Samstag, 29. August 2009

Lektorenpannen

Letzten Samstag bei der Vorabendmesse fühlte ich mich unversehens in der Rolle des unbekannten Ministranten, der über dem Wort Deuteronomium die Nerven verlor.

In den Vermeldungen, die ich auch nicht lieber vermelde als jeder andere (und rate, wer sie trotzdem immer…?! Genau.) war ein Pontifikalamt mit polnischen Konzelebranten anzukündigen. Nun war ich seit Freitagmittag Inhaberin einer neuen Lesebrille, von der ich eigentlich dachte, „in deinem Lichte schaue ich das Licht“ – aber nein! Womöglich sehe ich am Ambo in der Oberkirche noch schlechter als vorher schon. (Warum die Vermeldungen allerdings in schattierter Helvetica fett 11 pt ausgedruckt werden, ist ein tiefes, dunkles Geheimnis).

Den ersten Namen und das zugehörige Bistum konnte ich noch irgendwie aussprechen, bei der zweiten Buchstabensuppe verließen sie mich dann, weshalb der arme Bischof zu „einem anderen polnischen Bischof" wurde. Im Anschluß habe ich in meiner Verwirrung darüber noch herzlich „zu dieser feierlichen Feier" eingeladen. Erbarme Dich!

Ich vergebe dafür in der Rubrik „Kirchenpannen“ die silberne Schleife des Jahres. Die goldene ging an die Epistellesung[1] im Frühjahr, die anfängt mit Ob ihr eßt oder trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes. Ein wunderbarer und erbaulicher Gedanke. Erfüllt von meiner Mission trat ich an den Ambo und hub an: „Brüder oder Schwestern!" .oO(Sucht euch was aus!)

[1] Leicht angstbesetzt ist auch eine Lesung aus der Offenbarung, seit ich bei deren Vorbereitung einmal mit Schwung vorgetragen habe „…des Lammes ohne Mehl und Fakel". Das arme Lamm!

Freitag, 28. August 2009

Abbild der bräutlichen Kirche

In einem Forum stellte jemand die Frage nach dem Wozu und Warum der Lebensform der gottgeweihten Jungfrau und der Lebensform der Apostolatshelferin, verbunden mit mit der Idee, man könne stattdessen doch auch in ein Säkularinstitut eintreten.

Es gibt in der Kirche eine Vielfalt geistlicher Berufungen, die samt und sonders ihren eigenen Wert haben. Mit der Frage „Warum machst Du nicht lieber dies oder das?“ nimmt man ihnen meines Erachtens etwas von der je eigenen Würde und dem eigenen Charisma und wertet sie letztendlich so auch etwas ab.

Insofern ist es durchaus zu bedauern, wenn in den entsprechenden Fürbitten so oft ausdrücklich nur um „Priester- und Ordensberufe“ gebetet wird, oder sogar, die Konditionen etwas verschärfend: „Berufe immer wieder junge Menschen...“ Als könnte nicht auch ein älterer oder sogar alter Mann noch viele Jahre als Priester oder Laienbruder wirken, als gäbe unter den geistlichen Berufungen nicht auch Diakone, Mitglieder der Säkularinstitute, Eremiten und gottgeweihte Jungfrauen! Und wieso es eigentlich bei den Fürbitten belassen? Im Gespräch sagte mir neulich ein junger Priester: es müßte viel mehr darüber gepredigt werden. Er hat recht. Hier hat man die Möglichkeit, den Leuten von der Schönheit der Berufungen zum ehelosen Leben um des Himmelreiches willen zu sprechen und tut es leider oft nicht.

Die geweihte Jungfrau ist zu einem zeichenhaften Sein berufen und wird dafür eigens geweiht, das heißt, aus ihrem bisherigen Kontext herausgenommen und in einen neuen gestellt – konsekriert, wie etwa ein Kirchengebäude.

