Samstag, 31. Oktober 2009

Allerheiligen


Es ist ein Bild von strahlender Schönheit, an der nichts dekorativ ist, sondern alles zur vollkommenen Harmonie der Heiligen Stadt beiträgt. Der Seher Johannes schreibt, daß sie »von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes« (Offb 21,10–11). Aber die Herrlichkeit Gottes ist die Liebe; deshalb ist das himmlische Jerusalem Bild der Kirche, ganz heilig und herrlich, ohne Flecken und Falten (vgl. Eph 5,27), die in ihrer Mitte und in allen ihren Teilen von der Gegenwart Gottes, der die Liebe ist, erstrahlt. Sie wird »Braut« genannt, »Braut des Lammes« (Apg 21,9), weil sich in ihr das Bild vom Hochzeitsmahl erfüllt, das von Anfang bis Ende die biblische Offenbarung durchzieht. Die Stadt als Braut ist Heimat der vollen Gemeinschaft Gottes mit den Menschen; in ihr braucht man keinen Tempel noch eine äußere Lichtquelle, weil die Gegenwart Gottes und des Lammes ihr innewohnt und sie von innen her erleuchtet.

Dieses wunderbare Bild hat eine eschatologische Bedeutung: Es drückt das Geheimnis der Schönheit aus, die schon jetzt die Gestalt der Kirche ausmacht, auch wenn sie noch nicht zu ihrer Fülle gelangt ist. Sie ist das Ziel unserer Pilgerschaft, die Heimat die uns erwartet und nach der wir uns verzehren. Sie mit den Augen des Glaubens zu sehen, zu betrachten und zu ersehnen darf nicht Grund für eine Flucht aus der geschichtlichen Wirklichkeit sein, in der die Kirche lebt und Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der heutigen Menschheit, besonders der Ärmsten und Bedürftigsten teilt (vgl. II. Vat. Konzil, Konstitution Gaudium et spes, 1). Wenn die Schönheit des himmlischen Jerusalem die Herrlichkeit Gottes, also seine Liebe, ist, dann können wir uns ihr nur in der Liebe nähern und in einem bestimmten Maß bereits in ihr leben. Wer den Herrn Jesus liebt und sein Wort befolgt, erfährt schon in dieser Welt die geheimnisvolle Gegenwart des dreieinigen Gottes, wie wir im Evangelium gehört haben: »Wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen« (Joh 14,23). Jeder Christ ist deshalb gerufen, lebendiger Stein dieser wunderbaren »Wohnung Gottes unter den Menschen« zu werden. Was für eine großartige Berufung!

Eine Kirche, die ganz von der Liebe Christi, des aus Liebe geopferten Lammes, beseelt und bewegt ist, ist das historische Bild des himmlischen Jerusalem, Vorwegnahme der Heiligen Stadt, die von der Herrlichkeit Gottes erstrahlt. Sie strömt eine unwiderstehliche missionarische Kraft aus, die die Kraft der Heiligkeit ist.

(aus einer Predigt Papst Benedikts XVI. auf dem Vorplatz des Nationalheiligtums in Aparecida am 4. Sonntag der Osterzeit 2007)

Freitag, 30. Oktober 2009

Donnerstag der 30. Woche im Jahreskreis


Ein besonders anrührendes Bild im gestrigen Tagesevangelium:
Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; ihr aber habt nicht gewollt. (Lk 13, 34)

Donnerstag, 29. Oktober 2009

St. Halloween

Was Florian hier karikiert, nimmt offenbar bereits Züge an. Die $Aufsichtsperson berichtete gestern, es hätte sich bei ihr ein Mann erkundigt, da gäbe es doch in den nächsten Tagen ein großes Fest…? $Aufsichtsperson bot ihm naheliegenderweise zuerst Allerheiligen, dann Allerseelen. In Frage gekommen wäre, da manche Besucher die Dome verwechseln, auch noch der Reformationstag, wir wollen mal nicht so sein. – Es stellte sich heraus, derjenige suchte „Sankt Halloween“. Nein, es soll sich nicht um den Versuch einer Veräppelung gehandelt haben. Warum eigentlich nicht gleich nach dem großen Kürbis fragen?

Wir anderen könnten derweil etwas viel Sinnvolleres tun und schon einmal anfangen, die Ablaßbedingungen für Allerseelen zu erfüllen und für die Verstorbenen zu beten. Spiritual mothers of priests schlägt über das Gebet, besonders für die verstorbenen Priester des vergangenen Jahres, vor, auch für die gefallenen und gestrauchelten zu beten.

Christussymbole (6)

Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten. Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler. Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt. Und wenn die Lebewesen dem, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt, Herrlichkeit und Ehre und Dank erweisen, dann werfen sich die vierundzwanzig Ältesten vor dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und beten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt. Und sie legen ihre goldenen Kränze vor seinem Thron nieder und sprechen: Würdig bist du, unser Herr und Gott, Herrlichkeit zu empfangen und Ehre und Macht. Denn du bist es, der die Welt erschaffen hat, durch deinen Willen war sie und wurde sie erschaffen. (Offenbarung 4,6-11)

Neulich erst fiel mir auf, daß die den vier Evangelisten zugeordneten Symbole jedes für sich wiederum auch Christussymbole sind, weshalb Darstellungen, bei denen Christus von den Symbolen der Evangelisten umgeben ist, in mehr als einer Hinsicht passend erscheinen. Aber auch den vier Glaubensgeheimnisse der Menschwerdung, des Opfertodes, der Auferstehung und der Himmelfahrt wird jeweils eines dieser Symbole zugeordnet.
  • Das Markusevangelium beginnt mit der Stimme Johannes des Täufers, des Rufers in der Wüste. Darum wird dem Evangelisten Markus der Löwe als Symbol zugeordnet.
  • Das Lukasevangelium beginnt mit dem Opfer des Zacharias im Tempel. Sein Symbol ist darum der Stier.
  • Das Johannesevangelium beginnt mit dem Prolog – diesem Aufstieg zur Kontemplation entspricht der Adler als Symbol des Johannes.
  • Das Matthäusevangelium beginnt mit dem Register des Geschlechtes Jesu, symbolisiert durch einen Menschen oder Engel.

