aufstellen zuständig) und die Kirche festlich schmückten. Im Handarbeitsunterricht sangen die Mädchen fromme Lieder, in den Unterrichtspausen trafen sich die, die wollten, zum Schülergebetskreis. Eingeschult wurde ich auf einer Zwergschule. Der Dorfschullehrer pflegte vor jeder Stunde beten zu lassen, am Beginn eines Unterrichtstages sangen wir Jesu, geh voran.

Starb einer, kam das ganze Dorf zur Aufbahrung, zur Totenwache und zum Begräbnis. Eine meiner prägendsten Kindheitserinnerungen ist, als es einmal nachts auf einem Gehöft brannte. In solchen Fällen kamen wiederum die Dörfler zum Brandort und halfen, die Tiere aus dem Stall zu führen, Mobiliar und Hausrat ins Freie zu tragen, um sie vor dem Brand zu retten. Wie durch ein Wunder drehte sich bei diesem Feuer der Wind, weshalb das Haupthaus nicht von den Flammen erfaßt wurde. Angesichts dessen sang die Dorfgemeinschaft „Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen!"

Jedenfalls war dies – neben dem Gebet für eine Erziehung der Kinder im christlichen Glauben – ein weiteres Mal Anlaß dafür, Gott für die vielen Gnaden zu danken, die er mir im Leben erwiesen hat. Oft denke ich daran, wenn die Gemeinde das Lobet den Herren singt oder der Priester den ersten Satz der Präfation spricht:

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.

Montag, 23. November 2009

O Herz des Königs aller Welt


O Herz des Königs aller Welt, des Herrschers in dem Himmelszelt, dich grüßt mein Herz in Freuden. Du Träger aller Bürd und Last, du aller Müden Ruh und Rast, du Trost in allen Leiden!

Ach, wie bezwang und drang dich doch dein edle Lieb, ins bittre Joch der Schmerzen dich zu geben, da du dich neigtest in den Tod, zu retten aus der Todesnot mich und mein armes Leben.

Laß deine Flamm und starke Glut durch all mein Herze, Geist und Mut mit allen Kräften dringen. Laß deine Lieb und Freundlichkeit zur Gegenlieb und Dankbarkeit mich armen Sünder bringen.

Christkönig war dieses Jahr wirklich ein wunderschönes Fest. Am Samstag vormittag bereits feierte der Alte Domfriedhof in der Liesenstraße einen Festgottesdienst anläßlich seines 175-jährigen Bestehens.

Am Festtag Christkönig hatten wir dann ein wunderschönes Hochamt, bei dem der Zelebrant uns durch den Gesang des Antwortspsalms und seine Predigt gleichermaßen erfreut und innerlich (auf)erbaut hat. In der Predigt* sprach er unter anderem über die Poesie der Präfation, bei der man manchmal auch ein wenig traurig wird, weil man sie erst in einem Jahr wieder hören wird. Ja, das stimmt und geht mir gelegentlich auch so, wenn ich da knie und die Worte des Hochgebets "in meinem Herzen bewege". Singt der Priester Präfation und Hochgebet – und dann auch noch schön – freue ich mich aber vor allem, daß ich sie überhaupt hören darf.
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken. Du hast deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, mit dem Öl der Freude gesalbt zum ewigen Priester und zum König der ganzen Schöpfung. Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen. Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.
Bei der Spendung des Friedensgrußes gingen die Ministranten mit gutem Beispiel in Form einer Verneigung voran. So könnte es meinethalben bleiben… ;) Als sinnliche Freuden am Rande gab es Weihrauch und vor allem Weihwasser. Jubilate! (Das Wort des gestrigen Tages übrigens: Pfefferkuchenwahn…)

Abends bin ich dann noch durch Zufall – ich wollte eigentlich zur Vesper der Karmelitinnen – in die Nacht der Lichter geraten. Die Oberkirche von Regina Martyrum war sehr gut gefüllt mit Betern. Ein schöner Abschluß des Festes. So rundet sich ein Fest, so rundet sich auch ein Kirchenjahr.

Christus gestern, heute und in Ewigkeit.

Samstag, 21. November 2009

Christkönig


Des Königs Fahne schwebt empor,
im Glanze geht das Kreuz hervor,
daran der Herr des Lebens starb,
als er das Leben uns erwarb.

Es öffnet durch den Lanzenstich
die Seite des Erlösers sich,
und uns zu waschen rann ein Quell
von Blut und Wasser klar und hell.

Da ward erfüllet der Gesang,
der einst von Davids Lippen klang:
Vom Holz herab als seinem Thron
regiert Gott alle Nation.
(Hymnus Vexilla regis des Venantius Fortunatus in der Übertragung des GL Nr. 820)

Wäre das Kreuz nicht, dann wäre Christus nicht gekreuzigt. Gäbe es das Kreuz nicht, dann wäre das Leben nicht ans Kreuz geheftet worden. Wäre das Leben nicht ans Kreuz geheftet worden, dann hätten die Quellen der Unsterblichkeit nicht aus der Seite des Gekreuzigten Blut und Wasser fließen lassen, durch welche die Welt gereinigt wird. Der Schuldschein der Sünde wäre nicht zerrissen worden, wir hätten die Freiheit nicht erhalten, wir hätten nicht vom Baum des Lebens gekostet, und das Paradies wäre nicht geöffnet worden. Wenn das Kreuz nicht wäre, wäre der Tod nicht besiegt und das Reich des Todes nicht seiner Macht beraubt worden.