Bei der Übergabe des Stundenbuches spricht der Bischof: Empfange das Stundenbuch der Kirche. Das Lob Gottes und das Gebet für das Heil aller Menschen sei allezeit dein Dienst. Im Weihegebet heißt es Denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel. Über die Verpflichtung zum Stundengebet heißt es andernorts:
„Alle, die das vollbringen, erfüllen eine der Kirche obliegende Pflicht und haben zugleich Anteil an der höchsten Ehre der Braut Christi; denn indem sie Gott das Lob darbringen, stehen sie im Namen der Mutter Kirche vor dem Throne Gottes.“
Dies ist eine kontemplative, meiner Ansicht nach wesenhaft marianische Berufung. Besonders gefreut hat mich ein Bildchen, das ich von einem Priester zur Weihe bekommen habe: Christus, der Hohepriester, spendet der knienden Gottesmutter die Gestalten der hl. Kommunion. Darüber steht „Magnificat anima mea Dominum“.

Dienstag, 25. August 2009

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (2)


Einige Gedanken der hl. Maria Magdalena von Pazzi (eine der karmelitanischen Mystikerinnen) zum Empfang der heiligen Kommunion:

• Wenn du zur hl. Kommunion gehst, so bedenke, daß du, indem du Gott empfängst, die größte Handlung verrichtest, die du je verrichten kannst.

• Wenn du bedächtest, daß du, solange die hl. Gestalten dauern, die ganze hl. Dreifaltigkeit auf unaussprechliche Weise in dir hast, so würdest du gewiß nicht bloß gewohnheitsmäßig kommunizieren.

• Es gibt kein wirksameres Mittel, die Seele zu vervollkommnen als die hl. Kommunion.

• Unterlasse nie eine Kommunion aus eigenem Gutdünken, denn du weißt nicht, ob Gott nicht gerade in dieser Kommunion dir eine besondere Gnade zu geben beschlossen hat.

• Man begeht ein großes Unrecht gegen die Liebe, mit welcher sich Christus im heiligsten Sakrament hingibt, wenn man kommunizieren kann und es nicht tut.

• Gott der Herr hat sich uns aus Liebe geschenkt; daher verlangt Er, daß wir voll Gegenliebe und Dankbarkeit zu ihm kommen.

• Wenn du das heiligste Sakrament empfangen hast, suche dich ganz in dasselbe zu verlieren, indem du dir vorstellst, es gäbe in der Welt nur noch Gott und dich!

Montag, 24. August 2009

23. August – Hl. Rosa von Lima

Rosa von Lima - Jungfrau, Mystikerin

Geboren am 20. April 1586 in Lima in Peru, starb sie dort 1617 im Alter von nur 31 Jahren. 1606 schloß sie sich dem dritten Orden des heiligen Dominikus an. Im Garten ihrer Eltern hatte sie eine Hütte gebaut, in der sie mit handwerklichen Arbeiten einen geringen Lebensunterhalt erwarb und sich der Kranken- und Armenfürsorge widmete. Sie opferte ihr Leben der Bekehrung ihres Volkes und zur Sühne für die Bluttaten der spanischen Eroberer auf. In den letzten Lebensjahren ernährte sie sich nur von einigen Granatapfelkernen täglich und der heiligen Kommunion. Theodor Schnitzler schreibt über sie: "Sonst war ihr Dasein nichts als Gebet. Mancherlei Krankheiten und Schmerzen quälten sie. Verdächtigungen und Vorwürfe der Umwelt blieben nicht aus. Die schwerste Last waren ihre seelischen Leiden, eine oft völlige Verlassenheit und Trockenheit des Gebetes. Die Last verwandelte sich in lauter Gnade und Freude bei ihren mystischen Visionen."

Aus dem Tagesevangelium:
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß und kaufte sie. (Mt. 13, 45-46)

Samstag, 22. August 2009

22. August – Maria Königin


Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast. (Lk 1,38)

Die Lauretanische Litanei rühmt die Gottesmutter als Königin der Engel, Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, aller Heiligen, des Rosenkranzes, der Familien und des Friedens:

Heilige Maria – bitte für uns
Heilige Mutter Gottes
Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen
Mutter Christi
Mutter der Kirche
Mutter der göttlichen Gnade
Du reine Mutter
Du keusche Mutter
Du unversehrte Mutter
Du unbefleckte Mutter
Du liebenswürdige Mutter
Du wunderbare Mutter
Du Mutter des guten Rates
Du Mutter des Schöpfers
Du Mutter des Erlösers
Du Mutter der Barmherzigkeit
Du weise Jungfrau
Du ehrwürde Jungfrau
Du mächtige Jungfrau
Du gütige Jungfrau
Du getreue Jungfrau
Du Spiegel der göttlichen Heiligkeit
Du Sitz der Weisheit
Du Ursache unserer Freude
Du Tempel des Heiligen Geistes
Du Tabernakel der ewigen Herrlichkeit
Du Wohnung, ganz Gott geweiht
Du geheimnisvolle Rose
Du Turm Davids
Du elfenbeinerner Turm
Du goldenes Haus
Du Arche des Bundes
Du Pforte des Himmels
Du Morgenstern
Du Heil der Kranken
Du Zuflucht der Sünder
Du Trösterin der Betrübten
Du Hilfe der Christen
Du Königin der Engel
Du Königin der Patriarchen
Du Königin der Propheten
Du Königin der Apostel
Du Königin der Märtyrer
Du Königin der Bekenner
Du Königin der Jungfrauen
Du Königin aller Heiligen
Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen
Du Königin, in den Himmel aufgenommen
Du Königin vom heiligen Rosenkranz
Du Königin der Familien
Du Königin des Friedens


Im Bund der Liebe, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, ist die wesenhafte Antwort des Menschen das Ja. Maria war bereit, sie hielt nichts fest, sie schenkte alles, sich selbst, ihren Willen, ihr Leben, ihren Sohn. Unter dem Kreuz wurde Maria zur Mutter der Kirche und aller Menschen.

"Die Beispielhaftigkeit der heilgen Jungfrau geht daraus hervor, daß sie als das beste Modell der Kirche betrachtet wird in der Ordnung des Glaubens, der Nächstenliebe und der vollkommenen Vereinigung mit Christus, das heißt jener inneren Disposition, die die Kirche, die als geliebte Braut ganz ihrem Herrn angehört, inspiriert, wenn sei diesen (ihren Herrn) anruft und durch ihn den Gottesdienst darbringt, der dem ewigen Vater gebührt." (Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Marialis Cultis,)

So ist Maria als Beterin im Herzen der Kirche das Vorbild aller, die betend vor Gott treten. Über das Stundengebet lehrt die Kirche: "…denn indem sie Gott das Lob darbringen, stehen sie im Namen der Mutter Kirche vor dem Throne Gottes."

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.

Wie ich einmal in Versuchung geriet

Die Christinnen und Christen, die Laiinnen und Laien, die Beterinnen und Beter, die Pfarrbriefausteilerinnen und Pfarrer- und Pfarrerinnenbriefinnenausteilerinnen ($please add your favourite word) – sie sind mitten unter uns.

Daß es sich bei Christ und Laie um Formen handelt, die per se beide Geschlechter einschließen, und bei den Substantiven, die auf -er enden um ein generisches Maskulinum, ist den Leuten irgendwie nicht klarzumachen. Ich versuchs auch nicht, ich weigere mich nur, bei diesem konzertierten Sprachwahnsinn auch noch mitzumachen. Die manchmal etwas skurrilen und politisch besonders korrekt sein wollenden – letzteres ist immer leicht anstrengend – Fürbitten der (wenn ich mich recht erinnere) Diözese Trier (O-Ton: „…und für alle, die damit gar nichts anfangen können! – Herr erbarme Dich!" Ein anderes Mal „…und für die, denen das alles egal ist"[1]) haben mich einmal beinahe zum Gegentum verführt. Es nahm mit den -innen und -en einfach kein Ende, was die Anzahl der Fürbitten akustisch noch verdoppelte:
Für die Winzerinnen und Winzer, die in der Weinlese…
Für die Soldatinnen und Soldaten, die im Ausland…
Für die Gastgeberinnen und Gastgeber, die in diesen Tagen….
usw. usf.
und zum Schluß kam, einsam und allein:
für die Priester.
Während ich mich so vorbetenderweise auf den einsamen Priester zuarbeitete, habe ich schon überlegt: les ich jetzt „Für die Priesterinnen und Priester"? Nicht aus irgendeiner Vorliebe heraus, sondern aus schierem Experimentierdrang: nur um zu sehen, ob da jemandem in der Gemeinde der Kopf hochfährt oder ob einfach alle „Wir bitten Dich, erhöre uns!" murmeln. Dann hab ichs doch lieber gelassen – das war wahrscheinlich auch besser so.