Der Löwe ist in der Mythologie der König der Tiere. Christus wird als der Löwe von Juda bezeichnet. In der Mythologie wird berichtet, daß der Löwe seine totgeborenen Jungen nach drei Tagen durch Anhauchen zum Leben erweckt.

Die Tatkraft und die herrschaftliche Macht des Löwen stehen für die Auferstehung Christi von den Toten., zugleich ist ein brüllender Löwe ist auch das Sinnbild der Auferweckung der Toten durch Christus.

Der Adler, der König der Lüfte, gilt als stärkster Vogel, der am höchsten fliegt, die schärfsten Augen besitzt und den selbst die Sonne nicht blenden kann. Er steht für Gottes Macht, Liebe und allgemein für Jugend und Stärke des Glaubens. Zugleich ist er ein Symbol der Himmelfahrt Christi.

Da der Adler beim Aufstieg direkt in die Sonne blickt, ist er auch Sinnbild der Kontemplation und spiritueller Erkenntnis. Die Mythologie berichtet von der Verjüngung des Adlers, der, wenn seine Kräfte nachzulassen beginnen, in den Strahlenkranz der Sonne fliegt, um dort seine alten Fittiche zu verbrennen und die Augen von aller Düsternis zu reinigen. Danach wird er durch dreimaliges Eintauchen in eine Quelle wieder jung. Schon früh wurden solche Geschichten auf Taufe, Gericht und Buße bezogen. Wenn der Christ nach dem Vorbild des Adlers das Gewand des alten Menschen ablegt und die stumpfgewordenen Augen des Herzens der Sonne der Gerechtigkeit aussetzt, hat er die Verheißung, zur neuen Schöpfung zu werden (J. Sell).
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler. (Ps. 103, 2-5)

Schon im Alten Testament galt ein junger Stier als edelstes Opfertier, das in der Hingabe einem Menschenleben gleichzusetzen war. Der Stier ist deshalb das Symbol des Opfertodes Jesu Christi am Kreuz. Im Taufunterricht des frühen Christentums wurden die Taufbewerber am Beispiel des Stiersymbols angeleitet, sich selbst zum Opfer zu bringen, die Lüste der Welt zu überwinden und das eigene Kreuz auf sich zu nehmen.

Die geflügelte Menschengestalt – die Gestalt dessen, zu dem Christus für uns geworden ist: wahrer Mensch und wahrer Gott.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt. (Jochen Klepper)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ich traue mich dir an auf ewig


Trag den Ring als Zeichen deiner Bindung an Christus.
Bewahre dem Herrn unverbrüchlich die Treue.
So wirst Du zur ewigen Freude gelangen,
zur Hochzeit des Lammes.
(aus dem Ritus der Jungfrauenweihe)

Ein Thema, das seit dem letzten Frühjahr in mehreren Herzen bewegt wurde, hat Sponsa Christi, eine geweihte Jungfrau der Erzdiözese New York, dankenswerterweise aufgegriffen: What Kind of Rings Do Consecrated Virgins Wear? Sponsa Christi geht auch darauf ein, daß – da die Jungfrauen implizit auch ein Leben in evangelischer Armut versprechen, der Ring dem entsprechen sollte.

Beim Sich-weiter-Durchhangeln stößt man auf interessante Details (bitte die vielen Kommentare beachten).

Die Ringe anderer Virgines die ich kenne, sind von verstorbenen Mitschwestern geerbte (ein besonders schöner Brauch, wie ich finde), oder – weil man in der DDR geweiht wurde oder ein Leben in der Verborgenheit gewählt hatte – Ringe, die möglichst wenig Assoziationen zulassen.

Da die geweihten Jungfrauen in der Wahl ihres Ringes frei sind, wollte ich einen Ring wählen, der mir möglichst bis zum Ende meines Lebens so gut gefällt wie jetzt. Womöglich wäre das in jedem Falle so gewesen, schließlich ist es mein Trauring. Jedenfalls liebe ich ihn.

Da das Gelesene Appetit macht auf mehr und die Neugier auf anderer Leute Sachen sowieso eine weibliche Eigenschaft ist, auch hier die Frage: was für einen Ring tragt ihr, wie sieht euer Ring aus?

Montag, 26. Oktober 2009

Labyrinthisches

Wer wissen will, wie ich so manchen Tag verbringe: ich irre hier herum. Selbiges Gebäude gehört zu einer hiesigen Universität und ist ein schönes Beispiel dafür, daß manche Architekten oder Gebäudeplaner offenbar wirklich nicht alle auf dem Sender haben.

Alle Jahre wieder suche ich dort auf der Spur wichtiger Dokumente den Raum 1.1.10. Weiß man, daß sich die Treppenhäuser in Zylindern hinter Türen befinden, die von der Flurseite so aussehen, als führten sie in einen Innenhof, und hat man erst einmal einen solchen Zylinder gefunden, kommt man in erstaunlich kurzer Zeit in den ersten Stock. Soweit so gut. Was sich dann allerdings an Abgründen auftut, läßt mich jedesmal wünschen, ich hätte einen Zettel mit genauer Angabe hinterlassen, wo ich hingegegangen bin und einen Beutel mit Brotkrümeln mitgenommen.

(Neulich suchte ich übrigens einen alten Professor in einer ursprünglich sehr schönen Villa – es war ein Szenario, genau wie man es in alten Horrorfilmen immer sieht: schwarzweiß gefliester Boden, Spinnweben und hinter jeder verstaubten Tür hätte Bela Lugosi hervorkommen können. Es fehlte nur noch die Begleitmusik vom Harmonium.)