Darum ist das Kreuz groß und kostbar. Groß ist es, weil es so viel Gutes geschaffen hat, um so mehr deswegen, weil die Wunder und Leiden Christi im Vollsinn der Ruhm des Kreuzes sind. Kostbar ist das Kreuz, weil es das Denkmal der Leiden Gottes ist, des freiwilligen Todesleidens, das Christus an ihm erlitt. Denkmal des Sieges, weil an ihm der Teufel verwundet und mit ihm der Tod besiegt wurde. Zerschmettert wurden die Riegel der Unterwelt und das Kreuz aufgerichtet zum Heil der ganzen Welt." (Andreas von Kreta)

Donnerstag, 19. November 2009

Tragt Schleier und Ring als Zeichen

Im Gespräch mit Mitschwestern ist eine Variation des uralten Themas „Was zieh ich an?" naturgemäß manchmal ein Gespräch über den Schleier. Da geweihte Jungfrauen in sehr unterschiedlichen Umständen und Umfeldern, in katholischen Ländern wie in nicht-christlichen leben, ist auch die äußere Gestaltung dieser Lebensform höchst individuell und darf es explizit auch sein. Eigene Beobachtungen und Gespräche im vergangenen Jahr haben gezeigt, daß dies auch für den Schleier, sein Aussehen bzw. das Tragen desselben gilt.

Es gibt Virgines, die auf die Überreichung des Schleiers bei der Weihe verzichtet haben, solche, die ihn zu bestimmten Anlässen tragen und solche, die ihn – zuweilen auch zusammen mit der aus altkirchlichen Zeiten überlieferten „ärmlichen Tunika" – anscheinend immer aufhaben. Wie sich das Tragen bei bestimmten Anlässen gestaltet, ist offenbar auch wieder unterschiedlich: in einigen Ländern haben Jungfrauen beim Gottesdienst eigene Plätze und sind an Schleier und weißem Mantel äußerlich kenntlich. Andere Jungfrauen wiederum tragen ihren Schleier beim Stundengebet, wenn sie es allein vollziehen, wieder andere tragen ihn auch zum Gottesdienst und bei „frommen Übungen" wie etwa zu Prozessionen.

Etwas erstaunt hat mich dazu eine Äußerung in den letzten Tagen, derzufolge diejenige den Schleier quasi als eine Art liturgisches Kleidungsstück sieht und demzufolge auch nur für die Dauer der Liturgie tragen würde. Daraus ergab sich die Erwägung so staatstragender Fragen wie „Muß der Schleier zwingend weiß sein oder ginge auch ein schwarzer?*" und „Kann man im Schleier U-Bahn fahren"? Meine Antwort: warum eigentlich nicht? Nicht nur die Vorstellung, mir in der Vorhalle der Kirche ggf. noch schnell das Haar so aufzustecken, daß es auch wirklich oben bleibt – gar nicht so einfach – und den Schleier aufzusetzen, widerstrebt mir, sondern auch die geäußerte Meinung, der Schleier wäre quasi mit Talar und Chorhemd zu vergleichen. Stimmt, in Talar und Chorhemd würde ich nicht U-Bahn fahren (allerdings ziehe ich sie auch nicht in der Vorhalle an). Daß wir einmal in dieser Kluft im Parkhaus herumgerannt sind, ist eine andere Geschichte und von Zelatus schon erzählt worden).

* meines unmaßgeblichen Erachtens: nein. Ich räume aber gern ein, daß es sich hierbei um eine reine Antwort aus dem Bauch handelt, der bisher eine wirklich stichhaltige Begründung fehlt. Wohl ist der Schleier bräutliches Zeichen, allerdings ist das auch der schwarze einer Ordensschwester mit ewiger Profeß. Ideas, anyone?


Historisch stammt der Schleier aus altrömischer Zeit und symbolisierte die endgültige Bindung einer Frau durch Ehe oder Gelübde, ein Zeichen, daß sie ihrem Mann oder Bräutigam treu und keusch angehörte. Die Schleierübergabe der Alten Kirche hing mit der Öffentlichkeit des Gelübdes und der Aufnahme in einen Stand zusammen, der für die Virgo eine Eheschließung verhinderte. Dem Pontificale Romano-Germanicum zufolge wurde der Schleier auch als Symbol für den Schutz Gottes gesehen.