[1] Verrichtet eigentlich auch gelegentlich jemand ein Stoßgebet für die armen Menschen, die dieses Zeugs im Gehorsam vorbeten?

Eine kindliche Freude hatte ich dagegen einmal im Frühjahr, als der Zelebrant „Für alle, die eine Mutter haben" betete. – Kurze Pause, leicht verwirrter Gesichtsausdruck: „…also für alle!" :)

Freitag, 21. August 2009

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz

Unverhofft habe ich eine Möglichkeit zum Gebet vor dem Allerheiligsten gefunden, nahezu wann immer ich Zeit habe, am liebsten abends oder spätabends nach der heiligen Messe. Nur im selben Hause mit dem Allerheiligsten wohnen, wäre noch besser – das kann ich mir ja noch als Steigerungsform aufheben ;)

Ich muß jedenfalls an Edith Stein denken, die, als sie bei den Dominikanerinnen von Speyer unterrichtet hatte, Abende bzw. Nächte in der Klosterkirche zu verbringen pflegte.

Die ausgedehnte stille Betrachtung vor dem Tabernakel ist nach der hl. Messe besonders kostbar, oder wie es die unvergessene Mother Mary Francis ausgedrückt hat: Christus, der soeben in unsere Herzen gekommen ist, blickt zurück.

Besonders innig empfinde ich das Beten der Komplet statt auf der Bettkante nach langer Zeit einmal wieder in der Kirche:

Sei unser Heil o Herr, wenn wir wachen und unser Schutz, wenn wir schlafen. Damit wir wachen in Christus und ruhen in seinem Frieden.

Hochamt mit Balletteinlage

Am Sonntag im Hochamt, nach der hl. Kommunion:

Ich darf das Allerheiligste mit dem Leuchter zum Tabernakel begleiten (das ist mir einer der liebsten Dienste). Der Küster als Gottesdienstbeauftragter soll reponieren. In der Unterkirche wandern zwei ältere Frauen herum, die gerade ausgiebig die Holzschnitte an der Wand – den Kreuzweg – besichtigen und sich für unsere kleine Sakramentsprozession nicht im mindesten interessieren. Das ist schade, aber was soll man machen – wir haben gerade anderes zu tun. Ich knie nieder, der Küster setzt das Allerheiligste wieder ein, eine letzte Kniebeuge, der Leuchter wird gelöscht, wir wollen zurück in die Oberkirche. Die beiden Damen finden, daß nun ein guter Moment wäre, die Altarinsel genauer in Augenschein zu nehmen und auszuprobieren, wie es sich auf dem Priestersitz so sitzt. Die Handbewegung des Küsters ist bemerkenswert höflich, aber eindeutig. Im übrigen möchte er die rote Kordel, die den Altarraum absperrt, wieder auflegen – er weiß, warum. Auch das interessiert die Damen erst einmal nicht, sie haben eine Mission, sie wollen die Kirche besichtigen, und wo sie nun schonmal hier sind… Schließlich gelingt es dem Küster, sie aus dem Bezirk der roten Kordeln hinaus zu bugsieren. Die beiden retirieren zur Treppe hin, wobei sie uns noch zwischen den Füßen herumlaufen bzw. auf selbige treten (eine der beiden hat allerdings einen Fuß ausgelassen, ich habs genau gesehen). Schließlich schaffen wir nur unwesentlich nach dem Ende des Dankliedes wieder zu den Sedilien.

O tempora, o mores! Ich frage mich, ob wir besser dran wären, wenn wir statt der mehrsprachigen Schilder – mindestens in deutsch, englisch und russisch – Keine Besichtigung, Gottesdienst! eine Passage aus dem Katechismus aufhängten:
Wir sollen
• Christus im heiligsten Sakramente gern besuchen und anbeten
• uns in seinem Hause immer würdig betragen.
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