Von einem endlosen Flur, der die Länge des Gebäudes durchmißt und den Charme einer Grundschule der 70er Jahre verströmt, zweigen andere endlose, zudem dunkle und verwinkelte Gänge ab, die in die Breite, Tiefe und Irre des Gebäudes führen. Teilweise sind sie auch mit Büromöbeln völlig zugebaut. Ob darunter noch Menschen liegen, konnte ich nicht herausfinden. Die Räume haben Zahlenbezeichnungen, bis hin zu vier oder fünf Stellen nach dem Punkt. Hat man erst einmal eine Abzweigung gefunden, die ungefähr passen könnte – 1.1 statt 1.2 – wagt man sich auf passender Höhe in eine der Abzweigungen hinein. Dort geht es dann völlig irrsinnig weiter: Raum 1.1.29 liegt vornean gegenüber von 1.1.1. Demzufolge müßte sich der gesuchte Raum 1.1.10 also irgendwo in den Tiefen dieses Flures befinden. Weit gefehlt! Auf einige Räume mit passender Zählung folgt völlig willkürlich so etwas wie 1.1.47, und schließlich stellt sich heraus, daß 1.1.10 in einem der parallelen Flure liegt.

Auf dem Weg hinaus tröstet mich ein überaus netter jungscher Mensch, er habe drei Jahre gebraucht, bis er sich nicht mehr verirrt hätte, und alles ist wieder gut. Wenn ich einmal keine Lust haben werde, etwas zu tun, sage ich einfach, ich bin im Raum 1.1.10 etwas holen gegeangen. Wer soll mich dort schon suchen – oder finden?

Samstag, 24. Oktober 2009

Felis domestica catholica

aus einem solchen Tierchen…
…wird in gar nicht langer Zeit ein solches
Das war übrigens kein chinesisches Schälchen, sondern eine Monsterteigschüssel. Seit jedoch eines Tages alle (außer mir) gleichzeitig drin sitzen wollten, ist sie Historie.

How to survive living with a catholic oder:
den seinen gibt es der Herr im Schlaf

Freitag, 23. Oktober 2009

Unfreiwillig Komisches bei heiligen Anlässen

Gestern, während der Heiligen Messe, zum Tagesgebet:
Allmächtiger Gott, Du hast dem seljen … se-li-gen Contardo Ferrini…"

Hihi! Aber nein – ich muß dastehen und ein ernstes Gesicht dazu machen. Genauso als ein Zelebrant auf meine Frage bei der Purifikation, ob er Wein wünsche, mit Stentorstimme "Erst wieder zum Mittagessen!" antwortete oder bei der Gabenbereitung eines sehr genauen Zelebranten aus dem Weinkännchen eine Mücke entfleuchte, noch ein paar torkelige Kreise über dem Kelch zog, bis sie mir schließlich ins Gesicht surrte. Bei demselben Zelebranten gab eines Tages auch ein lebensmüdes Zingulum, das meinen zu langen Talar schürzte, ausgerechnet beim Tagesgebet seinen Geist auf und fiel bei den Worten "Allmächtiger Gott…" einfach zu Boden. Der Zelebrant, der dem scheidenden Zingulum hinterherschaute, neigte demütig das Haupt. (Auf dieses Zingulum hatten wir übrigens zuvor schon Wetten abgeschlossen, da es buchstäblich nur noch am seidenen Faden hing. Es war aber das einzige seiner Art.) Abgang nach links mit Meßbuch und wieder eingesammeltem Zingulum.

Es gibt den Zelebranten, der bei der Händewaschung das Lavabotuch bis zur Unkenntlichkeit zerknüllt, und den, der es mir eines Tages versehentlich ins Gesicht geworfen hat. :D

Dann biete ich noch zum Thema Unsortiertes aus den Vermeldungen:
"Liebe Schwestern und Brüdern im Glauben…" (Ja, so kann es gehen. Was spricht eigentlich genau gegen die Verwendung des Wortes "Geschwister"? Selbst die Innen-Fraktion kann froh sein, da die Schwestern semantisch drin sind – jedenfalls solange bis jemand "Gebrüder" wiederentmottet.)

Überhaupt muß ich mich gelegentlich schwer zusammenreißen, wenn ich die Vermeldungen vermelde. Die gute Nachricht zuerst: bei uns wird vor dem Gottesdienst vermeldet. Fünf Minuten vor der Zeit ist des Christen Pünktlichkeit! Was einem da manchesmal so geboten wird, führt allerdings zumindest bei mir zum Fußnägelkräuseln:

"Aus der Gemeinde verstarb am 5. Januar Herr Sowieso Sowieso im Alter von 81 Jahren. Die Beisetzung ist am 8. Januar um 11 Uhr auf dem Alten Friedhof in der XYZ-Straße. O Herr, gib ihm die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm. Laß ihn ruhen in Frieden… – Am Abend findet im Pfarrsaal ein lustiger Tanzabend statt. Um Kuchenspenden wird gebeten."

Donnerstag, 22. Oktober 2009

30. Oktober – sel. Maria Theresia Tauscher DCJ

Das Fest der seligen Maria Theresia vom heiligen Josef gehört zu den Eigenfesten des Bistums Berlin.

Als Pfarrerstochter eines lutherischen Pfarrers in der Mark Brandenburg konvertierte Anna Maria Tauscher im Alter von 33 Jahren zur katholischen Kirche. Inspiriert von der großen hl. Teresa wollte sie die karmelitanische Spiritualität mit der Vita activa verbinden. Wegen der Konversion verlor sie, neben der Verbindung zu ihrem Elternhaus, auch ihre Stellung als Leiterin einer Anstalt für Geisteskranke, weshalb sie ihren Lebensunterhalt unter sehr kärglichen Bedingungen als Putz- und Spülhilfe in einem Kloster verdienen mußte.