Aus ungeklärten Gründen ist es im 1970 wiederhergestellten Ritus möglich, auf die Überreichung des Schleiers bei der Weihe zu verzichten. Marianne Schlosser bemerkt hierzu in ihrem Exkurs zum Zeichen des Schleiers:
Die Überreichung des Schleiers – und noch mehr das Tragen desselben – könnte verschiedene Fragen aufwerfen. Ist dieses Zeichen für den heutigen Menschen noch sinngefüllt, oder gibt es eher zu Mißverständnissen Anlass? Ist es sinnvoll, ein Zeichen zu übergeben, das im späteren Leben evtl. gar nicht verwendet bzw. getragen wird? Wie steht es mit der späteren Verwendung überhaupt? Wie sollte so ein Schleier aussehen, damit er auch zu einem zivilen Kleid getragen werden kann und nicht sonderbar wirkt? Man muss hier m. E. grundsätzliche Bedenken von praktischen Fragen unterscheiden.
Festzuhalten ist zunächst, daß die liturgische Ordnung die Überreichung des Schleiers primo loco vorsieht (OCV n.25) und auch von den meisten Autoren ohne jedes Bedenken diese Überreichung vorausgesetzt wird. Jedoch folgt in den Rubriken eine Alternative (n.26): „Wenn kein Schleier übergeben wird...", spricht der Bischof sofort die Formel für den Ring. Eine Begründung für das Unterlassen erfolgt in den Rubriken hier nicht. Es wird nicht auf die lokale Gewohnheit verwiesen, wie bei der Festlegung des Ortes für die Feier, dem Brauch der Prostration oder der Geste der Handlegung.

Jedenfalls kann man mit Fug und Recht darüber zumindest erstaunt sein, daß das älteste Zeichen, welches dem Ritus lange Zeit den Namen gab: „velatio virginum", ohne nähere Begründung der Beliebigkeit anheimgestellt wird.
Besonders deutlich erscheint der Zusammenhang zwischen der Bindung an Christus und an die Kirche in der Übergabe von Ring und Schleier. Der Ring ist unmittelbar verständliches Zeichen für die Bindung an Christus unter dem Gesichtspunkt der desponsatio, der Schleier für die Bindung an ihn und an die Kirche unter der Hinsicht des „servitium", Zeichen, daß die „Braut" immer auch „Magd“ ist. Das dazu gesprochene Deutewort enthält, wie A. Nocent es ausdrückt, die Theologie des ganzen Ritus in nuce: „Empfangt, liebe Töchter, Schleier und Ring, die Zeichen Eurer Weihe an Gott. Bewahrt Eurem Bräutigam unverbrüchlich die Treue und vergeßt nicht, daß ihr in Dienst genommen seid für Christus und seinen Leib, welcher die Kirche ist" (übers. nach OCV 25). Das gilt auch für die Alternativ-Formel, in der Ring und Schleier getrennt übergeben werden: „Empfange den Ring der heiligen Vermählung mit Christus, bewahre deinem Bräutigam die Treue unversehrt, damit du zur Hochzeit in der ewigen Freude gelangst" (nach OCV 152). „Empfange den Schleier, denn man soll erkennen, daß du zum Dienst Christi bestimmt bist und zum Dienst an seinem Leib, der die Kirche ist" (nach OCV 151).

Seitdem der Ring die Funktion des Treuezeichens übernimmt; ist die „Velatio" Sinnbild des Gott-geweiht-Seins (consecrata, dicata) - ähnlich wie der Habit einer Ordensfrau „signum consecrationis" ist (PC 17, c. 669 § 1) - und zwar, wie sich aus dem Deutewort ergibt, unter der Hinsicht des In-Dienst-genommen-Seins.

Und darum geht es eigentlich bzw. daher kommt das Widerstreben: der Schleier ist kein liturgisches Kleidungsstück und auch nicht damit verwandt. In der Tat ist der Schleier, zu dem in manchen Zeiten bei der Feier der Weihe auch noch die Krone kam – eine Insigne, ein Standeszeichen dessen, was wir sind und wofür wir leben: wir sind in Dienst genommen von Christus und der Kirche.

Neben allem anderen käme ich mir, offen gestanden, auch komisch vor, bei derart vielen (fast ausschließlich nicht-christlichen) Schleiern um mich rum, den meinen in der Vorhalle aus dem Rucksack zu ziehen und direkt nach dem Gottesdienst wieder darin verschwinden zu lassen.

M. Schlosser merkt an anderer Stelle an:
Keineswegs muß also die Schleierübergabe an sich und notwendig die Assoziation der Zugehörigkeit zu einem Orden hervorrufen. Freilich ist nicht mehr im Bewußtsein, daß die Ordensfrauen den Schleier von den Virgines der Alten Kirche übernommen haben – und daher die heute lebenden Virgines keineswegs ein Zeichen des Ordenslebens für sich reklamieren. So kann es eine gewisse Zeit dauern, bis gewohnte Gedankenbahnen Ungewohntes einlassen: Der Schleier für eine Frau, die keine Ordensfrau ist, aber so lebt, die nicht in einen Orden als Gemeinschaft eintritt, wohl aber in einen „Ordo" der Kirche, manifestiert das noch Ungewohnte eines solchen Lebens, das erst ins Verständnis Eingang finden muß.
So „brautig" wie in dem obigen Bild sieht mein Schleier übrigens nicht aus, aber wie auch immer, falls man nicht das Leben in der Verborgenheit gewählt hat – warum sollte man nicht zum Ausdruck bringen, was einen im wesentlichen und Innersten ausmacht? Der Geliebte ist mein und ich bin sein. (Hohelied 2,16)

Montag, 16. November 2009

Licht im Dunkel – ich mag den November

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren. In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden. In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.

Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.

Beim Endgericht werden sie aufleuchten wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen. Sie werden Völker richten und über Nationen herrschen, und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.

Alle, die auf ihn vertrauen, werden die Wahrheit erkennen, und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. Denn Gnade und Erbarmen wird seinen Erwählten zuteil. (Weisheit 3,1-9)
Zur Zeit höre ich immer wieder, der November sei „ein furchtbarer Monat“. Ich finde das eigentlich nicht.

Die Feste im November sind so voller Licht im Dunkel: Allerheiligen, der heilige Martin mit seinen Laternenzügen, der Gedenktag des seligen Bernhard Lichtenberg, Kirchweih der Kathedrale (die eigentlich zu Allerheiligen gehört), die Märtyrer des Bistums, das eng mit Kreuzerhöhung verbundene Hochfest Christkönig – und auch Allerseelen, denn letztlich hoffen die armen Seelen im Purgatorium auf den Himmel. Schließlich mündet der November in die Vigil des ersten Adventssonntags mit der Segnung des Adventskranzes und einem Luzernar.

Beim abendlichen Spaziergang gestern – bei dem ich, einer Anregung Davids folgend, den Rosenkranz gebetet habe – sind mir in der einbrechenden Dunkelheit die wirklich sehr vereinzelten Grablichter besonders aufgefallen und haben mich auf die Idee gebracht, dort nächstes Jahr selbst einige Lichter hinzustellen.

Donnerstag, 12. November 2009

And now something completely different

aus der Reihe Mysterien des Lebens – the indefinitely expansible handbag [1]

Eines der unerklärlicheren Phänomene ist, daß (meine) Handtaschen bzw. Rucksäcke im Laufe ihres unnatürlichen Lebens immer schwerer werden. Da ich keine Lust habe, jeden Morgen umzuräumen und das jeweils Benötigte ist dann doch in dem Rucksack, den ich gerade nicht dabei habe, verwende ich meist ein- und denselben. Kaufe ich aus Verschleißgründen einen neuen und packe in diesen meine Grundausstattung, bin ich jedes Mal entzückt, wie leicht er ist. Dann kommt, anscheinend übergangslos, der Tag, an dem mir auf einmal auffällt, wie schwer mein Rucksack auch dann noch ist, wenn ich das Stundenbuch herausnehme.

Was kann das sein? Neben dem unbedingt Notwendigen wie Kalender (ein kleiner, leichter!), Taschentüchern, Händi und Schlüsseln landen auch Inhalator, Streichhölzer, Tabletten, Lesestoff, Strickzeug, Veranstaltungsankündigungen, das Programm der katholischen Akademie und diverses anderes temporär gebrauchtes Zeugs im Rucksack, werden aber – meiner Ansicht nach – später auch einmal wieder herausgenommen. Nun gut, nach meinem Händi hat sich das Deutsche Historische Museum erkundigt. Eventuell finde ich doch noch etwas Leichteres.

Einmal hatte ich sogar eine Zange im Rucksack. Mein Begleiter sprach just da von Wasserrohrzangen und war höchst verblüfft, als ich daraufhin die Zange aus dem Rucksack zog.

Ich nehme an, es sind geheimnisvolle Kräfte im Spiel, wie etwa bei den sockenfressenden Waschmaschinen[2], nur umgekehrt. Jedenfalls ist bald ein neuer Rucksack fällig[3]. Deo gratias!

[1] oder auch nicht, siehe [3]
[2] Im Nutznetz postulierte jemand einst diese aparte These:
In Wirklichkeit sind Socken das Larvenstadium der Drahtkleiderbügel. Sie werfen das Fell ab (das sich dann unter der irreführenden Bezeichnung "Wollmäuse" unter Schränken usw. findet) und verpuppen sich.
[3] Das Stundenbuch war offenbar doch unzumutbar.

Dienstag, 10. November 2009

Jesu Leben einmal anders


Als ich Pange Linguas Der heilige Geist mal anders las und schmunzeln mußte, ist mir eine Firmkatechese vor Jahren wieder eingefallen.

Es begab sich in einer Pfarrei in Westdeutschland: von einem Schwung Eltern, die sämtlich „nichts mit Kirche am Hut“ hatten, deren Sprößlinge nun aber in den Genuß religiösen Lebens kommen sollten, wurden selbige zum Firmunterricht angemeldet. In der ersten Stunde ergab sich, daß das vorhandene Wissen, ähm, interessant war: Die Biographie Jesu wurde so zusammengefaßt: „Der hat erst ein großes Schiff gebaut, mit dem ist er 40 Jahre durch die Wüste gezogen, und zum Schluß ist er gekreuzigt worden.“ Ein Gummipunkt, immerhin das letzte stimmte! (Von der Geschichte der Erschaffung der Welt blieb hingegen, daß es darüber einen Film gegeben habe, in dem „eine geile Gummischlange“ vorkam. Auch nett.)