Um die Not vieler heimatloser und verwahrloster Kinder in Berlin zu lindern, gründete sie 1891 ohne eigenes Vermögen, nur durch Spenden, ein katholisches Waisenhaus, das St. Josephsheim in der Pappelallee in Prenzlauer Berg. Als Konvertitin, die dazu noch im Begriff war, eine neue Ordensgemeinschaft nach karmelitanischen Ideal zu gründen, erlebte sie heftige innerkirchliche Anfeindungen und Verleumdungen. Da ihr in Berlin und in allen deutschen Bistümern kein Bleiberecht zugebilligt wurde, ging sie ins Ausland, zuerst nach Sittard in den Niederlanden, wo sich heute das Mutterhaus befindet, und setzte dort ihre Gründungen fort. Allein aus ihrem ungewöhnlichen Gottvertrauen heraus gründete sie Heime in Böhmen, Holland, England, der Schweiz, Italien, Ungarn, Österreich und den Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie elf Heime aufbaute. Als Mutter Maria Theresia 1938 im Mutterhaus starb, hinterließ sie 58 Sankt-Josephsheime, in denen im Laufe der Jahre zehntausende von Kindern Obdach und Geborgenheit gefunden haben.

1910 erhielt die Gemeinschaft die päpstliche Anerkennung als eigener Zweig innerhalb des Karmels. Die Karmelitinnen vom göttlichen Herzen Jesu haben mittlerweile Niederlassungen in 20 Ländern. Sr. Maria Teresa vom hl. Josef wurde am 13. Mai 2006 im niederländischen Roermond seliggesprochen.

Von der seligen Maria Theresia vom hl. Josef ist überliefert, daß eine ihrer verzweifelten Novizinnen sie eines Tages gebeten hat, damit aufzuhören, „um noch mehr Leiden zu beten“, weil es sonst mit der Gründung nie etwas werden würde.

Dienstag, 20. Oktober 2009

19. Oktober – Hll. Märtyrer Nordamerikas


Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.
So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.

Doch haben wir den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben, und darum reden wir. (2. Kor 4, 10-13)

Jean de Brébeuf wurde 1593 in der Normandie geboren und wirkte ab 1625 Missionar in Kanada unter den Huronen, wo er die erste Missionsstation der Jesuiten aufbaute. Für die Sprache der Huronen verfaßte er ein Wörterbuch, eine Grammatik und einen Katechismus, da er den Indianern das Wort Gottes in ihrer eigenen Sprache bringen wollte. In den Jahren 1642-49 erlitten sieben Jesuitenmissionare nach unvorstellbaren Anstrengungen und Leiden das Martyrium. 1649 überfielen Irokesen die Missionsstation der Huronen und nahmen Jean de Brebeuf gefangen. Es wird von ihm berichtet, daß er den Scheiterhaufen küßte, den er besteigen mußte. Isaak Jogues wurde am 18. Oktober 1646 von den Mohawk erschlagen.

Mit den Priestern Jean de Brébeuf und Isaak Jogues wurden 1931 fünf weitere Märtyrer des Missionsgebietes der Montagnais, Huronen und Irokesen heiliggesprochen. Das Gemälde von Jefferys zeigt das Eintreffen der ersten Jesuiten in Kanada 1625.

Das Schicksal der nordamerikanischen Märtyrer behandelt der Spielfilm Black Robe – am Fluß der Irokesen (1991, nach dem Roman Schwarzrock von Brian Moore aus dem Jahre 1985).

Montag, 19. Oktober 2009

Haltet ein – 's ist noch nicht an der Zeit!

Zu Florians Beitrag Ja, is denn jetzt scho Weihnachtn? fiel mir ein Blogrelikt von 2006 wieder ein. Seit damals hat sich eigentlich nur geändert, daß es außer im Böhmischen Dorf nunmehr gar keine Adventsbeleuchtung mehr gibt – die im Böhmischen Dorf ist natürlich über jeden Vergleich erhaben. Ich weiß schon, das mit der fetten Taube hätte einfach nicht kommen dürfen! ;)

Also, irgendwie ist es ja seit ca. 2000 Jahren jedes Jahr das Gleiche: Weihnachten naht.

Vor das Weihnachtsfest haben die "Erfinder" aber das Erntedankfest, Allerheiligen, Allerseelen, den hl. Martin, den Buß- und Bettag, Totensonntag, Christkönig und schließlich den Advent gestellt. Dann war da irgendwie auch noch der Volkstrauertag.

Gab man sich früher™ noch der stillen, neblig-grau-goldenen Novemberstimmung und der damit einhergehenden Gräbersegnung bzw. dem Anbringen moosiger Gestecke – unter dem Absingen von "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben..." hin und freute sich auf den 1. Advent und einen Papieradventskalender mit Silberglitter drauf (bitte keinesfalls einen ohne!) – so macht man heute im Oktober einen Satz mitten rein ins Dolle:

Die adventlichen Beleuchtungskörper werden am 3. November(!) angebracht. (Im Stern sitzt übrigens nun schon das zweite Jahr eine fette Taube. Was will uns der Dichter damit sagen? Hat er Pfingsten mit dem Advent verwechselt? Ist's womöglich eine Pfingstbeleuchtung, die einfach noch ein wenig früher dran ist? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen). An der Ecke gegenüber der Kirche zum hl. Bernhard ist seit Anfang November ein Schild, daß es Weihnachtsbäume nun ein paar Meter weiter gäbe – aus dem Grab des hl. Bernhard sind erste Rotationsgeräusche zu vernehmen –, und Karstadt grüßte letztes Jahr noch vor Totensonntag mit Fröhliche Weihnachten! In der Abendschau wird über das Schlagen einer wundervollen 80jährigen Tanne für den Breitscheidplatz berichtet – der letzte Baum stand dort übrigens in vollem Schmucke bis in die Fastenzeit hinein und hält damit einen neuen Rekord. Im Kaufhaus dagegen werden Lametta, Engel und Kugeln noch am Heiligen Abend entfernt und die Faschingsdeko (für Silvester gleich mit) angebracht. Im Reisebüro sitzen im Advent rosa und blaue Osterhasen im Fenster, die auch schon fleißig Eier gelegt haben.

Liebe Verrückte, wer auch immer sich angesprochen fühlt: ich will das nicht. Ich will Herbst, wenn Herbst angesagt ist, und damit auch den herbstlichen Festkreis. Vor Totensonntag mag ich keinen Lebkuchen sehen (und am liebsten auch keinen Osterhasen vor dem Ostersamstagnachmittag). Nicht nur, daß es sich aus liturgischen Gründen føllich falsch anfühlt, man zerstört sich damit den "Kranz des Jahres" und den damit einhergehenden Rhythmus von Aktion und Ruhe. Die Feste zu feiern, "wie sie fallen" heißt, sie auch nur dann zu feiern, wenn sie fallen – nicht schon Monate vorher. Ansonsten könnten wir im Anschluß an Ostern eigentlich gleich die Weihnachtsbeleuchtung rausholen, oder nicht, oder wohl – oder doch?

Sonntag, 18. Oktober 2009

Wo man froh um seinen Schleier ist

…da ist "Nightfever". Die Anbetungsnacht Nightfever scheint von St. Adalbert in der Torstraße dauerhaft nach St. Bonifatius in Kreuzberg umgezogen zu sein. Als ich eine Viertelstunde nach Beginn der Aussetzung dort eintraf, waren sehr wenige da, als ich ging, schon etwas mehr.

Der äußere Rahmen ist schlicht und könnte nach meinem höchstpersönlichen Geschmack auch gern noch etwas schlichter sein: In der ersten Stunde sang eine Frau mit zugegebenermaßen schöner Stimme vermutlich Charismatisches zur Gitarre – leider im Prinzip ohne Punkt und Komma. Mehr bzw. längere Zeiten der Stille dürften es schon sein. Und: Leute, zieht Euch warm an – St. Bonifatius ist bitterkalt, weil sich die Heizkosten für diese Kirche wahrscheinlich kein Mensch leisten kann. Nach etwas über einer Stunde war ich denn auch – Fever hin oder her – steif vor Kälte und wollte schweren Herzens wieder los. Da wies mich einer der freundlichen jungen Leute, die vor der Kirche Vorbeigehende einladen, auf die Frage, ob es Anstoß erregen würde, wenn man sich nächstens eine Decke mitbrächte, darauf hin, daß es drinnen bereits Decken gäbe! Und genauso wars. Außerdem ergab sich gleich noch ein nettes Gespräch mit einem evangelischen Christen über die Lebensform der geweihten Jungfrauen und der Diakonissen.

Unter meiner Decke und aus mehr als einem Grunde froh um meinen Schleier habe ich dann, ohne Mühe und, wie ich später feststellte, fast bis zum Ende der dreistündigen Anbetungszeit "durchgehalten". Später am Abend sangen junge Männer in wunderschöner Weise schlichte, meditative Gesänge. Mitsingen scheint womöglich nicht nur erlaubt, sondern sogar gewünscht zu sein (auch wenns außer mir kaum eine(r) getan hat).

Am Rande bemerkt:
Mit Schleier samstagabends in der U-Bahn zu fahren und den Weg am Mehringdamm entlang zu nehmen, kostete zunächst etwas Überwindung. In meiner direkten Umgebung kurioserweise überhaupt nicht – da fällt ein Schleier mehr oder weniger nun wirklich nicht auf. Die Reaktionen, die ich mitbekommen habe, waren aber durchweg so positiv, daß ich mich frage, wieso einige Gemeinschaften einen derart reduzierten Habit tragen, daß seine Trägerinnen, wie es M. C. Lakotta so treffend ausgedrückt hat, "damit auch in die Moschee des fanatischsten Moslems eintreten könnten, ohne als Christinnen, geschweige denn als Ordensschwestern aufzufallen."

7. November, 12. Dezember – 21 bis 24 Uhr

Das Team sucht übrigens noch Unterstützer bei der Durchführung. Näheres zur Aktion und was man tun kann, unter Nightfever

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Mystikerinnen unter sich

Über das folgende ironische Zitat auf Rosenkranz-Ateliers Blog mußte ich so lachen, daß ich gleich noch einige Bilder einstelle.
Zuerst war ich skeptisch, denn als moderne Theologin wußte ich, daß Mystik nur in anderen Religionen gut ist, in der eigenen ist es immer auf Hungerfantasien von sich selbst kasteienden und epileptisch veranlagten und frustrierten Ordensleuten zurückzuführen.
Der reformierte Orden, den die heilige Teresa gegründet hat, hat reiche Frucht getragen – es ist der größte beschauliche Frauenorden.

Die Bilder von Jean-Pierre Gilson stammen aus dem Karmel von Compiègne, der immerhin 16 selige Märtyrinnen hervorgebracht hat. Und noch eine Tochter der hl. Teresa: Edith Stein, die ebenfalls den Ordensnamen Teresia wählte, trat zur ersten Vesper des Hochfests der hl. Teresa von Avila in den Karmel Köln-Lindenthal ein.






15. Oktober – Hl. Teresa von Avila, Kirchenlehrerin


Ein bedenkenswertes Zitat der großen Heiligen:
Wer aber irgendein Werk gegen den Gehorsam verrichtet, wie gut und heilig es auch in sich sein möge, der handelt nicht auf Eingebung Gottes, wie er sich vielleicht schmeichelt, sondern auf Antrieb des bösen Feindes, denn die Eingebungen Gottes stehen immer im Einklang mit dem Gehorsam.

Über das Gewissen bemerkte sie – nicht ohne Humor – und sehr sprechend:
Es ist kein kleines Kreuz, wenn man seinen Verstand jemandem unterordnen muß, der keinen hat. Ich habe das nie gekonnt und ich glaube auch nicht, daß es richtig wäre.

Montag, 12. Oktober 2009

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt

Zum 20. Mal jährt sich im kommenden Jahr der Todestag von Sr. Gemma Hinricher OCD, der ersten Priorin des Karmels Regina Martyrum in Berlin (die Schwestern der Neugründung kamen seinerzeit aus dem Karmel Heilig Blut in Dachau).