An den nachfolgenden Krampf Kampf, den Firmanden das nötigste Vorwissen einzubleuen zu vermitteln, kann ich mich nicht mehr so recht erinnern. Nur noch: als es an die Beichte ging und wir Katecheten mit gutem Beispiel voranschritten, hat mich der Beichtiger anfangs für eines der Kinder gehalten. (Ich hatte mich zuvor über den etwas schroffen Tonfall gewundert. Es begann mit: „Näher kommen und leiser sprechen!“) Nachdem ich schließlich seine Frage „Wie alt bist du denn?“ mit einem schlichten „27“ beantwortet hatte, wurde er sehr viel höflicher. Das gab mir seinerzeit zu denken.

Sonntag, 8. November 2009

8. November – alle Märtyrer des Erzbistums

Die Zeit von Ende Oktober bis Mitte Dezember ist reich an Eigenfesten des Erzbistums Berlin. In diesem Jahr leider verdrängt wird der Gedenktag für die Märtyrer des Bistums, in jüngerer Zeit der nationalsozialistischen Christenverfolgung zum Opfer gefallenen Priester und Laien des Erzbistums. Ihrem Gedächtnis dient neben der Krypta der Kathedrale mit dem Grab des seligen Bernhards vor allem auch die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, deren Errichtung die deutschen Katholiken 1958 gelobten. In der Krypta befindet sich eine Grabstätte, die an diese Märtyrer erinnert. Den meisten von ihnen wurde das Grab verweigert, ihre Asche über die Rieselfelder Berlins verstreut.



Pietà in der Krypta von Maria Regina Martyrum.
Allen Blutzeugen, denen das Grab verweigert wurde –
 allen Blutzeugen,  deren Gräber unbekannt sind.
Pater Alfred Delp, geboren 15. September 1909, gestorben 2. Februar 1945;
Dompropst Bernhard Lichtenberg, geboren 3. Dezember 1875, gestorben 5. November 1943;
 Dr. Erich Klausener, geboren 25. Januar 1885, gestorben 30. Juni 1934

Ich glaube, daß alle, die gegen ein Unrechtssystem Widerstand geleistet haben und leisten, einen Traum hatten, eine Vision von einer wiederhergestellten, wiederherzustellenden Ordnung, an die sie geglaubt haben und die ihnen die Kraft gab, gegen den alles beherrschenden Augenschein aufzutreten. Die Menschen, an die wir hier denken, sind Menschen des Aufbruchs aus einer das kritische Denken und das Gewissen abstumpfenden Alltagswirklichkeit, die den Angepaßten allein gelten lässt. Die Menschen, an die wir denken, werden noch heute vielfach als unbequeme, lästige Träumer angesehen. Das verwundert nicht in einer Gesellschaft, die so arm an zukunftsträchtigen Visionen ist, beziehungsweise die sich so schwer damit tut, solche Visionen zuzulassen. Umso mehr sehe ich in dem heutigen Gedenktag einen Anstoß, die berühmte Frage nach Anpassung und Widerstand für sich selber durchzudenken und nach den eigenen Träumen zu fragen, die man sich vielleicht nicht zugestehen möchte. Gott bewahre uns vor einer selbstzufriedenen Gläubigkeit. (aus einer Predigt von Sr. Gemma Hinrichter OCD am 20. Juli 1989 in der Gedenkstätte Plötzensee)

Freitag, 6. November 2009

Wachet und betet

Und nochmal ein kurzer Hinweis vorher: morgen, am 7. November, ist ab 21 Uhr Nightfever in St. Bonifatius in der Yorckstraße. Warme Kleidung nicht vergessen (siehe hier)!

Aus aktuellem Anlaß bitte ich darum, auch mich selbst mit ins Gebet zu nehmen. Ich habe gerade erfahren, daß ich ab Januar nur noch halbtags arbeiten werde, was man unter dem Aspekt evangelischer Armut natürlich auch positiv sehen kann. Dabei habe ich jetzt schon nur einen Mantel und bräuchte eigentlich einen neuen.

6. November – Weihetag der Kathedrale


der Kreuzweg in der Unterkirche der Kathedrale


Der Weihetag der Kathedrale ist in ihr selbst natürlich ein Hochfest, in den anderen Kirchen des Bistums ein Fest.

Erhabener Gott,
du erbaust dir aus lebendigen
und erlesenen Steinen ein ewiges Haus.
Mache die Kirche reich an Früchten des Geistes,
den du ihr geschenkt hast,
und lass alle Gläubigen in der Gnade wachsen,
bis das Volk, das dir gehört,
im himmlischen Jerusalem vollendet wird.

Donnerstag, 5. November 2009

Ikonen

Mit Ikonen sind hier Abbilder von Glaubensgeheimnissen anderer Art gemeint: menschliche Ikonen sozusagen. Wie der Priester eine Ikone Christi ist, so ist die geweihte Jungfrau ein Abbild Marias und damit der betenden und vertrauenden Kirche.