Sr. Gemma, die ursprünglich in Pützchen eingetreten war, wurde auf diese Weise zum zweiten Mal Mitglied einer Neuerrichtung. Ich erinnere mich noch gut an Sr. Gemmas großen Humor, ihre – neben ihrer überragenden Gabe zur Führung von Seelen – musikalische Begabung und ihre bisweilen sehr temperamentvolle Art. Den Mauerfall und damit verbunden auch die Vereinigung der beiden Gemeinschaften der unbeschuhten Karmelitinnen in Berlin durfte sie noch erleben. Beim Gedächtnis der Verstorbenen bete ich jedesmal auch für Sr. Gemma.

Das Bild zeigt Schwester Gemma mit Joachim Kardinal Meisner 1982 bei der Unterzeichnung der Gründungsurkunde in der Krypta der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum.

Ich finde es jedes Mal bewegend, wenn ich in den Aufzeichnungen der Widerstandskämpfer aus der Haft lese, was für eine Fähigkeit zur Freude sie hatten. Sie schloss Stunden tiefer Niedergeschlagenheit und Angst nicht aus – das Notvolle ihrer Lage blieb und öffnete sich doch der Verheißung, der sie entgegengingen. Immer wieder kann man lesen, daß sie überwältigt sind von den Erfahrungen, die sie mit Gott machen, und daß sie seiner Nähe gewiß sind wie nie zuvor in ihrem Leben. Darum bricht die Freude in ihnen durch, darum sollen ihre Lieben nicht um sie trauern, als gäbe es die Herrlichkeit Gottes nicht, die sie doch schon berührt haben.

Wenn wir zurückschauen auf den Aufbruch und das Loslassen, auf die Bereitschaft zum Risiko im Vertrauen auf die Treue Gottes, auf den Mut zum Widerspruch und Widerstand gegen die Verächter von Gottes Gesetz – dann erscheinen die Freiheit und Unabhängigkeit dieser Menschen, gerade in der Gefangenschaft und in der Erwartung des Todes, nicht nur als Geschenk, sondern auch als Frucht eines Reifungsprozesses, in den sie eingewilligt hatten.

In Psalm 126 heißt es: Stelle Du, Jahwe, uns wieder her so wie die Wadis im Negev! Nicht um die Wiederherstellung des Zion geht es dem Beter hier, sondern „um uns“, das ist zunächst die Gemeinschaft der Zionspilger, sodann sicher auch jede Gemeinschaft, jede Gemeinde, ja jeder Einzelne, die unterwegs sind auf dem Weg. (aus einer Predigt in der Gedenkstätte Plötzensee am 20. Juli 1989)

Der stille Innenhof des Karmels Heilig Blut in Dachau

…so wirst Du einen Schatz im Himmel haben


Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.
Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Mk 10, 17-30)
Wie gut paßte doch das Tagesevangelium gestern zu den neuen Heiligen. Einer, der sicher in das Reich Gottes gelangt ist, ist der hl. Damian de Veuster.

(aus einem Brief an seine Eltern und Brüder vom 25. November 1873)

Ich habe hier zwei kleine Kirchen — die eine habe ich mit meinen eigenen Händen gebaut — ganz aus Holz, mit einem schönen Turm. Ich warte noch auf die Glocke, die darin hängen soll. Ich wohne in einem kleinen Holzhaus und habe einen alten Mann, der mir die Küche besorgt. Meine Nahrung besteht aus Fleisch und Reis, manchmal ein wenig Brot und Milch, zum Glück bekomme ich jeden Tag eine gute Tasse Kaffee. Wenn auch diese schreckliche Aussatz-Krankheit meiner geistlichen Kinder ansteckend ist, ist meine Gesundheit noch immer dieselbe. …

Meine normale Beschäftigung ist: die Kranken besuchen und ihnen die Sakramente spenden. Fast jeden Tag muß ich ein Begräbnis halten, für die armen Toten mache ich selbst den Sarg.

Unsere nonekens – Schwestern – schicken mir viele Kleider, die an die Kranken verteilt werden. So daß ich diesen armen Geschöpfen nicht nur geistlichen, sondern auch leiblichen Beistand geben kann. Ich finde mein größtes Glück darin, dem Herrn in seinen armen und kranken Kindern zu dienen, die von den anderen Menschen verstoßen werden. Ich versuche, sie alle auf den Weg des Himmels zu führen.
Und auch ihr, liebe Eltern, Brüder und Verwandten, müßt frohen Mutes auf diesem Weg gehen, so daß wir uns alle im Himmel wiedersehen. Schätze und Reichtümer, sogar unser irdisches Leben, sind nichts, wenn wir nicht versuchen, unsere Seele selig zu machen. Betet viel für mich!
Euer ergebener Sohn
J. DeVeuster

In der Predigt gestern sprach der Pfarrer über die fatale Neigung, sich lebenslang alle Optionen offenhalten zu wollen und zu denken, das könne ja man später im Leben noch tun. Hier ist einer, der es nicht aufgeschoben hat, die schlichten und zugleich so wichtigen Dinge zu tun, zu denen er sich in der Nachfolge Christi berufen wußte.

Gepriesen bist Du in Ewigkeit, Herr unser Gott

Auf besondere Nachfrage hier ein Bild der erntedanktäglichen Akademiekirche – die, wie man sieht (und auch schon vorher wußte…), gänzlich ohne Kürbisse auskam. Leider nicht auf dem Bild sind dank eines wiedermal genau im passenden Moment verendeten Akkus je ein schlichter Tonteller mit einem Laib Bauernbrot und einem weißen Trauben, die unterm Kreuz standen. Vielen Dank, Frau Küsterin! :)

Mittwoch, 7. Oktober 2009

O beata solitudo – o sola beatitudo!

Ohne daß das Blog nun zum reinen Fotoblog werden soll – hier noch einige Bilder zum gestrigen Gedenktag des hl. Bruno, der bei uns, da Weihbischof Heinrich eine besondere Liebe zum Heiligen hat (was sich auch in seinem Wappen dokumentiert), mit den Lesungen vom Heiligen und einer ausführlichen Predigt über ihn gefeiert wurde.

Das stille Tal der Grande Chartreuse
Kreuzgang der Kartause La Valsainte
Ein Kloster der Bethlehemschwestern (ich glaube, irgendwo in Nordamerika)
Die zum Kloster gehörenden Einsiedelein der Schwestern

Neben älteren Werken über das Leben der Kartäuser – wie etwa André Frossards Mönche und Jesuiten oder Robin Lockharts Botschaft des Schweigens – habe ich im letzten Jahr Nancy Klein Maguires In der Stille vieler kleiner Stunden (über das Leben der Kartäuser von Parkminster sehr gern gelesen.

7. Oktober – Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz


Allmächtiger Gott
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir
die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Höre auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria
und führe uns durch sein Leiden und Kreuz
zur Herrlichkeit der Auferstehung.

Dienstag, 6. Oktober 2009

6. Oktober – Hl. Bruno der Kartäuser


„Wer Sie auch sind – vielleicht haben Sie einfach die Zufälligkeiten des Internet auf diese Seite geführt –, wie dem auch sei, seien Sie willkommen! Sie werden hier nichts oder nur wenig von dem finden, was die gegenwärtige Welt schätzt. Wir haben uns nicht einmal bemüht, etwas Originelles zu bieten.“

Diese Einleitung finde ich in ihrer Schlichtheit und Ehrlichkeit immer wieder ansprechend. Sie findet sich auf der Homepage des Kartäuserordens, dessen Gründer, den heiligen Bruno, die Kirche heute feiert.

Auf ihn passen so recht die Worte des Apostels, die ihm als Lesung zugeordnet sind:
Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen.
Das obere Bild zeigt das Refektorium der Kartäuserinnen in der spanischen Kartause Benifaça, unten das neu errichtete Kloster eines der Abkömmlinge des hl. Bruno, der Bethlehemschwestern (Monastische Familie von Bethlehem, der Aufnahme Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno) auf der Kinderalm.


Stat crux dum volvitur orbis

Montag, 5. Oktober 2009

Was man aus dem Pfarrbrief erfahren kann…


"Die Altersuntergrenze liegt bei 16 Jahren. Die Altersobergrenze bei 25 Jahren. Diejenigen Ministranten, die dem jugendlichen Alter entwachsen sind, haben bei uns aber Bestandsschutz."
(aus einem Beitrag zur Vorstellung der Gruppen und Kreise in der Gemeinde)

Wundervoll, ganz wundervoll – jetzt komme ich mir wirklich ein wenig vor wie der Abgebildete. Hat aber auch seinen Reiz, handelt es sich doch um eine "Steinkauzauffangstation", was wieder gut zum Erntedank und zum heiligen Franz paßt.

Disclaimer: Die Entedankdekoration hier war übrigens sehr schlicht und schön und gänzlich kürbisfrei. :P

Engel, immer noch


Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus
und halte alle Nachstellungen des Feindes von ihm fern.
Deine heiligen Engel mögen darin wohnen
und uns im Frieden bewahren.
Und dein Segen sei über uns allezeit.

Samstag, 3. Oktober 2009

Beten – warum grad wir?

Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: hier bin ich!  (1. Sam 3-4)
Liebes $Gremium von St. Himmelhilf,
es hat mich bestürzt, aus dem letzten Protokoll der $Gremiumssitzung zu erfahren, daß mein Vorschlag, im Priesterjahr – ähnlich wie während der Aktion Vierzig Tage – wiederum eine Gebetsstunde um Priesterberufe in St. Himmelhilf abzuhalten, mit den dürren Worten zurückgewiesen wurde, das $Gremium „sieht hier das Bistum in der Verantwortung“. Irgendwie war mir so, als hätte der Heilige Vater uns alle zum Gebet um neue priesterliche Berufungen aufgerufen, und der Herr selbst hätte so etwas gesagt wie Bittet, so wird euch gegeben.

Natürlich kann jeder Gläubige das seine dazu tun und als Einzelner beten, aber es ist doch auch ein schönes Zeichen, wenn man solches in Gemeinschaft, in der Pfarrgemeinde tut. Wie soll denn das künftige Leben in den Pfarrgemeinden aussehen, wenn es uns an priesterlichen Berufungen mangelt?
Natürlich muß es schon spät gewesen sein, als dieser drittletzte Tagesordnungspunkt drankam, und es lagen schließlich Steaks auf dem Grill, trotzdem offenbart er eine mangelnde Hochschätzung sowohl des Gebets als auch des priesterlichen Dienstes:
Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: ich glaub, da ist das Bistum zuständig.
Im Prinzip ist diese lustlose Haltung nichts Neues: da gab es im letzten Jahr ein zähes Ringen im $Gremium, weil zum Patrozinium das Pfarrfest mit einer Anbetungsstunde und liturgischen Vesper abgeschlossen werden sollte, wie es früher immer war. Schließlich gab es widerstrebend die Anbetungsstunde, die Vesper dagegen nicht, weil: „Gebetet haben wir schon morgens genug, da reicht ein kurzer Impuls!“ Außerdem „lohnt sich das nicht, wenn vielleicht nur 10 oder 20 Leute kommen“. Meine schlichte Frage, wieso es sich nicht lohne, wenn 10 oder 20 Leute – horribile dictu! – beten möchten, blieb leider unbeantwortet. Ich meine, wenn ich persönlich am Nachmittag fände, mir reichte es, dann bräuchte ich ja nicht zur Vesper zu gehen. Aber sie mit diesem Argument auch gleich von vornherein allen anderen zu verwehren?