Der Dominikaner P. Benedict Ashley formuliert dazu:
The male ascetic cannot fulfill the symbolic role in the Church that a vowed female virgin can. Just as a woman cannot appropriately symbolize Christ by ordination to the priesthood, a man cannot symbolize Mary, the New Eve, the Mother of God. Nor can a man symbolize the Church as bride. Yet Mary in her contemplative role is superior to the priest in his active, ministerial role. Thus, as a sign, the consecrated virgin is superior to the priest.
Ich würde zwar nicht soweit gehen, mich über einen Priester zu erheben und sei es als Zeichen, nichtsdestotrotz hat Father Ashley meines Erachtens zumindest eingangs recht. Die rechte Einsicht in diese Thematik hülfe, einige Verwirrung, auch über den Dienst des Priesters in der Kirche, aufzulösen.

Bei der Weihe antwortet die Consecranda auf die Fragen des Bischofs

Bist du bereit,
bis an dein Lebensende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten
und dem Herrn und seiner Kirche zu dienen?

Bist du bereit,
dein Leben in der Nachfolge Christi,
zu der das Evangelium aufruft,
als ein Zeugnis der Liebe zu leben
und als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes?

Bist du bereit,
dich durch die Jungfrauenweihe unserem Herrn Jesus Christus, dem Sohn Gottes,
auf immer zu verbinden?


mit einem schlichten „Ich bin bereit“. Das Versprechen ist jedoch ist ein so großes, daß ich eigentlich lieber geantwortet hätte: „Im Vertrauen auf die Gnade Gottes, nicht aus eigener Kraft, bin ich dazu bereit“.

Es ist ein großer Irrtum, zu denken, daß der Stand der Gott feierlich gelobten Jungfräulichkeit sich vom Stande unverheirateter Personen in der Welt nicht unterscheide. Die unverheiratete Frau ist frei, ihren Lebensstand zu ändern, wann immer sie es wünscht. Die geweihte Jungfrau hat ihre ganze Zukunft in die Hände Gottes gegeben und ist mit einem unlösbaren Siegel bezeichnet. Der positive Charakter der heiligen Jungfräulichkeit wird allzoft gänzlich ignoriert. Man stellt sich Jungfräulichkeit als bloße Enthaltung vor.
Jungfräulichkeit ist nicht nur ein Geben, sondern auch ein Empfangen. Richtig verstanden, ist sie eine köstliche Bereicherung. Das Wesen einer Frau, die sich wahrhaft geliebt und behütet weiß, wird Vertrauen und Ausgeglichenheit ausdrücken. Das trifft auch auf das geistliche Leben zu. Geweihte Jungfräulichkeit läuft nicht auf Verkümmerung hinaus, sondern vollendet sich in geistlicher Mutterschaft. Die Psalmen, die die Kontemplative liebt, schreiben ihre Geschiche in Worten leuchtender Wahrheit. Die Kinderlose läßt er im Hause wohnen als frohe Mutter vieler Kinder. So viele Seelen es in der Welt gibt, so viele Kinder hat die Beschauliche: Die Berufung zur Kontemplativen bedeutet Berufung zu einer Mutter der Welt. Sie ist ein Abbild der Berufung der Mutter Gottes, deren glorreiche Erhebung ohne Jungfräulichkeit nicht denkbar ist. Ebenso bedeutet diese Berufung die vollste Teilnahme der Frau am Leben der heiligen Kirche, die ja die Braut Christi ist. Die Stärke der Kirche wächst mit dem Opferleben jeder ihrer geweihten Jungfrauen.

Jungfräulichkeit ist die positivste Komponente und – unter einem letzten Aspekt – der Inbegriff der Weihe an Gott. (Mary Francis Aschmann PCC)

Mittwoch, 4. November 2009

5. November – sel. Bernhard Lichtenberg

Das Grab des Seligen in der Krypta der St.-Hedwigs-Kathedrale

Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 im schlesischen Ohlau geboren. Als vorbildlich frommer Priester (Weihe 1899), Dompfarrer (ab 1932) und Dompropst an der Hedwigskathedrale (ab 1938) war er in Berlin unermüdlich und unerschrocken in Seelsorge und Caritas tätig. Wegen öffentlichen Gebets für die verfolgten Juden und Kritik an den "Euthanasie"- Morden wurde er 1941 verhaftet. Nach zweijähriger Haft schwerkrank, starb er auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau am 5. November 1943 in Hof. Johannes Paul II. sprach ihn als Märtyrer am 23. Juni 1996 in Berlin selig.

Am 25. Oktober 1941 gab Dompropst Lichtenberg vor der Gestapo zu Protokoll:
„Meine Einstellung zu dem heute bestehenden nationalsozialistischen Staat richtet sich nach der Einstellung des Apostels Paulus, wie sie im Römerbrief Kapitel 13 zum Ausdruck kommt. Damit will ich gesagt haben, daß ich den Staat als solchen anerkenne. Ich kann aber als katholischer Priester nicht von vornherein zu jeder Verfügung und Maßnahme, die von der Regierung getroffen wird, ja und Amen sagen. Wenn sich die Tendenz derartiger Regierungsverfügungen und Maßnahmen gegen die geoffenbarte Lehre des Christentums und damit gegen mein priesterliches Gewissen richten, werde ich meinem Gewissen folgen und alle Konsequenzen mit in Kauf nehmen, die sich daraus für mich persönlich ergeben. Das ergibt sich auch daraus, daß ich die Evakuierung [der 'Nichtarier'] mit all ihren Begleiterscheinungen innerlich ablehne, weil sie gegen das Hauptgebot des Christentums gerichtet sind: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, und ich erkenne auch im Juden meinen Nächsten, der eine unsterbliche, nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffene Seele besitzt.“
Aus seinen Aufzeichungen während der Haft:
Wir sollen alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, beurteilen und danach handeln.
Fange also an, meine Seele, am Morgen beim Erwachen langsam und bedächtig zu sagen: Heute will ich alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, alles, was mir widerfährt, Freudiges und Schmerzliches, Erhebendes und Niederdrückendes. Vielleicht werde ich schon nach einigen Wochen einen zweiten Vorsatz hinzunehmen, ja hinzunehmen müssen, denn ich bin schon gewahr geworden, was mich hindert: Es ist meine Ungeduld.
 
Also werde ich in Zukunft nach dem ersten Vorsatz langsam und bedächtig sagen: Heute will ich meine Seele besitzen in meiner Geduld: Ich weiß, ich werde tausendmal die Geduld verlieren, aber ich werde immer wieder den Vorsatz der Geduld erneuern. Vielleicht werde ich nach einigen Monaten wissen, warum ich schnell die Geduld verliere. Ich spreche zu schnell, das Herz liegt mir auf der Zunge, ich mache meinem Unwillen zu schnell Luft, und ich werde einen dritten Vorsatz hinzunehmen: Heute will ich in keinem Worte sündigen. Und weil ein Wort immer einen Gedanken voraussetzt, werde ich den dritten Vorsatz so formulieren: Heute will ich in keinem Gedanken und in keinem Worte sündigen. Jetzt scheint der Zirkel geschlossen. jetzt werde ich ein paar Jahre nach diesem Rezepte handeln, und wenn ich merke, daß ich immer noch nicht „amor et deliciae“ (Liebe und Wonne) meiner Umgebung, meiner Familie, meiner Kollegen geworden bin, da werde ich wieder einmal innehalten und der Sache noch tiefer auf den Grund gehen: Wer und was hindert mich? Und ich werde finden: Trotzdem und alledem, mir fehlt die rechte übernatürliche Gesinnung. Ich will mich bloß lieb Kind bei den Menschen machen und nicht beim lieben Gott. Ich möchte gern gelobt und anerkannt werden. Es ärgert mich, wenn ich getadelt, kritisiert, hämisch beurteilt werde, und so werde ich einen vierten Vorsatz hinzunehmen: Heute will alles aus Liebe tun und alles aus Liebe leiden.
Bernhard Lichtenberg sagte von sich selbst, er wolle Priester sein bis zum letzten Atemzug. In der Kathedrale feiert Herr Kardinal Sterzinsky am Gedenktag des Seligen um 18 Uhr ein Pontifikalamt.

Seliger Bernhard, bitte für uns!

Dienstag, 3. November 2009

Die Torheit des Kreuzes

Aktuell kann man sich schon fragen, was in den Hirnen der Menschen vorgehen mag. Da sollte Schülern (gleich welcher Religion) das Beten in den Unterrichtspausen verboten werden.

Nun bringt man in der EU das Kunststück fertig, das Kruzifix an der Wand eines Klassenzimmers als Verletzung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit anzusehen. Für den erlittenen „moralischen Schaden“ wird die aus Finnland stammende Klägerin in Italien entschädigt. (Man ist versucht, zu sagen: Dann geh doch rüber! Wo wäre aber dieses „rüber“? Finnland?)

Irgendwie vermisse ich einen kollektiven Aufschrei. Wo führt diese Entkleidung von jeglicher Identitität hin? Yon hat es in einem Kommentar bei Alipius so ausgedrückt: Als nächstes fühlt man sich von Kirchtürmen belästigt. An Schulwegen haben sich Kirchen künftig ohne jede äußerlich sichtbare christliche Symbolik als Wohnhäuser zu tarnen, damit die Blagen nicht etwa von christlicher Kultur in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden (oder schlimmer, in ihrer Neugier verführt werden, in dieses Gebäude hineinzugehen und *gasp!* gleich von einem ganzen Raum voller christlicher Symbole seelisch zerstört werden!). – Ein Schelm, wer dabei an überspitzte Formulierung denkt.

Ich bitte euch sehr, wie kann etwas, das einem nach eigenem Bekunden nichts bedeutet, eine Verletzung der Freiheit und Menschenrechte darstellen? Wie kann das Kreuz, das den Leib des Herrn trägt, von Schülern anderer Konfessionen „als störend empfunden“ werden?