Da fällt ausgerechnet in der Karwoche der tägliche Kreuzweg aus, weil genau zu dieser Zeit in der Kirche anderes stattfinden muß, wie etwa eine Chorprobe oder ein Orgelkonzert für einen höchst privaten Kreis. Die Pfingstnovene ist sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden. Solche Dinge bestürzen, wenn sie von verantwortlicher Seite kommen: die Liturgie und das Gebet haben vorzugehen, wozu finden wir uns sonst eigentlich in der Kirche vor dem Angesichte Gottes ein?
Frömmigkeit an sich scheint out, manchesmal geradezu tadelnswert, was schmerzt, wenn der Tadel aus den eigenen Reihen kommt. Da hört man Sentenzen wie, Frömmigkeit gehöre nach Hause, nicht auf die Kirchenbank. Ginge es vielleicht noch etwas säkularer?

Da ich mich die meiste Zeit sowieso frage, was gerade ich im $Gremium eigentlich soll – liegt doch einer unserer thematischen Schwerpunkte in der „Gestaltung von Festen“ – könnte ich die weitere Verschwendung von Zeit, die man wirklich besser für das Gebet nützte, womöglich vermeiden, indem ich mich aus dem besagten Gremium zurückzöge. Alternativ suche ich mir in der Sakristei eine Kredenzkante zum kräftigen Hineinbeißen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Herz-Jesu-Freitag


Der Geliebte ist mein, und ich bin sein; er weidet in den Lilien. Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, komm du, mein Geliebter, der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch auf den Balsambergen.

Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt.
(Hohelied 2,16-3,1)

Die kleine Heilige Therese in einem Brief an ihre Schwester Céline: "Du weißt, ich sehe das Herz Jesu nicht wie jedermann. Ich denke, das Herz meines Bräutigams ist ganz mein und das meine ganz sein, und ich spreche zu ihm in dieser köstlichen Einsamkeit von Herz zu Herz, bis ich ihn dann einmal von Angesicht zu Angesicht schauen darf."

2. Oktober – Hl. Schutzengel


Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe.
Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig.
Wenn du auf seine Stimme hörst und alles tust, was ich sage, dann werde ich der Feind deiner Feinde sein und alle in die Enge treiben, die dich bedrängen.
Wenn mein Engel dir vorausgeht.
(Ex 23, 20-23a)

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Wo die Schweinegrippe vor der Tür steht

Ernsthafte Anzeichen dafür, daß nunmehr die Schweinegrippe am Horizont dräut, sind neuinstallierte Desinfektionsmöglichkeiten und so aparte Hausmitteilungen wie diese:

Symptome für die Infektion mit dem Virus H1N1, insbesondere nach Kontakt mit bereits erkrankten Personen, sind plötzlich beginnendes Krankheitsgefühl, Fieber über 38 Grad C, Schüttelfrost, Husten, Atemnot, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich infiziert haben, wenden Sie sich bitte umgehend an ….
Der Betroffene muss dann, je nach Schwere der Erkrankung, in seinem Arbeitszimmer oder in einem gesondertem Notfallzimmer sofort isoliert werden. Die Tür seines Arbeitszimmers erhält einen Hinweis auf die Infektion und das Zimmer ist ohne Schutzkleidung nicht mehr zu betreten. Diese Maßnahme ist wichtig, damit Kollegen/innen oder die Putzfrauen[1] das Zimmer nicht aus Versehen betreten und sich anstecken.

Wir werden die notwendige Anzahl von Einmalkitteln, Mundschutz, Einmal-Handschuhen und speziellen Tüten für die Müllentsorgung vorrätig halten.

Der Hausarzt wird von … verständigt und hat dafür Sorge zu tragen, dass der Betroffene in einem gesondertem Zimmer der Arztpraxis mit den üblichen Schutzmaßnahmen untersucht wird.

Das Arbeitsteam des Betroffenen wird umgehend informiert, falls erforderlich auch die Fremdfirmen im Haus.

Herr … trägt dafür Sorge, dass das Zimmer belüftet wird und die Firma … das Zimmer des Erkrankten säubert und desinfiziert, weiterhin werden im betroffenen Stockwerk von … alle Türklinken desinfiziert. Erst 10 Tage nach dem Ausbruch der Krankheit kann bei einem normalen Verlauf die Arbeit wieder aufgenommen werden.

[1] BTW: warum heißt das hier eigentlich nicht Putzfrauen/innen oder Putzfrauen/männer? :P

[2] Aktuell fühle ich mich erkältungsbedingt grad scheußlich. Ich will aber nicht in meinem Arbeitszimmer isoliert werden. Ich will vor dem Allerheiligsten isoliert werden.

1. Oktober – Hl. Therese von Lisieux

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte.
Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodaß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
(Mt. 13,31-32)


Thereses kleiner Weg, von ihr selbst zusammengefaßt:

"Die Heiligkeit besteht nicht in diesen oder jenen Übungen und Leistungen; sie besteht in einer Bereitschaft des Herzens, die uns klein und demütig werden läßt in den Armen Gottes, wissend um unsere Schwäche und bis zur Verwegenheit vertrauend auf seine Vatergüte.“

  • Mich selber größer zu machen ist unmöglich! Ich muß mich ertragen wie ich bin.
  • Es ist gar nicht nötig, durch mein eigenes Bemühen wachsen zu wollen.
  • Jesus verlangt von mir keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit.
  • Ich habe kein anderes Mittel, um Gott meine Liebe zu beweisen, als aus Liebe zu ihm auch die allerkleinsten Dinge zu tun.
  • Ich lasse mich wegen meiner Fehler nicht entmutigen.

Die Kirche hat sie zur Kirchenlehrerin erhoben und nennt sie Lehrerin der Liebe (Doctor amoris). Ihre Sendung im Karmel sah sie darin, "Seelen zu retten und für die Priester zu beten."

Vier Monate vor ihrem Tode sagte die Heilige über ihr Leben: "Ich bereue es nicht, mich der Liebe ausgeliefert zu haben." Thereses letzte Worte in ihrer Sterbestunde: "Mein Gott, ich liebe Dich!"
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