Wieder andere sehen sich bereits durch sichtbar getragene religiöse Symbole in der Öffentlichkeit bedroht. Persönlich würde ich mir lieber kündigen lassen, als auf das Tragen eines Kreuzes zu verzichten. Auch würde ich als Ordensfrau nicht ohne Schleier unterrichten. Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. (1 Kor 1, 22-29)

Sonntag, 1. November 2009

Allerseelen – jetzt und in der Stunde unseres Todes

Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden. (2. Makk 12, 43-45)

Am Freitag habe ich erfahren, daß einer meiner Kollegen im Alter von 27 Jahren aus völlig ungeklärter Ursache offenbar im Schlaf gestorben ist. Ich bitte im Monat November ums Gebet für ihn und für alle, die der Tod unvorbereitet überrascht und habe mir vorgenommen, im November so oft wie möglich die Kreuzwegandacht für die Armen Seelen zu beten.

Der Heilige Vater sagt über die Fürbitte für die armen Seelen im Fegefeuer:
"Die erste und höchste Form der Nächstenliebe zu den Brüdern ist der brennende Wunsch, dass auch sie die ewige Rettung erfahren. Die christliche Liebe kennt keine Grenzen und übersteigt sogar die Grenzen von Raum und Zeit. Dadurch ermöglicht sie uns jene zu lieben, die von dieser Erde geschieden sind".

Wie man den Alltag etwas auflockert

oder: Was man tun kann, wenn man einmal nichts zu tun hat

mittags: bei der Abrechnung eines Beleges über 17,60 Euro durch die gleichzeitige Bitte, einen 20 Euronen-Schein zu wechseln, die Kollegin und sich selbst so verwirren, daß es ca. 10 Minuten dauert, um das Ganze wieder zu entwirren. Anschließend 7,40 Euro in tinzig-winzigem Münzgeld zurückgeben.

abends: bei der Kapitelsmesse lustige Antworten singen wie „und mit deinem Heiligen Geiste!"

anschließend: beim Bezahlen des wöchentlichen Einkaufs im Supermarkt das Kunststück fertigbringen, zweimal hintereinander die Geheimzahl falsch einzugeben und sie beim dritten Mal tatsächlich nicht mehr so genau zu wissen.

Der urplötzlich neben einem erschienenen Marktaufsicht zur Information folgen und erklären, daß man erstmal Geld besorgen geht. Sich dabei wie eine Kleinkriminelle behandeln lassen. Den Geldautomaten konsultieren – dort an der Tastatur fällt einem die richtige Geheimzahl wundersamerweise wieder ein. Deshalb wird die Karte nicht eingezogen (das ist gut), ist aber trotzdem erstmal gesperrt (das ist schlecht).

Mit der U-Bahn nach Hause düsen, wo sich eine Kreditkarte befindet. Feststellen, daß sich die Geheimzahl zu dieser Karte seit der Hello-Kitty-Aktion letztes Jahr offenbar verflüchtigt hat. Sämtliche Orte überprüfen, an denen sich die Geheimzahl befinden könnte. Dabei feststellen, daß die eigene Ablage im Gegensatz zu der im Büro in desolatem Zustand ist. Außerdem ist kein gültiger Personalausweis da.

Ein interessantes Hauptmann-von-Köpenick-Szenario entwerfen, demzufolge man ohne Personalausweis von der Bank kein Geld und ohne Geld keinen neuen Personalausweis bekommt. Nervös werden. Den heiligen Antonius anrufen.

Einen Beleg mit einer Geheimzahl drauf finden und dabei erkennen, daß man mittlerweile für manche Sachen eine Lesebrille und eine Lupe braucht, um sie bei Kunstlicht lesen zu können. Erstmal die Lupe suchen, dann feststellen, daß die gefundene eine andere PIN ist. Die Lupe unmittelbar darauf – diesmal unauffindbar – verlegen. Fände man jetzt die richtige PIN, könnte man sie nicht entziffern. Mist. Den heiligen Antonius nicht noch einmal anrufen, es grenzt allmählich an Belästigung.

Die Suche aufgeben, zum Supermarkt zurückfahren, sich dort umständlich erklären, und für das wenige Bargeld das Allernötigste erwerben. Die Bank anrufen, sich durch zahlreiche Sprachmenüs a la „Sie haben drei gelbe Bananen gewählt“ hangeln, um am Ende zu erfahren, jetzt sei keine Sprechzeit mehr. Auch gut. Sags doch nächstes Mal einfach gleich.

nachts: schlafen (zu wenig) und sich dabei eine nette Erkältung zulegen. Das ist fein, schließlich habe ich bis Mittwoch frei.

morgens: Die Bank anrufen, sich wieder durch die Sprachmenüs durchwursteln. Von der jetzt leibhaft zugegegenen Kundenberaterin die freudige Auskunft erhalten, daß die Karte ab 10 Uhr nach persönlicher Vorsprache entsperrt werden könne. Ja, auch am Samstag. Zum Alexanderplatz fahren, in erstaunlich kurzer Zeit die Bank finden, den wirklich freundlichen Mitarbeiter unter Zuhilfenahme eines Uraltführerscheins davon überzeugen, daß man selbst man selbst sei, und die Karte funktioniert wieder. – Game over.

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